er Musikvideo-Check kommt endlich im Jahr 2008 an. Als Aufhänger dient der langweilig-einsame Samstagabend, dem sich Madsen annehmen und den Mobius Band ganz anders gestalten. Estelle lädt die amerikanischen Präsidentschaftskandidaten der nächsten Generation nach Hause ein, Nick Cave sponsort einem Toten eine Besichtigung der Vereinigten Staaten.
Madsen - “Nachtbaden”
Das Lied, dessen Titel mir irgendwie immer wie eine Verballhornung von “Nacktbaden” vorkommt, steht in seiner schier grenzenlosen Einfachheit für die Einfallslosigkeit in der Rockmusik - und ich traue den Herren Madsen durchaus zu, dass sie das absichtlich gemacht haben. Mit den scheinbar im alkoholisierten Zustand erdachten Reimen, die jegliche Kreativität verweigern wollen. Mit den am häufigsten verwendeten drei Akkorden der Rockgeschichte. Mit der millionenfach gehörten Rückung am Ende, einen halben Ton nach oben. Dass dieses Stilmittel im zweiten Vers gar nicht unklug schon einmal angedeutet wird, zeigt aber, dass diese Band echte Qualität hat. Schön auch, dass sie dieses Video gemacht haben, weil es den Frust des Liedes in aller Härte umzusetzen versteht.
Mobius Band - “Friends Like These”
Das absolute Gegenteil von samstäglicher Einsamkeit zeigen Mobius Band in einer wenig appetitlichen Alternative. Es wird eine Party gefeiert, die so spießig aus der Retorte lugt, dass man spaß in diesem Absatz einfach klein schreiben muss. Nun gut - es müssen ja nicht nach jedem Fest Unbekannte fickenderweise übereinander herfallen und Anzugträger im eigenen Erbrochenen planschend unterm Tisch den Schlaf der Betrunkenen träumen, aber besser ist es. Zum Glück meinen auch Mobius Band diesen Clip offensichtlich nicht ganz ernst - zu sehr häufen sich die Albernheiten. Wenn selbst der Drummer bis zum Beginn der Feier unter einem Tuch vor Staub und anderen Kleinteilen geschützt wird, da hört jeder Sauberkeitsfimmel auf. Zu der sterilen Musik passt es aber ganz gut.
Estelle & Kanye West - "American Boy"
Die britische, singende Rapperin Estelle hat eine Beschäftigung gefunden, die nicht nur großen Spaß macht, sondern auch der Völkerverständigung dient: Jungs aus Übersee angucken. In ihrem Clip “American Boy” geht sie diesem Hobby nach und hat sich mit Kanye West den Prototypen dazu ins Studio geholt. Geile Klamotten, großartiges Auftreten - gute Idee! Die anspruchsvolle Schwarz-Weiß-Ästhetik kann sich aber zumindest bei der YouTube-Qualität leider nicht so richtig entfalten; wenn die zierliche Estelle mit einem riesenhaften Schlagschatten tanzt müsste sich nämlich eigentlich etwas mehr Gänsehaut einstellen. Vielleicht ist es auch einfach, weil die 28 jährige so angenehm ehrlich und down-to-earth wirkt.
Nick Cave & the Bad Seeds - "Dig, Lazarus, Dig!!!"
An einem einsamen Samstagabend kann man durchaus auch schon mal den Wunsch haben, dahin zurückzukehren, wo man hergekommen ist - sei das nun Mamis Bauch oder eben das Grab (vor der Auferstehung). Ob Nick Cave derzeit von solchen Problemen geplagt wird? Ich kann es nicht sagen, vielleicht hat die Lazarus-Thematik auf seinem neuen Album auch eine ganz andere Bedeutung. Seine Musik zumindest ist so gut und erfolgreich wie immer, nur lässt das ja aber ehrlich gesagt auch nicht automatisch auf viele Freunde schließen. Auf jeden Fall verzichtete der Australier im Clip zum Titelsong des neuen Albums gänzlich auf Komparsen, Statisten, Bandmitglieder und überhaupt andere Menschen. Man muss vielleicht Nick Cave heißen, um seine Visage 3 Minuten und 37 Sekunden lang ohne Schnitt in die Kamera zu halten und eine komische Geschichte zu erzählen. Klar wirkt es albern wie der Mann da tanzt, aber er scheint das auf eine würdevolle Art zu wissen. So will ich auch mal sein, wenn ich alt bin.






