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Electro Check 06/2008
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Electro Check 06/2008

as geht hier ab? Dirty South ohne Sizzurp? MIA mit Minimal- statt Grime-Release? Und DJ Koze mit zwei grottenschlechten Tracks? Der Electro Check im Juni löst viel Verwirrung auf und stellt nebenbei noch ein frisches Sub-Label von Areal Records vor.

DJ Koze – Let’s Love

Nachdem John Daly im April für das erste Release auf dem Areal-Sublabel International Records Recordings sorgte, gehört das zweite Werk mit DJ Koze einem der prominentesten Vertreter elektronischer Musik überhaupt. Die A-Seite „Let’s Love“ hat zwar ein Minimal-Grundgerüst ist aber auch mit offeneren Klangflächen auf luftige Sommerpartys eingestellt. Die Klänge um die durchaus toughen Beats schwimmen zwischen House-Anleihen und psychedelischen Halluzinationen. Kann ich mir hervorragend bei einer Koze-Performance in den Morgenstunden des diesjährigen SMS vorstellen, wenn man nicht mehr so ganz auf der Höhe ist.
„I Want To Sleep“ drückt im Titel einen Wunsch aus, der leider unerfüllt bleiben wird. Denn bei dem treibenden Track mit kickender Bassline ist Schlummern definitiv nicht drin. Unauffällige Naturgeräusche (oder zumindest etwas was so klingt) erinnern zudem an den geschätzten Naturburschen Dominik Eulberg. Ja, und das mit den „grottenschlechten Tracks“ im Teaser war natürlich ein bisschen geflunkert. Gutes Ding!

MIA – Redsoul

Mathangi Arulpragasam aus London auf Areal Records? Nee. Das kann nicht sein. Ist auch nicht der Fall. Unter dem Pseudonym MIA veröffentlicht nämlich auch die Ex-Kölnerin und Wahlberlinerin Michaela Grobelny. Und zwar nicht gerade schlecht. MIA releaste bislang auf Sub Static, Trapez und Traum Schallplatten, war aber 2004 schonmal für einen Basteroid-Remix verantwortlich. „Don’t Catch My Soul“ ist ein tightes Techno-Monster mit unerbittlicher doppelter Bassline aber wunderbar verträumten Keys-Motiven. Die rhythmisch hervorragend eingesetzte Snare bringt zudem noch eine Portion Groove in den Track.
Dem Titel „Red River“ verdanken wir die Tatsache, dass die Vinyl in feurigem Rot erscheint. Ansonsten lebt der Track aber eigentlich nur von seiner Bassline, die irgendwann aber auch ein bisschen nervt. Ansonsten gibt es wenig Anlass zum Staunen. Wohl kein Track, den man in zwei Jahren noch hören oder auflegen wird.

Dirty South – The End

Wir erinnern uns an das Jahr 1967. The Doors veröffentlichen ihr selbstbetiteltes Debütalbum. Darauf enthalten: Der mittlerweile legendäre, über elf Minuten lange Song „The End“, der zwei Jahre später durch die Verwendung im Film Apocalypse Now mit Napalm in die Geschichtsbücher gebrannt wurde. Dragan Roganovic aka Dirty South, der Anfang des Jahres um ein Haar einen Grammy für die Best Remixed Recording bekommen hätte, versucht sich nun daran, diese Reliquie zeitgenössisch zu gewanden. Ich bin da konservativ. Ich finde, es wird entschieden zuviel Schindluder getrieben mit alten Tracks. Aber ich muss auch gestehen: Dirty South macht das bestmöglich. Sein Remix schafft es gleichzeitig wirklich treibender Clubtrack zu sein, aber die Grundatmosphäre des Originals beizubehalten: Lethargisch, paralysiert-apokalyptisch und psychedelisch. Aber: Ausschmückungen des Gitarrenpickings fallen untern Tisch und die eigentliche Story (Ödipus) des Tracks ist halt auch weg. Insgesamt aber ganz cool, kann man auflegen.
Der Remix von Arno Cost hingegen will ein bisschen zuviel: Zu komplex für eine Techno- oder House-Set, zu harmlos für breakigere Sachen. Der rote Faden fehlt hier etwas. Der Remix von Tocadisco, der in solchen Dingen auch ein gewisses Renommee genießt, lässt die Original-Melodien fast nur noch erahnen. Der Techno-Track geht im Prinzip schon steil, die Fröhlichkeit dabei passt aber halt gar nicht. Der Remix von Mic Newman ist aber in jedem Fall klasse. Ein vielseitiges, technoides Arrangement, das auf unterschiedliche Arten die Hauptmotive von „The End“ aufnimmt und adaptiert.
Relevant ist die Platte vor allen Dingen, weil es die verschiedenen Möglichkeiten aufzeigt, wie man alte Musik elektronisch be- und verarbeiten kann, auch wenn das für Morrison-Fans reine Ketzerei ist.


***


Artist: DJ Koze
Titel: Let’s Love
Label: International Records Recordings
Release-Date: Juni 2008
Tracks:
A. Let’s Love
B. I Want To Sleep

***


Artist: MIA
Titel: Redsoul
Label: Areal Records
Release-Date: Juni 2008
Tracks:
A. Don’t Catch My Soul
A. Red River

***


Artist: Dirty South
Titel: The End
Label: Superstar Recordings
Release-Date: Mai 2008
Tracks:
A1. The End (Dirty South Mix)
A2. The End (Arno Cost Remix)
B1. The End (Tocadisco Loves Techno Vocal Mix)
B2. The End (Mic Newman Remix)

S. Krutzinna