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Funny Van Dannen - "Zurück im Paradies"
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Funny Van Dannen - "Zurück im Paradies"

eit mehr als einer Dekade bereichert Funny van Dannen nun schon die deutschsprachige Welt mit seinen sonnigen Liedern, Texten und Malereien. Und doch kennen ihn die meisten Menschen bloß indirekt – über die Toten Hosen oder die Schröders, die seine Lieder hoch in die Charts gebracht haben. Der Liebling von Charlotte Roche ist nun mit seinem neuen Buch „Zurück im Paradies“ wieder da.

Es ist ein Sonntagabend im März. Ich sitze im Hörsaal meiner ehemaligen Uni in Göttingen. Hier habe ich früher Mikroökonomieklausuren geschrieben – ich denke heute wird es lustiger. Ich glaube ich habe noch nie ein so heterogenes Publikum gesehen, wie hier bei dieser Lesung von Funny van Dannen. Die Alterspanne reicht von Teenagern bis gut 60-jährigen. Punks sitzen neben Anzugträgern, junge Literaturfreunde neben ergrauten Achtundsechzigern. Ich hab „Zurück im Paradies“ bereits gelesen und freue mich auf den Abend, der eine kleine Reise in den Funny van Dannen-Kosmos sein wird. Man kommt wirklich nicht umhin die surreale Welt von Funny als eigenen Kosmos zu bezeichnen, denn die Welt seiner Bücher und Lieder ist wirklich anders als die Realität, wie sie vom Großteil der Bevölkerung wahrgenommen wird. Und das ein wenig Erschreckende ist dabei, dass Funny van Dannen tatsächlich ein bisschen in dieser anderen Welt zu leben scheint – doch dazu später mehr.

In diesem eigenen Kosmos geschehen ganz seltsame Dinge. Ein schlaksige Wanderpanda mit dem klangvollen Namen Andreas G. wird zum Beispiel durch ein kleines Malheure zum Sexsklaven einer Rentnerin, die Dartpfeile mit den Zähnen auffangen kann. An anderer Stelle führt ein durchaus selbstbewusstes, vernünftig erscheinendes lyrischen Ich unter einem Fliederbusch im Park Tänze auf um andere Menschen zu beglücken. Und rechtfertigt das wie selbstverständlich mit der puren Freude an Kultur.
In einer anderen Kurzgeschichte (die 174 Seiten umfassen 61 Kurzgeschichten), wird ein Außenminister nackt im Wald ausgesetzt, wo dieser auf zwei ausgebuffte Elche trifft. Diese verweigern ihm die Hilfe ihm den Weg aus dem Wald zu weisen und schubsen ihn stattdessen fies rum. Das Angebot des Außenministers ihnen zum Ausgleich tolle Wünsche zu erfüllen lässt die Elche zwar zunächst von einem schönen Rummel im Wald für alle Tiere und einem Autoscooter für Elche schwärmen – schlussendlich entscheiden sie sich dann allerdings doch dafür den Außenminister weiter fertigzumachen, wobei auch dessen Penis nicht von Kratzern verschont bleibt. Der Außenminister wird allerdings noch an Ort und Stelle umgebracht und dessen Leichnam erst Jahre später von Elchjägern gefunden, die seinen Beckenknochen zunächst noch für ein Elchgeweih halten.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hält in einer anderen Geschichte Bürgersprechstunde und zwar in einem goldenen Bauwagen auf dem Olivenplaneten. Dabei gibt sie sich jedoch trotz nicht allzu großen Andrangs sehr beschäftigt.
Ein Maiskorn und Reiskorn heiraten in einer weiteren Geschichte und adoptieren ein Kilo Mehl, während eine Martini-liebende City-Eule klitzekleine Nilpferde mit morastigem Geschmack oder ein Rotkelchen sich bei der Tierarmee zum Panzerfahrer ausbilden lassen möchte um die Bösen zu eliminieren.

In diesem Funny van Dannen-Kosmos ist also wirklich alles möglich. Und ein Großteil der Heiterkeit wird auch daraus geschöpft, dass Dinge einfach anders passieren, als man es gewohnt ist. Die Mechanismen ähneln sich dabei schon sehr, wenngleich man bei jeder Geschichte aufs Neue überrascht wird, wie zum Beispiel Fensterbänke und Tannen miteinander kommunizieren. Allerdings ist Funny nicht nur ein Mensch mit verrückten Ideen, sondern er ist auch sehr gut in der Lage, diese in Worte zu kleiden. Und der gefühlvolle und bewusste Umgang mit Sprache erzeugt an zahlreichen Stellen einen Extra-Schmunzler.
Spätestens bei der Lesung kam man dann allerdings nicht umhin sich ein klein wenig um den guten Funny zu sorgen. Er musste schon oft lachen während er las – oder auch in den Pausen zwischen zwei Texten – aber oft wusste man gar nicht recht, was jetzt eigentlich so lustig war, erheiterten einen selbst doch ganz andere Textstellen. Auch wenn die Flasche Wein, die Funny während der Lesung wegpichelte vielleicht einen gewissen Faktor ausmacht, so gestand er selbst schon vor Jahren in einem Interview mit Charlotte Roche (das war noch zu Fast-Forward-Zeit): „Man hat manchmal das Gefühl: Ach, das ist jetzt ganz witzig, was ich da geschrieben hab, und dann fällt einem auf, dass es für andere vielleicht gar nicht so entschlüsselbar ist. […] Aber das Problem hatte ich eigentlich schon immer; mit meinen Geschichten auch. Ich fand meine Geschichten immer total normal und selbstverständlich und dann hab ich irgendwann mal gemerkt, dass die Leute das eigentlich abartig fanden… Und dann fühlt man sich natürlich als Außenseiter.“
Nun, diese Außenseiterrolle kann ich Funny wohl nicht nehmen und will es auch gar nicht. Ich denke vielmehr, dass man als guter Künstler schon auch eine besondere Perspektive braucht – und die hat Funny einfach. Von der Tatsache, dass Funnys Geschichten unter dem Deckmantel der wunderbaren Unterhaltung auch auf gesellschaftliche Missstände hinweisen und zum Nachdenken anregen können und auch nicht jede Geschichte nur lustig ist, kann sich dann jeder bei der Lektüre selbst überzeugen. Zumal die Geschichten so kurz und kurzweilig sind, dass man sie jederzeit mal dazwischen schieben kann – egal ob auf der Bettkante, beim Kochen oder in der Straßenbahn.

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14.90 EUR
176 Seiten Gebunden
Erscheinungsdatum: 08.03.2007
ISBN 978-3-88897-466-3

S. Krutzinna