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Musikvideo Check 03/2008
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Musikvideo Check 03/2008

usikvideo-Check im März – das Wetter pendelt zwischen strandwarm-sonnig und schneeschauerig-kalt. Da versuche ich dem Sommer auf die Sprünge zu helfen mit einem schön linearen Verlauf vom dunkelsten Schwarz-Weiß-Clip ever bis zum quietschbunten Disco-Hit. Wir haben sie alle!

Madrugada - “Look Away Lucifer”
(Video bei YouTube anschauen (http://www.youtube.com/watch?v=AW3LtVEMKZw))

Die Geschichte von “Madrugada”, dem neuen Album der gleichnamigen Band aus Norwegen, ist eine besondere. Die Aufnahmen waren weitgehend im Kasten, da fand man Gitarrist Robert Burås tot in seiner Wohnung. Die Polizei schweigt nach wie vor über die Todesursache, nur ein Fremdverschulden wurde ausgeschlossen. Es scheint klar, dass der erst 31 Jahre alte Burås dem Rock-Leben gesundheitlich nicht gewachsen war. Und jetzt schaue man sich noch einmal den Titel der ersten Single-Auskopplung aus “Madrugada” an. Jede Wette, dass dieser Clip den “Großen Preis der Düsternis” der vereinigten Gothic-Magazine gewinnen würde. Eine grandiose Lichtsetzung und natürlich ein gewohnt kraftvoller Song machen aus “Look Away Lucifer” für mich sogar einen Anwärter auf den Titel “Musikvideo des Jahres” im Musikvideo-Check! Hoffen wir, dass “Madrugada” irgendwann auch in Deutschland erscheint...


Ja, Panik - “Marathon” & “Thomas sagt”
(Video bei YouTube anschauen (http://www.youtube.com/watch?v=t_-z3eq-2Z4))

Nicht ganz so dunkel, aber dafür schön körnig ist das Video von Ja, Panik, denen ein verdammt stürmisches Album gelungen ist. Und weil die Songs so kurz sind kann man eigentlich auch gleich derer zwei in einem Video verbraten. Wenn MTV meckert ist egal, die spielen so etwas Feines eh nicht. Die Österreicher haben wieder mit Tehafilm zusammengearbeitet und diesmal ein Video zu den Songs “Marathon” und “Thomas sagt” ersonnen. Die Geschichte vom alten Suffkopp, der mit dem jungen Mädchen an der einen und einem Zauberstab in der anderen Hand durch die Welt zieht, erklärt sich natürlich nicht von alleine – gut so. Die eigenwillige Mystik des Super-8-Materials harmoniert jedenfalls hervorragend mit der scheinbar trashigen Musik, deren Tiefe sich erst beim wiederholten Hören entfaltet. Gut, dass “The Taste and the Money” 2008 auch in Deutschland erscheint.

Arcade Fire - “Black Mirror”
(Video bei YouTube anschauen (http://www.youtube.com/watch?v=r_Kre4K6sKo))

Das kanadische Familienunternehmen Arcade Fire backt nach dem tollen interaktiven Video zu “Neon Bible” auch mal wieder kleinere Brötchen. Der Clip zu “Black Mirror” ist der dritte im diesmonatigen Musikvideo-Check, der in schwarz-weiß gehalten ist und wie sein Nachbar von Ja, Panik erzählt er eine Geschichte, aus der man aber nicht so richtig schlau wird. Auffällig ist, dass die Bilder teilweise wie gemalt aussehen, was nicht immer gut mit dem tatsächlich gedrehten Material harmoniert. Aber auch hier ist eigentlich alles so dunkel und schummrig, dass das kaum stört. Passt auf jeden Fall gut zu den irgendwie fantastischen Lyrics, denen man aber auch einen deutlichen Bezug zur Realität abliest.

Jack Johnson - “If I Had Eyes”
(Video bei YouTube anschauen (http://www.youtube.com/watch?v=qsYKlNi4UXI))

Ist ja erstaunlich, wie man so von Madrugada auf Jack Johnson kommen kann, aber das Surfgesicht hat tatsächlich ein Video ohne Farben gedreht, das nur nachträglich koloriert worden ist. Außer Gepose kommt da zwar nicht viel bei rum, aber trotzdem gefällt es mir, wie der Keyboarder bunte Kugeln verschießt und überhaupt ist das natürlich alles ganz ordentlich gemacht. Die wacklige Kameraführung mit unruhigen Unschärfe-Effekten wirkt dankenswerterweise der großen Portion Kitschigkeit im Bildmaterial entgegen.

The Kills - “Cheap and Cheerful”
(Video bei YouTube anschauen (http://www.youtube.com/watch?v=G6wUPCqwWI8))

Die Coverband der letzten Spex-Ausgabe, die auf und im Heft auf melancholischsten Schwarz-Weiß-Bildern präsentiert wurde, klingt natürlich in Wirklichkeit unheimlich lebendig und einfach – bunt. Das gibt der Videoclip zu “Cheap and Cheerful” wieder. Da wurde auch mit einfachen Effekten nicht gegeizt, die dem Video die der Musik ebenfalls eigene Do-It-Yourself-Ästhetik verpassten. Das englisch-amerikanische Duo mit den Künstlernamen VV und Hotel inszeniert sich zu den Zeilen “ I want you to be crazy / 'Cause you're boring baby when you're straight“ zwischen marching band-Uniform und glamour outfit. Der Frühling kann nicht nur kommen, sondern auch mal bleiben.

K. Haller