er Preisaussschreiben-Fan Norbert Krabbe aus Wanne gewinnt einen Fjord - den “Norbert-Krabbe-Fjord” in Norwegen. Ohne Geld und Plan machen sich der arbeitslose Bürokaufmann und seine Teenager-Tochter Ute auf den Weg auf die Lofoten. Norberts ebenfalls arbeitslose Frau Birgit, die zunächst betrunken über die Globetrottel spottet und in Wanne bleibt, erfährt derweil, dass Norbert schon wieder gewonnen hat. Diesmal sind es 500 000 Euro - einzulösen innerhalb der nächsten zehn Tage. Da sie Norbert und Ute telefonisch nicht erreichen kann, macht sie sich im Taxi auf die Reise, um die beiden einzuholen.
Norbert ist ein ruhiger Typ, der am liebsten in der Badewanne liegt und Quiz-Sendungen im Fernsehen schaut - die ganze Küche der Familie Krabbe ist dementsprechend mit billigen Gewinnpreisen ausgestattet. Trotz seines meist verdatterten Auftretens hat er das Herz am rechten Fleck. Seine frustrierte Frau Birgit ist auf dem Weg, Alkoholikerin zu werden und lässt sich mit anderen Männern ein; dabei gibt sie sich französische Decknamen wie Chantal, Jaqueline oder Désiré. Ute ist die einzige in der Familie mit einem Job (als KFZ-Mechanikerin) und verliebt sich unsterblich - ganz der Teenager - in den norwegischen “Hingucker” Lars, der die beiden Reisenden unterwegs in seinem Lieferwagen mitnimmt (Lars ist professioneller Kartenleser und sagt Kunden für 1500 Kronen aus einem Hundequartett die Zukunft voraus, er riecht sehr schlecht).
Weitere Nebenfiguren sind das Wanner Ehepaar Waltraud und Reinhold Schwarz-Ebershagen, die zufällig auch in den hohen Norden unterwegs sind - genau wie der omnipräsente Horst Schlämmer, den man sicher schon aus Funk und Fernsehen als Kerkelings Alter Ego kennt.
Hape Kerkeling spricht natürlich alle Rollen selbst. Dabei wird das Hörbuch als “Film für die Ohren” angekündigt und tatsächlich fühlt man sich eigentlich ständig wie ein Blinder, der einen Film mit auditiven Untertiteln guckt. Es wird also einfach beschrieben, was die Figuren machen, unterbrochen von Dialogen. Hier schlüpft Kerkeling dann in die Figuren und schafft dies auch außerordentlich gut. Seien es die Krabbes, deren westfälischer Akzent weich-gelungen ist, Horst Schlämmer aus dem rheinischen Grevenbroich, sogar der pakistanische Taxifahrer Kele, der Norweger Lars und diverse andere skandinavische Nebenrollen - Kerkeling brilliert.
Inhaltlich dagegen kann man das Hörbuch weniger loben. Zwar schafft es “Ein Mann, ein Fjord!” einigermaßen unterhaltsam zu sein - dies liegt aber mehr an den genannten stimmlichen Qualitäten Kerkelings. Die Story hat einige Tücken, die den Zuhörer nicht nur Gähnen, sondern auch schonmal genervt abschalten lassen. Besonders der Schluss der Erzählung, den ich hier natürlich nicht preis geben werde, lässt die schwache Geschichte wie ein kleines Kartenhaus in sich zusammen sacken. Kerkeling, der den Text gemeinsam mit Angelo Colagrossi und Angelina Maccarone entwickelte, versucht krampfhaft, durch wiederkehrende Motive Komik zu erzeugen. Da ist z.B. der Schlittenhund, der erst als Lösungswort im Fernsehquiz dient, dann in Lars’ Hundequartett wieder auftaucht und schließlich in Fleisch und Blut als Gefährtin der Ökotrophologin Ulrike Lange aus Darmstadt wieder auftaucht. Ebenfalls als Lösungswort wird der Wassereimer eingeführt, dann erst von Norbert benutzt, um sich im Zug als Putzkraft auszugeben, dann von Frau Langes Schlittenhund als Toilette. Es wird also ein und dasselbe Zeichen für verschiedene Objekte benutzt, was natürlich ein Verwirrspiel provoziert und auch bei den Figuren greift, die trotz der großen räumlichen Differenzen immer wieder zusammen treffen. Dieses Konzept soll - soviel sei schon einmal verraten - am Ende in einem Höhepunkt kulminieren, wenn nämlich fast alle Figuren auf ein und demselben Schiff reisen und sich ständig verpassen.
Ich persönlich kann mit diesem Hörbuch nicht soviel anfangen. Sicher kann man sich an einem langen Winterabend mal eine vergnügliche Zeit damit machen, aber wenn ich jetzt draußen die Sonne so scheinen sehe... Es nicht besonders empfehlenswert. Trotzdem ist und bleibt Hape Kerkeling ein Guter, dessen Bemühungen, “Ein Mann, ein Fjord!” auch als Film umzusetzen ebenso wie seine Zweitkarriere als Horst Schlämmer im Auge behalten sollte.
In das Spektakel reinhören kann man hier:
Hörprobe (http://213.240.158.36/files/hoerproben/ein_mann_ein_fjord.mp3)
Horst Schlämmer zu “Ein Mann, ein Fjord!” (http://213.240.158.36/files/Kerkeling_Interview/01_Horst_Schlaemmer.mp3)
Hape Kerkeling zu “Ein Mann, ein Fjord!” (http://213.240.158.36/files/Kerkeling_Interview/02_Was_ist_das_genau_Ein_Mann_ein_Fjord.mp3)
Hape Kerkeling zu den verschiedenen Dialekten (http://213.240.158.36/files/Kerkeling_Interview/05_Darf_man_wieder_verschiedene_Dialekte_und_Sprachen_erwarten.mp3)
Erschienen ist das Hörbuch als Doppel-CD am 30. März 2007 bei tacheles!, wird von Indigo + Eichborn vertrieben und dauert 2 Stunden und 18 Minuten. Mehr Informationen gibt es unter roofmusic.de (http://www.roofmusic.de). "Ein Mann, ein Fjord!" ist exklusiv nur als Hörbuch erhältlich.








