o, jetzt ist Winter. An den langen Abenden unter der Woche, die man sonst grillend im Garten, drachensteigenlassend auf den Feldern oder blütenzählend im nächsten Hain verbracht hat, muss man jetzt zuhause bleiben und kann sich intensiv dem Studium kurioser, schöner, klassischer oder auch einfach interessanter Musikvideos widmen. Ich würd sagen wir haben diesmal von allem etwas dabei.
Snoop Dogg - “Sensual Seduction: Closed Captioned”
(Video bei YouTube anschauen (http://www.youtube.com/watch?v=pKz-RXSeIYA))
Eigentlich eine gute Idee: Man nehme einen Mann, der es wohl in jedem Kostüm, jeder Situation und vor jedem Hintergrund schafft gut auszusehen und lasse ihn ein Video im Setting der 80er Jahre drehen. Snoop Dogg ist natürlich so ein Mann und es ist daher selbstverständlich, dass der Clip zu “Sensual Seduction: Closed Captioned” fulminant gelungen ist. Nicht nur nostalgische Liebhaber der Produktionstechnik von Musikvideos der 80er kommen hier zum Genuss, nicht nur Freunde von divseren afro-amerikanischen Mode-Strömen ebendieser Zeit - nein, eigentlich jeder wird Freude an diesem Video haben, weil die genannten Schmankerl unser kulturelles Wissen geprägt haben und darin verankert sind. Ich möchte mir nicht anmaßen zu sagen, dass hier die Originale perfekt nachgebildet wurden oder gar ein Idealstücke aus der Quintessenz der Vorbilder geschaffen wurde, aber die Sache wirkt von vorne bis hinten so rund und ausgefuchst, dass ich kurz davor bin. Das geht schon damit los, dass Snoop bei seinem ersten Satz, der auf der Ton-Ebene mit einem Echo-Effekt verhallt, auch auf der Bildebene den Satz wiederholt, aber durch ein relativ simpel zu durchschauendes Zurückspulens des bereits gezeigten Materials. Nostalgiker können den Notizblock schonmal zücken, weitere Kennzeichen notieren und mir per Mail zuschicken.
Robyn - “Be Mine”
(Video bei YouTube anschauen (http://www.youtube.com/watch?v=_PDNRTCuPyQ))
Robyn ist eine schwedische Sängerin, die sich kürzlich aus ihrem Major-Deal selbst rausgekauft hat, um mit ihrer eigenen Plattenfirma an die Leute heranzutreten. Zu ihrer neuen Single gibt es nun ein Video, das auf den ersten Blick unscheinbar wirken mag, weil es halt eine total gängige Geschichte erzählt und weder mit Animationen noch sonstigen Effects prunkt. Der Clip ist genauso klar und deutlich wie Robyns Musik: Pop. Unterhaltung. Was an sich alles andere als eine schlechte Sache ist. Aber wenn man sich die Geschichte mal genauer anguckt, entdeckt man einige pikante Kleinigkeiten: So passen die Lyrics und das Video auf dem Höhepunkt überhaupt nicht zusammen. Im Text heißt es
”(I saw you at the station
You had your arm around what's-her-name
She had on that scarf I gave you
And you got down to tie her laces)
'Cause you never were, and you never will be mine
(You looked happy, and that's great)
No, you never were, and you never will be mine
(I just miss you, that's all)”
und im Bild kommt der junge Mann, den die arme Robyn so verehrt auf sie zu und nimmt sie zum Erstaunen des Freundeskreises fest in den Arm, beide sind happy. Es stellt sich dann zwar heraus, dass die Protagonistin da nur Tagträumerei betrieben hat - es gibt aber an diesem Punkt des Videos keine echten Anzeichen dafür, halt erst später. Wer die Kiste also noch nicht kennt wird erstmal ganz schön den Kopf schütteln. Oder dieser kleine farbige Junge, der Robyn begleitet. Es ist einer dieser Jungen, der weise guckt, cool aussieht, gut Billiard spielt und gerne Döner isst - aber was hat er da sonst noch zu suchen? Am Ende tanzt er was vor... Ist doch schön, wenn im Video zu einem gut gemachten, wenn auch irgendwo “simplen”, Popsong einige Stellen vorkommen, wo man erstmal grübeln muss.
Britta Persson - “Winter Tour”
(Video bei YouTube anschauen (http://www.youtube.com/watch?v=TMxCXdWkAD8))
Und wieder Schwedin, und wieder müssen wir auf den Text schauen. Wo ihre Landsfrau Robyn nämlich erst auf den zweiten Blick unangenehm wird, hinterlässt Britta Persson schon beim ersten, aber auch beim zweiten und dritten Versuch lediglich Fragezeichen. Schaut man sich aber noch mal in aller Ruhe den Text zu ihrem Song “Winter Tour” an, wird schnell klar, dass dem auch nicht so einfach beizukommen ist:
”The music we were listening to, it is still my favorite music
It brings forth other feelings though, it is nice to be this much alive
I was not done
I met one of the guys today, one of two with biblical names
He was drunk and said he was fine, only problems of money kind
He was alive, I should not drive
Had more luck than one could ask for, it’s like there’s a God after all
Oh no, I don’t think so
I’m so glad everyone is ok, I do not know what to say but ah!”
Ich bin mal ehrlich: Den Schlüssel für den Code habe ich noch nicht gefunden - wenn auch so eine vage Ahnung schon in mir existiert, was Frau Persson eigentlich meinen könnte. Die werde ich jetzt hier nicht ausbreiten, denn das ist ja immer eine ziemlich persönliche Interpretation - vielleicht genau das, was die Künstlerin wollte. Das Video auf jeden Fall erklärt sich auch nicht von selbst, sondern braucht ganz dringend einen Betrachter, der dem skurrilen Geschehen Sinn einhaucht. Ist sie eine Therapeutin? Geht es um Geschlechterrollen (Männer denken zu viel an Autos)? - Warum spielt sie den beiden Typen dann Musik vor und warum machen sich später die kleinen Spielzeug-Figuen in ihrer Schachtel selbstständig? Bahnt sich hier eine Selbsttherapie der Therapeutin an? Verstörend plötzliche Groß-, ja eigentlich schon Detailaufnahmen machen die Sache nicht deutlicher. Nun - es bleiben mehr Fragen als Antworten und ich bin sicher, jeder von euch könnte noch ein paar dazuschreiben. Gute Sache.









