elcome to Estonia! Regen, Hagel und gefühlte 10 Grad begrüßen mich am 28. August am Flughafen Tallinn. Am liebsten würde ich mich gleich wieder in das nächste Flugzeug nach Deutschland setzen. Schließlich schien zum Zeitpunkt meines Abflugs in Berlin die Sonne bei 28 Grad. Jetzt nach einem Monat weiß ich: daran muss ich mich gewöhnen und finde die Bestätigung zu meiner Befürchtung: Feucht-gemäßigtes Klima. Stimmt.
Ausblicke
Auf meiner Taxifahrt in die Innenstadt, die nur einige wenige Kilometer vom Flughafen entfernt liegt, werde ich zum ersten Mal überrascht: am Horizont sehe ich moderne Hochäuser, ähnlich dem Bankenviertel in Frankfurt am Main. Der Kontrast dazu und die zweite Überraschung entsteht beim Blick aus dem Fenster: Die Straßen und die ersten Wohnhäuser tragen nicht zu übersehenden sowohl baltischen als auch sowjetischen Charme. Eine Mischung aus teilweise nicht renovierten Holzfassaden, grauem Beton und futuristischer Architektur. Bin ich wirklich in Tallinn? Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt. Aber wie?
Ich muss zugeben, dass mein Bild von Tallinn, Estland und den anderen baltischen Staaten eher schwarz-weiß war. Nicht nur wegen den schwarz-weißen Bildern in meinem „Reise Know How“ - Reiseführer. Einerseits hatte ich keine klaren Vorstellungen von Estland, weil ich schlichtweg nichts über das Land und seine Menschen wusste. Anderseits wurde ich mit dunklen Stereotypen einiger Bekannte aus Deutschland konfrontiert, die scheinbar auch nicht viel mehr wussten als ich: „Hoffentlich hast du warmes Wasser“ und „Nicht, dass du zum Klo über´n Hof musst.“
Einblicke
Und wie sieht die Wirklichkeit aus? Der erste Monat war sehr spannend, kontrastreich, und äußerst sympathisch! So findet man in Tallinn eine sehr schöne, restaurierte, mittelalterliche Altstadt mit vielen Cafés und Bars und daneben schießen die schon erwähnten Wolkenkratzer mit Glasfassade in die Höhe. Außerdem gibt es riesige Shoppingmalls (für die es an jeder Ecke einen Orientierungsplan gibt) und schließlich einige „Kaubamaja“´s (die etwas kleineren Kaufhäuser). So viel zur Infrastruktur und zu dem, was mir zunächst ins Auge fiel. Aber was ist mit den Menschen? Und da muss ich mich wiederholen: sehr sympathisch, und spannend.
Mir begegnet zunächst viel Hilfsbereitschaft auf meinem noch etwas planlosen Weg in der Hauptstadt. Allerdings scheinen die Esten nicht überrascht zu sein, dass sie nach dem Weg gefragt werden. Zudem kommt dazu, dass man mich schnell als Deutsche entlarvt „Oh, you have this nice accent! Are you from Germany?“. Schließlich wird die Unterhaltung auf Deutsch weitergeführt und man zeigt mir meinen Weg und geht ein kleines Stück mit mir zusammen, verabschiedet sich schließlich von mir und wünscht mir eine schöne Zeit.
Mein erster Eindruck: die Wege sind kurz und die Menschen freundlich, offen und unkompliziert. Und: Estland zieht Menschen aus vielen verschiedenen Gegenden der Welt an. Bereits nach der ersten Woche habe ich neben meinen estnischen Arbeitskollegen, Studenten aus Lettland, Finnland, der Schweiz, Österreich und den USA kennen gelernt. So wird es viel zu berichten geben aus dem kleinsten Land des Baltikums. Dabei wird das Wetter nun wirklich zur Nebensache!








