uli. Die Sonne brennt wie Scheiße vom Himmel runter. Es ist nicht zum aushalten. Was bleibt einem da, als sich leicht bekleidet aufs Sofa zu legen und sich von guter Musik berieseln zu lassen, oder nach Einbruch der Dunkelheit doch noch was aus dem Tag zu machen und sich mit Gin und dröhnendem Bass das Gehirn wegzufeuern. Die Techno-Tracks, an denen ihr in jedem Fall nicht vorbeikommt, seien hier vorgestellt.
Liebe Freunde elektronischer Akustikdrogen – das ist das Programm für heute: Wir starten mit der neuen Speicher 38. Dominik Eulbergs „Buchdrucker“ wird dabei sein, genauso wie Luke Le Mans und das neue Release von Pan-Pot aus dem ziemlich durchstartendem Haus mobilee records.
Gui Boratto / Oxia – Speicher 38
Wenn man sich für minimalistischen Techno interessiert, kommt man einfach nicht an der Speicher-Reihe vorbei, die das Kompakt-Sublabel Kompakt Extra in regelmäßigen Abständen releaset. Die 38te Auflage dieses erfolgreichen Formats füllen jeweils ein Titel von Gui Boratto und Oxia.
Der Brasilianer Gui Boratto treibt sein Unwesen im Musikbiz bereits seit 1988 und gehört so zum Kreis der alten Knochen in der Technoszene. Der Track „The Rising Evil“ hält was er verspricht: Er ist überaus finster und dementsprechend sehr erhaben. Wie erwartet sind die eingesetzten Mittel minimal. Dennoch gelingt es Boratto hervorragend die wenigen Spuren, die er hat, so übereinander zu legen, dass der Track den Hörer voll und ganz gefangen nimmt und ihn so mitreißt, dass es unmöglich ist sich den Rhythmen zu entziehen. Klug belässt Boratto hier die Geschwindkeit auf rund 125 BpM, sodass die für einen Clubhit mittelmäßige Geschwindigkeit eine sehr treibende Wirkung ausübt. Es gibt zahlreiche Wechsel, die allerdings sehr behutsam sind. So bleibt die Musik interessant, aber gleichzeitig bleibt sie auch ein organisches Ganzes. Gutes Stück!
Olivier Raymond alias Oxio war schon auf der Speicher 34 zu finden und ist nun zum zweiten Mal am Start. An die Qualitäten seiner dort erschienenen zwei Tracks knüpft er weitgehend an, denn „Future“ besticht durch bekannte Frische und Einfallsreichtum, ist dabei allerdings nicht ganz so spritzig, wie etwa „Change Works“ auf der Speicher 34. „Future“ lernt man allerdings im Detail lieben. Hinter der vergleichsweise aggressiveren Fassade finden sich immer wieder kleine unscheinbare Variationen, die sich zwar zunächst dem unaufmerksamen Hören entziehen, aber Spaß machen, wenn man sie dann doch entdeckt.
Luke Le Mans – Jerry, Spring Her!
Luke Le Mans debütiert mit seinem Release beim Traum-Schallplatten-Sublabel Trapez. Und er liefert schon mit „Jerry, Spring Her!“ Grund genug ihn Platten machen zu lassen. Eine massige Bassline ist das starke Gerüst für diese A-Seite, das immer wieder anders verkleidet wird. Zunächst mit einem Trommeln, das sich etwa wie ungeduldiges Tippeln von Fingern auf einem Tisch anhört, sich allerdings bald unter Zunahme der Komplexität des Tracks im strukturierten Durcheinander der Instrumente und Beats verliert, aber natürlich auch wieder aufgegriffen wird. Nach gut sechs Minuten setzt Luke Le Mans noch zum Finale an, das schließlich abrupt und – ja, irgendwie ganz lustig mit einer einzigen nachgeschobenen Bass endet.
„The Docks“ ist wesentlich diffuser, nicht wirklich sphärisch, aber auch nicht bodenständig, gefällt aber dennoch.
Dominik Eulberg – Der Buchdrucker
Es geht weiter mit dem Parent-Label Traum Schallplatten. Dominik Eulberg haut mal wieder eine Single raus und nennt sie „Der Buchdrucker“ – eine kleine Neuerung, da der Bengel sonst seinen ganzen Kram nach Natur-Gedöns betitelt. Titeltrack „Buchdrucker“ ist in jedem Fall solide Arbeit, aber meiner Meinung für den Hausgebrauch nicht geeignet. Im annähernd dreistelligen Dezibelbereich zeigt der Track allerdings sicherlich große Qualitäten, wobei seine weltweiten Engagements definitiv auch für die These sprechen. Jetzt im Sommer ist Dominik Eulberg übrigens mehrfach in Deutschland zu bestaunen.
„Björn Borkenkäfer“ macht auch dem ruhigeren Gemüt Spaß, da er freundlich und melodiös daher kommt. Im Hintergrund finden sich schöne Verspieltheiten und der wabernde Klang besitzt die Universalität gleichzeitig zum Beglücken und zum Tanzen zu Umarmen.
Übrigens ist diese Platte in zwei Ausführungen erhältlich. Einmal mit Standard-Pappverpackung, einmal in handgearbeiteter Holzbox für 92,80 Euro, die man über sein Label bekommen kann.
Pan-Pot – Black Lodge
Das recht junge Label mobilee records begann vor gut einem Jahr mit ihrem ersten Release – und machen jetzt mit Pan-Pots „Black Lodge“ das erste Dutzend voll. Dieser Schnitt von fast einem Release pro Monat ist für ein Startup-Label definitiv sehr beachtenswert. Das Trio Pan-Pot hat bei diesem Steilgang auf jeden Fall eine zentrale Rolle, so ist ein Drittel der mobilee-Releases aus ihrer Hand.
Auf eine sehr individuelle Art schließen Pan-Pot den Kreis dieses Berichts, in dem vorliegende Single wiederum durch schwärzeste Düsternis besticht. Dreckiger Underground-House trifft auf minimalistischen Techno und man spürt bei „Black Dog“ das Blut von den Wänden tropfen. Die Bassline ist in gleichem Maße weich wie Seide und unerbittlich wie ein Auftragsmörder. Tiefe gepitchte Voices werden bruchstückhaft eingestreut, allerdings überhaupt nicht so bescheuert, wie das sonst immer gemacht wird. Vielmehr verstärken sie die dreckige Atmosphäre, ebenso wie das nervöse, aber dennoch behäbige Piepen, das sehr unbekümmert durch die Takte tigert.
„Black Widow“ erinnert mich zunächst vom Titel an einen der größten Plattenfehlkäufe meines Lebens (Annihilator – Criteria for a Black Widow), der auch noch aufgrund des damals sehr starken englischen Pfunds nicht gerade billig war. Diese Arschpenner!
Pan-Pot tut einiges um meine alten Wunden ein wenig heilen zu lassen. Die Kälte und Schwärze, die ich mir damals von der Metal-CD erwartet hatte, wird mir hier in gänzlich anderem Gewand geboten. Ohne Pathos, ohne Ambitionen, ohne Gefühle entfaltet sich der Track in meinem Gehörgang zu einem gesichtslosen Fürsten der Finsternis. Interessant ist in jedem Fall noch das Outro, das nach E-Gitarre mit Phaser und viel Hall klingt und somit eigentlich überhaupt nicht zum Rest passen dürfte – aber es funktioniert.
Wer in Clubs auflegt, in denen es kein Licht gibt, oder höchstens am Kippenautomat ein wenig Schwarzlicht, kommt an dieser Platte nicht vorbei. Allen anderen sei dennoch nahe gelegt, die Vinylsammlung hiermit ein wenig aufzustocken.
Nun, ich hoffe ich konnte ein wenig helfen, an dieser Stelle gibt es im August wieder was.
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Gui Boratto / Oxia – Speicher 38
Label: Kompakt Extra (http://www.kompakt-net.de)
A. Gui Boratto – The Rising Evil
B. Oxia - Future
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Luke Le Mans – Jerry, Spring Her!
Label: Trapez (http://www.traumschallplatten.de)
A. Jerry, Spring Her!
B. The Docks
Zu Kaufen bei: www.kompakt-net.com (http://www.kompakt-net.com)
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Dominik Eulberg – Der Buchdrucker
Label: Traum Schallplatten (http://www.traumschallplatten.de)
A. Der Buchdrucker
B. Björn Borkenkäfer
Zu Kaufen bei: www.kompakt-net.com (http://www.kompakt-net.com)
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Pan-Pot – Black Lodge
Label: mobilee records (http://www.mobilee-records.de)
A. Black Dog
B. Black Widow
Zu kaufen bei: wordandsound (http://www.wordandsound.de/labels/details/Mobilee/Mobilee )
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Zu Kaufen gibt’s die Musik, wenn nicht anders angegeben bei den jeweiligen Labels selbst.










