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Musikvideo Check 02/2007
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Musikvideo Check 02/2007

s ist Februar und man glaubt das graue Wetter gar nicht mehr loszuwerden. Mitten im Sturm segeln heute Modest Mouse durch die sieben Meere, während The Automatic in den nebelverhangenen Highlands ein Monster jagen, Bright Eyes gleich vier Winde herauf beschwören und deren Labelmates Cursive schonmal ganz apokalyptisch den Big Band vorhersagen.

Modest Mouse - Dashboard
(Video bei Sony BMG anschauen (http://musicbox.sonybmg.com/video/modest_mouse/?bcpid=245988602&bclid=246219324&bctid=550195907))

Da ich derzeit in Kiel lebe, gilt diesem Video natürlich eine besondere Aufmerksamkeit im Musikvideo-Check Februar. Ich gebe zu, dass ich die hiesigen Hafen-Spelunken noch nicht besichtigt habe, aber die Story in “Dashboard” von Modest Mouse entschädigt dafür. Astreiner Seemannsgarn, den mir die Independent-Götter da im Konjunktiv auftischen (”Well, it would've been, could've been worse than you would ever know”). Im Video, teil-authentisch in einer Hafenkneipe voller Seebären situiert, berichtet Sänger Isaac Brock von einem riesigen Fisch, der ihm die Hand abgebissen hätte, danach sei er in ein Traumland voller tanzender Paradiesvögel gekommen, wo man ihm statt dessen ein Mikrofon eingesetzt hätte. Bei der Menge an Text in dem Song und auch der Dichte an Schnitten empfiehlt es sich, die Kiste mehrmals anzuschauen - ich musste es jedenfalls öfters tun, um zu dieser Inhaltsangabe zu gelangen. Seis drum - “Dashboard” stellt ganz richtig fest, wie nah Popstar- und Seemannskult beieinander liegen können (Oh, the dashboard melted, but we still have the radio). Dies geschieht nicht nur durch die Legendenbildung (wer hat den Längsten gefangen) und die Mikrofon-Haken-Metonymie an der Hand des Erzählers, sondern auch durch den schließlich perfekten thematischen Übergang des Videos vom Moby Dick-Motiv zum Disco-Song. Chapeau hoch drei für einen super Song und ein beim näheren Betrachten großartiges Video.


The Automatic - Monster
(Video bei YouTube anschauen (http://www.youtube.com/watch?v=LgJwpHctW20))

Ein lustiges Kaspervideo haben die Waliser The Automatic zu ihrem Hit “Monster” gemacht - und etwas anderes wäre ihnen auch kaum übrig geblieben. Ich meine der Song ist gut, da bin ich im Club sicher mit dabei, aber etwas sinnlos ist die Geschichte dann doch. Umso besser, wenn man das Video zu so einem Chartstürmer stilvoll auf Rotation trimmt, und das ist dem Regisseur definitiv gelungen. An den richtigen Stellen kommt die Band in dem zum “Forschungslabor für Yetis” umfunktionierten Van ins Bild, die Komik sitzt meistens perfekt und das ganze Kaspertum liegt nur um einen Inch zu viel im Bereich des negativ-Lächerlichen. Wenn Nessie zum Song mit groovt und Big Foot einen discoreifen Tanz aufführt - bei so was bin ich immer dabei. Eine lustige Angelegenheit, die auch den nötigen Charme besitzt.


Bright Eyes - Four Winds
(Video bei Spinner.com anschauen (http://www.spinner.com/2007/02/23/video-premiere-four-winds-by-bright-eyes/))

Innovativ ist es nun wirklich nicht, dieses Video zu “Four Winds”. Die Qualifikation zum Musikvideo-Check schafft es aber trotzdem. Wieso? Weil Conor Oberst, der die Band Bright Eyes fast im Alleingang betreibt, einfach ein verdammt Guter ist. Sich wie eine Band in den 50er Jahren anzuziehen und in einem schwarz-weiß-Video aufzutreten, die Idee ist zwischen Nirvana und dem fast schon finalen Schlussstrich dieser Gattung durch die Red Hot Chili Peppers immer mal wieder aufgenommen worden. Aber auch diesmal reicht es nicht nur aus, dem Song eine schöne Bebilderung zu geben, sondern lebt auch einfach von der Andersartigkeit des Conor Oberst. Gekonnt in Szene gesetzt ist es einfach der Habitus des Songwriters, der dieser ausgelutschten Idee den Glanz gibt. Ausgebuht wird er im Video, das ergänzt sich perfekt zu seinen kaum in Worte zu fassenden Blicken. Von unten heraus und doch gleichzeitig von sich selbst überzeugt, das gibt mir schon einiges. Und die Vorfreude auf das neue Bright Eyes-Album tut ihr übriges - und da bin ich mir sicher, nicht nur bei mir.


Cursive - Big Bang
(Video bei YouTube anschauen (http://www.youtube.com/watch?v=p_W-DZKXrZ0))

Ein schönes Video ist auch der Band Cursive, genauso wie Bright Eyes beim Saddle Creek-Lable beheimatet, eingefallen. Was denn nun der “Big Bang” ist, den die im Video dargestellten Personen verschiedener Altersgruppen, Geschlechter, Nationen und Subkultur erleben und nur durch ihre Mimik reflektieren, ist unklar. Vielleicht ist es ein lautes Geräusch, dass die vielen Protagonisten erst zusammen zucken und dann lachen lässt? Ist es vielleicht der Song selbst, der sich passagenweise hervorragend mit den Reaktionen ergänzt (was wohl aber mehr auf eine kunstfertige Handhabung der Zeitlupenfunktion zurück zu führen ist)? Vielleicht bekommen die Versuchskaninchen auch eine Adrenalin-Injektion oder so etwas - auf jeden Fall spielen sie ordentlich mit - bei wiederholtem Hinsehen erkennt man ganz deutlich die genau Abstimmung von Beat und Reaktion. Ich selbst hätte da wohl ein ziemlich dummes Gesicht gemacht, aber egal.

K. Haller