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Musikvideo Check 12/2007
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Musikvideo Check 12/2007

er Musikvideo-Check im Dezember greift auf zweimal England und einmal Deutschland zurück. Rock, Shoegaze und Coverkunst sind vertreten und überzeugen meist, interessieren immer mit Videos, die sich mit Körper(un)ästhetik, destruktiver Kunst und Internet-Collage beschäftigen.

These New Puritans - Elvis
(Video bei YouTube anschauen (http://www.youtube.com/watch?v=lzHwRcOsDNw))

Die Briten “These New Puritans” reichen mit “Elvis” nicht nur einen tollen Song, sondern auch ein großartiges Video dar. ”Elvis, I wasn't talking about that king, or ...” Sich schüttelnde Köpfe (schneller abgespielte Bildsequenz), unangenehme Veränderungen der Körperform (Special Effects) und ein übernächtigter Sänger (Schminkkoffer) - es wird einiges geboten. Was soll man dazu noch groß sagen, außer dass hier einfach eine tolle Harmonie zwischen Bild und Ton herrscht, der Kram tierisch rockt und - und! - der King of Rock’n’Roll Elvis Presley überraschenderweise nicht persönlich in den Clip eingebunden wurde?

Electrelane - In Berlin
(Video bei YouTube anschauen (http://www.youtube.com/watch?v=ZF5-eyJbZ3c))
Auch aus England kommen Electrelane, und auch sie haben ihren Song “In Berlin” mit einem schönen Video ausgestattet. Das seit zehn Jahren existierende Quartett hat 2007 mit “No Shouts, No Calls” das fünfte Album veröffentlicht und füttert den Berlin-Hype mit der Single “In Berlin” mal wieder ordentlich an. ”Snow will come and cover this town / If we freeze I want to freeze next to you / City lights shine overheads / I never want to leave you / You are all that I want / You are all that I need / You are all that I've longed for this wintertime”. Ob in Berlin gerade Schnee liegt weiß ich nicht - wie das Motiv der sich automatisch zerstörten Kunst in die Stadt passt weiß ich genauso wenig. Trotzdem strahlt “In Berlin” eine sehr ästhetische Grundstimmung aus, die auch durch die sehr offensichtlich am Computer generierten Kunstwerksplitter nachhaltig getrübt wird. Blitz und Donner sind sowohl auf Ton- als auch auf Bildebene mit eingebunden und wirken mit dem üblichen, effektvollen Pathos auf die gelungene Bildkomposition. Bleibt noch die Frage, wer das androgyne Wesen ist, das übrigens auch im etwas langweiligen Clip zu “To The East” (http://www.youtube.com/watch?v=mlSfPmqiplY&feature=related) auftaucht.

Norman Palm - Girls Just Wanna Have Fun
(Video bei YouTube anschauen (http://www.youtube.com/watch?v=kE-wRiq3ygE))
Humbert Humbert würde aus dem Staunen nicht herauskommen, besäße er die Möglichkeiten, die ein normaler Internet-User heutzutage sein eigen nennt. Der Held aus Nabokovs Roman “Lolita” würde aber wohl nicht die integrierte Webcam seines Laptops benutzen, um sich selbst bei der Playback-Performance von Cindi Laupers Hit “Girls Just Wanna Have Fun” zu filmen; statt dessen dürfte man den wie ein Gentleman auftretenden Pädophilen Tag und Nacht vor dem Computerbildschirm vermuten - auf der Suche nach noch mehr amerikanischen Teenagerinnen, deren selbstgemacht Videos bei YouTube zu finden sind. - Wie Norman Palm die Sache sieht weiß ich nicht, auf jeden Fall hat der Berliner Coverspezialist seine Version von dem Song mit einer Video-Collage versehen, die sich an eben den selbstgemachten Videos der amerikanischen Teenagerinnen vergreift. Das wird der Natur des Songs irgendwie gerecht und ist nach Montas “Good Morning Stranger” (http://www.youtube.com/watch?v=QU2h9RFtYS0) der zweite Kandidat im Musikvideo-Check, der sich ausschließlich an YouTube-Videos bedient. Ehrliche Emotionen - unbezahlbare Authentizität, die der “Swinger/Songwriter” für seine mit Akustik-Gitarre und Flüsterstimme vorgetragene Version des bekannten 80er-Jahre Hits auch gut gebrauchen kann.

K. Haller