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Musikvideo Check 08/2007
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Musikvideo Check 08/2007

m Musikvideo, das eine Geschichte erzählen will, kann der Ton Geräusche und Sprache der erzählten Welt mit einbeziehen oder auch nicht. Entscheidet sich der Regisseur für die erste Variante, entsteht meist ein Videoclip, der auch als Kurzfilm taugt - die Bildgeschichte wird ein bisschen dringender und unmittelbarer. Aber auch bei Trick- und Slomo-Clips, die ja eigentlich keine Original-Tonspur besitzen, entstehen zuweilen spaßige Kreationen - wenn z. B. die Musik selbst Geräusche oder Sprache bereithält.


U.N.K.L.E. feat. Ian Astbury - “Burn My Shadow” (Video bei YouTube anschauen (http://www.youtube.com/watch?v=XSLJyC_YB94))

Schon das Video zu dem Song “Rabbit In Your Headlights”, den U.N.K.L.E.-Mastermind James Lavelle (damals zusammen mit DJ Shadow, heute mit Richard File) gemeinsam mit Radiohead-Frontmann Thom Yorke aufnahmen, war ein kleiner Kurzfilm. Viele Geräusche von fahrenden Autos, das Gebrabbel des Protagonisten als “Sprachspur”, sogar Pausen für Dialoge - da machte die Musik einige Zugeständnisse an die Bildkomponente. Auch “Burn My Shadow”, das diesmal Ian Astbury (The Cult) als Sänger featuret, ist so ein Videoclip. Die Story: Der Protagonist wacht auf in einem Schlachtfeld aus leeren Flaschen und entdeckt vorm Badezimmer-Spiegel ein Display, dass außen an der Stelle sitzt, wo sich im Inneren sein Herz befindet - und im Sekundentakt gegen null zählt. (Damit haben wir übrigens genau wie in “Rabbit In Your Headlights”, wo ein Mann durch einen Tunnel ohne Gehweg geht, eine so überraschende wie dramatische Ausgangssituation). Zur Vorgeschichte erfahren wir nur anhand eines zerstörten Bilderrahmens, dass da kürzlich eine Beziehung in die Brüche gegangen ist. Der Typ säuft sich offensichtlich eh kaputt und kommt nicht mehr klar in seinem Leben. Diese Situation scheint auf den ersten Blick skurril, lässt man sich erstmal auf die abstrakte Ebene ein, die ja auch der Titel des Liedes schon suggeriert, versteht man schon mehr: Vielleicht ist der Protagonist innerlich schon längst gestorben und jetzt folgt - verzögert, aber logisch - auch der Körper. Schließlich sind seine “Rettungsversuche” äußerst halbherzig und kurz vorm Ablauf des Countdowns wirkt er ja ziemlich entspannt, lächelt gerade zu. Dabei läuft der meiste Teil der Bilder “stumm” durch; die Teilszenen aber, die dann eine eigene Tonspur bekommen, wirken umso prägnanter. Wenn der Typ an den Drähten zieht und vor Schmerz aufschreit; wenn er versucht Feuerwehr, Polizei und Notarzt gleichzeitig anzurufen, aber nichts erreicht; wenn das Telefon klingelt (und die Musik sogar einen Moment aussetzt um die Spannung zu steigern). Erstaunlich ist auch, wie viel Präsenz der Regisseur dem laufenden Fernseher einräumt, der gleich zu Beginn des Clips auffällt. Wenn unser Held nur noch wenige Sekunde zu leben hat und hilflos auf dem Bett niedersinkt, glotzt er erst mal ne Runde. Die pure Resignation.

Stars - “Take Me To The Riot” (Video bei YouTube anschauen (http://www.youtube.com/watch?v=sxeIivNDtFU))

Auch das Video zu “Take Me To The Riot” von der kanadischen Band Stars bindet reichlich Geräusche und Dialog ein. Vielleicht ist es auch mal ganz gut, dass das Musikfernsehen gerade so tief am Boden liegt - wenn MTV den Clip eh nicht spielt, kann man ja auch gleich über eine Minute lang mit der Musik warten und sich Zeit für einen kleinen Prolog nehmen. Und auch hier gibt es eine Story, die sich aber diesmal recht knapp zusammen fassen lässt: Junge vom Land kommt zum ersten Mal in die große Stadt. Das ist aufregend, er schläft auf der Straße, lernt Leute kennen, geht zu Parties, küsst Mädchen, die Clique geht in Anziehsachen schwimmen - so in der Art. Klar geht es nicht um blinden Vandalismus, wie der Titel “Take Me To The Riot” vielleicht zunächst vermuten lässt. Scheiße - der Typ entdeckt eine komplett neue Welt und das muss einfach wunderbar sein. Dazwischen sehen wir die Band, vor allem den mit (zu Recht) großen Gesten hantierenden Torquil Campbell und eine so souveräne wie gut aussehende Amy Millan. Interessant ist dabei die Farbgebung - die in den Einstellungen, die die Band zeigen, schlicht schwarz-weiß ausfällt, bei denen mit unserem jungen Freund dagegen nur ein wenig blasser als üblich. Die Geräuschebene ist durchgehend präsent - natürlich nur, was den Jungen betrifft - und bindet somit noch mehr Stadt-, Feier-, und Lebensatmosphäre ein. “Take me to the riot and let me stay” !!!

Animal Collective - “Peacebone” (Video bei YouTube anschauen (http://www.youtube.com/watch?v=fxvGHQHiY70))

Beim Clip zu “Peacebone” kommen eigentlich keine Geräusche aus der erzählten Welt vor. Irgendwie hat man aber trotzdem den Eindruck, dass diese Welt, in der zwei verliebte Monster gezeigt werden, auch im auditiven Bereich berücksichtigt wird. Bei dieser Musik, die vor allem auf Samples und Geräusche setzt, ist das ja auch kein Wunder - auch wenn dabei schon mal Irrtümer oder Fehlschlüsse auftauchen. Irgendwie liegt es aber wohl am menschlichen Wahrnehmungsapparat, das ein Element im Video mit einem gleichzeitigen Geräusch verknüpft wird. Ich weiß nun nicht wie es euch geht, aber beim “Peacebone”-Clip scheinen die Monster so einige Geräusche von sich zu geben, die dann im Vortrag des Weibchens mit dem Mundfortsatz gipfeln. Ein Video, vor dem man sich auf jeden Fall ekeln kann, das aber grundsätzlich erst mal süß ist. Die beiden sind verliebt: Picknicken, spielen Verstecken, machen Unsinn. Schaut euch doch mal an, wie unbeholfen er immer hinter ihr her rennt... Da erkennt man doch eine ganze Menge menschlicher Eigenschaften in den beiden Aliens wieder.

Múm - "They Made Frogs Smoke Til They Exploded" (Video bei YouTube anschauen (http://www.youtube.com/watch?v=EfetdPWDtko))

Ähnliches gilt für den Bild/Sound-Mix bei Múms neuem Video zu "They Made Frogs Smoke Til They Exploded" - bei dem der Titel übrigens nicht ganz den Inhalt vorgibt. Anstatt rauchende Frösche zu zeigen, abstrahiert der Regisseur das Bild und lässt statt dessen Kinder und niedliche Tiere bluten. Die irgendwie natürliche und deswegen so furchterregende Selbstverständlichkeit, mit der Kinder grausam sein können, wird so abgebildet und reflektiert. Wirklich sehenswert ist dabei die Tricktechnik, die erst zeigt, wie die jeweiligen Protagonisten auf teilweise billigstem Papier gezeichnet werden, dann auf so unblutige Art und Weise zu bluten anfangen und schließlich zerrissen, zerknüllt und weggeworfen werden. Eine arg in Mitleidenschaft gezogene Katze wird von den anonymen Händen sogar wieder zusammen genäht. Geräusche aus der erzählten Welt treten eigentlich nicht auf - lediglich zu Beginn und in der Mitte des Clips werden tierische bzw. menschliche Urheber für die vor sich hin trällernden Mädchenstimmen suggeriert.

K. Haller