amendo ist die erste und größte globale Internet-Plattform für Musik-Downloads, die unter der Creative Common-Lizenz veröffentlicht werden. Das heißt, dass Musiker ihre Musik kostenlos und legal zum Download anbieten. Ein besseres Myspace? Wir finden es raus!
Creative Common oder: Spread That Shit!
Um das Grundprinzip von Jamendo (http://www.jamendo.com/de) zu verstehen, muss man checken, was es mit dieser Lizenzierung auf sich hat. Wieso wird Musik, die man jedermann zugänglich machen will, überhaupt lizenziert? Ganz einfach, weil Künstler sonst einfach die Kontrolle über ihre Stücke verlieren würden – sie könnten unter anderen Namen oder in anderer Form wieder auftauchen. Deswegen hat sich eine Non-Profit-Organisation gegründet und Lizenzverträge mit dem Titel Creative Common entwickelt, die jeder benutzen darf, der will. Mit dieser Lizenz werden eben auf der einen Seite die Urheberrechte des Künstlers geschützt (z.B. Namensnennung), aber eine legale, kostenlose Verbreitung ermöglicht. Es gibt dann noch ein paar Zusatzfeatures bei der Lizenz, ob man die Musik verändern oder kommerziell nutzen darf oder nicht, die aber für den normalen Nutzer eigentlich egal sind. Was in jedem Fall erlaubt ist: Musik privat anhören, runterladen, weiterverteilen.
Wie funktioniert die Seite?
Auf Jamendo laden also Künstler ihre Musik hoch und machen sie einem breiten Publikum zugänglich. Das gibt’s auch bei Myspace, wo man aber nur Scheiße findet. Die Stärke von Jamendo ist tatsächlich, dass man ziemlich schnell Musik findet, die man hören mag. So wird jedes hochgeladene Album mit Tags gekennzeichnet und damit Genres zugeordnet, sodass man nur den eigenen Musikgeschmack wissen braucht. Unabhängig davon gibt es auch verschiedene Ratings wie „Alben, die in der aktuellen Woche besonders oft gehört wurden“ oder so. Wenn man sich als Nutzer registriert (was für Downloads etc. nicht notwendig ist), kann man sich außerdem individuelle Playlists aus Jamendo-Alben zusammenbasteln, die dann auch wiederum öffentlich sind. Finde ich zum Beispiel einen User, der meinen Musikgeschmack teilt, ist es oft auch sehr hilfreich zu schauen, was der eben noch so in seiner Playlist hat. Und zu guter letzt gibt es dann auch noch die gut genutzte Möglichkeit, Musik zu bewerten (1-5 Sterne) und „Rezensionen“ zu schreiben, die aber oft auch nur Kommentare wie „Fett! Weiter so! Peace out!“ sind.
Zwar gilt bei Jamendo die Bezeichnung „Album“ auch für einen einzelnen Musiktitel eines Künstlers, in der Regel handelt es sich aber tatsächlich um vollständige Werke, wie wir sie von CDs kennen. Selbst ein Artwork fehlt praktisch nie – und ich rede hier auch tatsächlich von ARTworks und nicht von hingerotzten Wordart- oder Nero-Cover-Designer-Covers.
Erfolgsgeschichten – Plattform und Künstler
So ganz leer müssen die Musiker übrigens auch nicht ausgehen. 50 Prozent der Werbeeinnahmen der Plattform fließen den Künstlern zu. Außerdem kann man Geld spenden. Klingt albern, aber wenn man sich klarmacht, dass CD-Käufe mittlerweile ja auch mehr oder weniger Spenden sind in Anbetracht der Tatsache, dass man jedes Album leicht in den Tiefen des Internet findet, macht das schon auch Sinn. Und viele Leute spenden auch und honorieren die Leistung von Künstlern. Ein Künstler hat beispielsweise seit seiner Registrierung schon 2000 EUR Cash über Jamendo gemacht. Das schafft man natürlich nur, wenn man sich im allgemeinen Wettbewerb gegen andere durchsetzt. Aber im Gegensatz zum konventionellen Musikmarkt, hat zumindest jeder Musiker die gleichen Chancen und ist nicht abhängig von Labels oder den Kosten, die eben auch eine CD-Veröffentlichung mit sich bringen. Wirtschaftswissenschaftler macht dieser vollkommene Leistungs- und Qualitätswettbewerb, der ja völlig zugunsten des Nutzers läuft, sicherlich ganz wuschig.
Jamendo selbst gibt es erst seit 3 Jahren. Die Seite bietet aber mittlerweile schon sechs Sprachen und die Länder Frankreich, die englischsprachigen Länder und Deutschland sind auch am besten sowohl auf Künstler- als auch auf Nutzerseite vertreten. Insgesamt gibt es auf Jamendo 150.00 Songs und – tärääääää – seit heute 10.000 Alben von etwa 5.000 Künstlern.
Geht die Mucke klar?
Insgesamt werden jeden Tag 350.000 Songs runtergeladen, das heißt, dass jeder Song im Schnitt über 2 Mal pro Tag auf heimischen Festplatten landet. Ich glaub das ist ganz schön viel, weil man sich ja eigentlich alle Stücke auch prima im Stream anhören kann und man nur Alben runterlädt, die wirklich gefallen.
Das Musikangebot ist besonders durch zwei Faktoren geprägt: 1) Genres, die nicht mehr richtig von Labels gesignt werden und 2) Musik, die zuhause gut produziert werden kann. Somit ergibt sich ein besonderer Schwerpunkt in elektronischer Musik (die ja die Creative Common-Lizenz schon seit einiger Zeit kennt), und so klassische Gitarre-Bass-Schlagzeug-Mucke, weil’s so Bands einfach wie Sand am Meer gibt. Rap ist hingegen deutlich unterrepräsentiert. Und dann gibt es noch ein Überraschungsgenre – dazu gleich mehr.
Scoop (http://www.jamendo.com/de/artist/scoop) aus Boulleret, Frankreich, ist zum Beispiel ein Künstler, dessen Downtempo/Trip-Hop-Arrangements sehr zu empfehlen sind. Sein Album „Da Sound Industry“ umfasst 20 Titel und über 80 Minuten, ist sauber produziert und die relativ kurzen Stück überreizen die Loops nicht zu sehr. Zusammen mit dem Hauch von Wehmut und Versonnenheit aus den Dub-Anleihen und den französischen Sprachsamples ist genau die richtige Mischung fürs nächtliche Durchstreifen des Internets.
Pornophonique (http://www.jamendo.com/de/artist/pornophonique) kommen aus Darmstadt und haben das großartige Album „8-Bit Lagerfeuer“ über Jamendo veröffentlicht, das mittlerweile auf 100.000 Streams kommt. In einer scheinbar absurden Mischung haben sie den Underground-Trend analoger Synthesizer (Slagsmålsklubben!) noch um Lagerfeuerklampfen und mehrstimmigen Gesang ergänzt. Großartig.
Besondere Perlen finden sich aber (das ist jetzt mein Überraschungsgenre) besonders auch bei den Akustik-Musikern. Ruth Theodore (http://www.jamendo.com/de/artist/Ruth_Theodore) aus London, das brandneue französische Chanson-Album „Encore des chansons“ von Saint-Jean (http://www.jamendo.com/de/artist/bouvier) oder das Album „Window Sills“ der Wind Whistles (http://www.jamendo.com/de/artist/The_Wind_Whistles) aus dem kanadischen Vancouver.
Fazit
Insgesamt bietet Jamendo eine Menge fresher Musik, die völlig unangepasst ist. Die Musiker auf dieser Plattform machen wirklich noch ihr Ding und das merkt und hört man auch. Im positiven Sinne. Die meisten Alben sind halt ordentlich produziert, aber eben nicht superhochglanz, doch das steigert nur die Authentizität und damit den Musikgenuss. Ich glaub ursprünglich wollte Myspace eigentlich so ähnlich werden. Jamendo reduziert das Social-Networking aber auf ein Minimum – im Vordergrund steht die Musik. Und für diese lohnt sich ein Besuch der Website in jedem Fall.











