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"Die Memoiren des Rodriguez Faszanatas" von Helge Schneider (Hörbuch)
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"Die Memoiren des Rodriguez Faszanatas" von Helge Schneider (Hörbuch)

an fühlt sich ein bisschen wie in einer der Kriminalgeschichten von Dashiell Hammett, James M. Cain oder Raymond Chandler, die den Privatdetektiv als ambivalente Figur zwischen Polizist und Kriminellem im urbanen Kontext etablierten und deren Verfilmungen vor allem in den 40er Jahren ein komplettes Genre, den “Film noir” dominierten. Nun ist Rodriguez Faszanatas, Schneiders Held und aus Filmen wie “Jazzclub” bereits bekanntes Alter Ego, aber kein Hardboiled detective in L.A., sondern ein nicht weniger hartgesottener Heiratsschwindler aus Barcelona - der in einer Retrospektive über sein Leben berichtet.

Beim Öffnen der 3CD-Hülle wird man wirklich schnell an Billy Wilders “Sunset Boulevard” erinnert, wenn die Herausgeberfiktion besagt, dass “Die Memoiren des Rodriguez Faszanatas” neben seiner Leiche in einem kleinen Eiscafé gefunden wurden. Darin stellt sich heraus, dass er seinen Lebensunterhalt damit verdiente, wohlhabenden, ältlichen Damen den Kopf zu verdrehen und sich entweder ihres Erbe oder doch zumindest der Kontovollmachten vertraglich zu versichern. Dabei ist es nicht nur die am Ende der Kapitel eingeschobene Klaviermusik, die an einen Film noir wie Roman Polanskis “Chinatown” erinnert. Faszanatas ist brutal, schreckt vor Hochprozentigem nicht zurück, verliebt sich zuweilen auch mal in eine seiner “Kundinnen”, ist aber natürlich ein Meister seines Fachs - ein Profi.
Der Heiratsschwindler erzählt mit vielen verschachtelten Episoden aus seinem Leben - von der Jugend, in der er mit - aus getrockneten Kartoffelschalen und in Aschenbechern gefundenen Kippenstummeln - selbst gedrehten Zigaretten die Familie ernährt (schwierige Sozialisation im faschistischen Spanien unter Franco); von verdeckten Ermittlerinnen, die ihm auf der Spur sind und denen er nur mit Instinkt und langjähriger Erfahrung entwischen kann; von Gefängnisaufenthalten, bei denen er sich nur durch Morse-Kommunikation mittels Klopfen an die Heizung mit den anderen Häftlingen verständigen und so seinen Anwalt mit gefälschten Papieren benachrichtigen kann; den Problemen, wenn sich eine Kundin nicht mit Petting zufrieden gibt, misstrauisch wird oder einfach sterbenslangweilig ist. All dies wird nicht chronologisch mitgeteilt, sondern in bunt-gewürfelten Einzelerzählungen - wie es Wilhelm Raabe in seiner “Chronik der Sperlingsgasse” tat.
Schneider beherrscht eine komplexe Erzähltechnik, die man dem Werk so vielleicht nicht zutraut. Literaturwissenschaftler hätten eine echte Freude, die Ereignisse der erzählten Welt auf einem Zeitstrahl abzutragen und in bunten Linien mit der vermittelten Erzählung zu verbinden - und natürlich Verweise auf andere Werke zu sammeln. Auch sprachlich bewegen sich “Die Memoiren des Rodriguez Faszanatas” auf einem hohen Niveau - Schneiders Vorliebe für verschachtelte Sätze, den "echten" Konjunktiv und indirekte Rede ist beachtlich.

”Nur eine Dose Bratheringe - mehr hatte ich nicht im Kühlschrank. Ich machte mir eine Flasche Bier auf und aß die Heringe abwechselnd mit einer paar Schlucken Bier. Im Unterhemd saß ich bei der Bullenhitze im Wohnzimmer und schaute mit müden Augen Fernsehen. Die Nachrichten waren nicht besonders ergiebig, immer dasselbe: Nahost, dann Tennis und zum Schluss ein Nachruf auf irgend jemanden, den man aus dem Fernsehen kannte. Dann Wetter. Morgen wieder heiß. Die zweite Flasche Bier schmeckte besser, man muss sich manchmal erst an den Geschmack gewöhnen. Schon wurde es Abend. Ich musste mich gleich fertig machen für Katja aus der Schweiz. Ich stank nach Schweiß.” (nach dem Hörbuch abgeschrieben vom Redakteur).
“Die Memoiren des Rodriguez Faszanatas” sind nicht mit den Brüllerwitzen ausgestattet, die man auf Comedy-Sendern im Fernsehen so inflationär dargereicht zu bekommen meint. Statt dessen kann man sich das Hörbuch sehr wohl ohne ein Lächeln zu Gemüte führen, wenn man es denn ernst nimmt. Den subtilen Humor muss man wirklich erstmal aufspüren. Am Besten geht das sicherlich, wenn man sich die Erzählungen nicht allein reinzieht - damit dem Hörgefährten bei witzigen Stellen wissend zugezwinkert werden kann. Für Helge-Fans, die Filme wie “Doc Snyder” auch nüchtern genießen können, ist dieses Hörbuch durchaus empfehlenswert. Neben den genannten, wirklich interessanten Leistungen sind es auch Schneiders Vorlese-Fähigkeiten, seine intelligenten Variationen von Tempo, Intensität und Lautstärke, die dieses Werk für alle Hörbuch-, Literatur- und sogar Film-Liebhaber ruchbar machen. - Packt einen nicht sofort, ist aber alles andere als flach.
Hier (http://213.240.158.36/files/hoerproben/rodriguez_faszanatas.mp3) kann man in ein Highlight reinhören.
Hier (http://www.roofmusic.de/de/quiz/) geht’s zu einem Helge-Quiz, bei dem ihr Konzertkarten, CDs und Gutscheine gewinnen könnt.
Und hier (http://www.helge-schneider.de) geht’s zu Helges Homepage.
Helge Schneider - “Die Memoiren des Rodriguez Faszanatas” [Hörbuch] ist am 30.04.2007 bei tacheles! erschienen. 3 CDs, ISBN 978-3-938781-45-6, beziehbar über www.roofmusic.de (http://www.roofmusic.de).

K. Haller