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Newcomer Check 07/2008
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Newcomer Check 07/2008

er Newcomer Check im Juli stellt euch drei Releases vor, die alle kostenlos im Internet zu haben sind. Er featuret das elektronische Debüt von Snork auf dem Netlabel Pertin_nce, stellt die Göttinger Rap-Produzenten Lan & Vans aus Göttingen anhand ihres aktuelles Mixtapes vor und zeigt euch mit dem Debütalbum von The Stories, dass man auch mit Gitarren noch interessante Musik machen kann.

Snork – Coccinelle

von Steffen Krutzinna
Der Titel „Coccinelle” erinnert mich klanglich spontan an Meningokokken. Da wurde ich heute gegen geimpft. Allerdings wäre jetzt ein Vergleich der Musik mit Hirnhautentzündung auch einfach Schachsinn – obwohl: So elektronisch, abstrakt, gebrochene Beats... Nee, lassen wir mal besser. Also ganz sachlich: Snork veröffentlicht mit der EP erstmals auf dem Netlabel pertin_nce, wo die Musik, das haben solche Netlabels in der Regel an sich, für lau runtergeladen werden kann. Die vier Tracks sind jetzt zwar nicht so, dass sie einen völlig brainfucken, aber dennoch ganz interessant. Denn rein klanglich und von der Soundästhetik her orientieren sich die vier Titel durchaus an der zeitgenössischen Soundgestaltung von IDM und Ambient. Klar gibt es ne Menge Brüche und gut inszenierte rhymische Stolpereien, es soll aber dennoch nett klingen. Das tut es auch. Gut ist aber hier besonders auch, dass Snork auch ab und an mal die Bassdrum auspackt und wie im Titeltrack auch kräftig (natürlich entsprechend gedämpft) in D’n’B-Manier zulangt. Läge nicht eine bezaubernde französisch sprechende Frauenstimme über den Klangflächen und dem Beat, könnten sogar Trance-Freunde am Sonntagnachmittag hiermit Freude haben.
Ein guter Move von Snork war außerdem den EP auf 20 Minuten zu begrenzen. Da werden die Motive und Synthies nicht überreizt – viel mehr hätten die Tracks auch nicht hergegeben. So bleibt das ganze aber eine schlüssige und runde Sachen und der Download lohnt sich auf jeden Fall.
Pertin_nce-Website (http://www.pertin-nce.com)

Monty presents: Lan & Vans – Ein Euro Mixtape

von Alex Kraft
Lan & Vans, das ist Lan, seines Zeichens Produzent und Vans, ebenfalls Produzent. Beide stammen aus der beschaulichen Stadt Göttingen und schicken sich an, diese ins Gedächtnis der HipHop-Heads zurückzuholen.
Zunächst nur innerorts Erfahrung gesammelt, setzen sie jetzt den Fuß über die Stadtgrenze hinaus, um auch hier ihr Können vor der breiten Masse unter Beweis zu stellen. Um dabei nicht völlig von ihren musikalischen Fertigkeiten abhängig zu sein, haben sie eine Handvoll MCs aus Göttingen und Umgebung gebeten, ans Mikrophon zu treten.
Mit von der Partie sind: Monty, der zudem auch als Host fungiert, Austin P., Beatbozz, CK-1, Djinn Tonic, Maximal, Nickster, Partisan, Prisma, Roydig, Tnn, Tool und die Booth Brothers 1ted und 4got10 – alle bereits mehr als eine halbe Dekade am Rappen. Dass man nach so langer Zeit im Game auch eine gewisse Qualität erwarten können sollte, liegt also nahe. Aber wird diese Erwartung von dem Mixtape auch erfüllt?
Ich kann euch beruhigen. Die Jungs, sowohl die beiden Beatbastler als auch sämtliche Texte-Kicker verstehen ihr Handwerk und haben ihre Hausaufgaben gemacht – was heute leider nicht mehr zum Standard eines MCs gehört und deshalb schon fast ein Fleißsternchen verdient. Thematisch allerdings behandeln sie dagegen die üblichen Rap-Klischees: Da wären das Vorstellen von Crews und Heimatstadt, der tägliche Struggle, den ein Rapper, der mit der Straße unten ist, durchlebt oder der verbale Schwanzvergleich. Auch Titel wie „Ein Lied“, „Schulbrot“ und „Chinaimbiss“ können nicht über die Tatsache hinweg täuschen, dass es sich im Großen und Ganzen eben doch um ein Represent-/ Battle-Mixtape handelt. Lediglich der Track „Mondlandung“ von Partisan setzt sich vom Rest ab, durch die ihm innewohnende Poesie.
Die Beats stammen alle aus eigener Schmiede, nur hier und da wurden Samples unverändert eingesetzt. Die Palette an Sounds ist wunderbar reich an Abwechselung, so finden sich neben aggressiveren Stücken hin und wieder auch ruhiger Klänge, die seicht vor sich hinplätschern und stimmungsvoll daherkommen; während gerade die Battletracks klassisch nach vorn gehen – auf die Fresse-Attitüde eben! Insgesamt klingt das Werk mit seinen 19 Stücken sehr harmonisch und gut arrangiert. Monty leitet gut in die jeweiligen Tracks ein, ohne dabei nervig oder fehl am Platz zu wirken. – Eine runde Sache, eben so, wie ein Mixtape klingen sollte.
PS. Für Herbst/ Winter dieses Jahres ist bereits der Nachfolger angekündigt.
Das „Ein Euro Mixtape“ gibt’s zum freien Download auf der Myspace-Seite von Lan & Vans (http://www.myspace.com/lanvansbeats).

The Stories. – Scapegoat Ballet

von Kilian Haller
Schongau? Nie gehört. Erst nach fünfmal Rauszoomen bei Google Maps seh’ ich einen Ort in der Nähe, der mir was sagt: München. Schongau liegt südwestlich davon. Aus diesem mysteriösen Kaff jedenfalls kommt der Vierer mit dem einprägsamen Namen The Stories. Und der hat es in sich – Screamo und Alternative Rock, um genau zu sein. Das neue Signing auf Consolidate Records veröffentlicht am 18.07. sein Debüt-Album „Scapegoat Ballet” und das ist natürlich ein viel größerer Erfolg als z.B. der zweite Platz beim Süddeutschland-Emergenza oder Indie-Radio-Airplay mit der ersten E.P. Energiegeladen, emotional, aber auch technisch abgezockt klingen die 13 Songs auf „Scapegoat Ballet“, übrigens noch bis zum 20. September gratis auf der Website der Stories zum Download verfügbar. Besonders wohltuend an dem Quartett: Im Schnitt 20 Lenzen zählend heben sich The Stories von der Masse an Pseudo-Alternative-Rock-Bands durch Einfallsreichtum und, zumindest stellenweise, durch eine fühlbare Authentizität ab. Dass es so was noch gibt...
The Stories-Homepage (http://www.thestoriesband.com)
The Stories bei MySpace (http://www.myspace.com/thefastrockstories)

Haller / Krutzinna / Schmutzer