ine unterhaltsame Geschichte über die Entdeckung einer Großstadt, das Sich-Treiben-Lassen, die Unbekümmertheit einer Generation, die Unfähigkeit weder Familiengründung noch Beruf in die Hand zu nehmen: Wolfgang Herrndorf schildert die Lebensphilosophie eines Mannes um die 30. Eine Geschichte über Sex, aber ohne Sexszenen; über Alkohol, aber ohne Exzesse; eine Geschichte, die explizit wenig, implizit aber eine Menge erzählt.
In gewisser Weise scheinen sich da Charakterzüge des Protagonisten selbstreferentiell auf die ganze Story zu beziehen. „Ich kann nicht mit jemandem zusammen sein, hat Erika gesagt, der sich für rein gar nichts interessiert. Dann ist ja alles in Ordnung, habe ich gesagt. Und darauf Erika: Genau das meine ich." Der namenlose Ich-Erzähler in Wolfgang Herrndorfs „In Plüschgewittern“ weiß sehr gut seine Mitmenschen mit bissigen Kommentaren in Schubladen zu stecken, geblendet durch seine Schwarz-Weiß-Malerei ist er aber hinter der Fassade indifferenter als jede andere Figur der Geschichte. Je mehr er glaubt zu wissen, was cool und was uncool ist, desto weniger passt er eigentlich selbst in sein mühsam zusammengeschustertes Schema. Und so bummelt die Story vor sich hin, ohne Ziel, mit Höhen und Tiefen, aber ohne Spannungsbogen. Der Ich-Erzähler wird von seiner Freundin Erika verlassen, was er emotionslos und kalt hinnimmt, trampt dann ein bisschen durch die Republik. Erzählt von seiner ersten Freundin, besucht die krebskranke Oma. Kommt irgendwie nach Berlin und hängt mit seinem schwulen Freund Desmond rum. Dann kommt noch Ines ins Spiel, die zwar irgendwie hässlich ist, aber trotzdem anziehend, vielleicht jedoch sowieso lesbisch? Unterdessen, ganz nebenbei wird viel gesoffen und gekotzt. All das ist nicht besonders spannend. Und all das hat seine Blütezeit unter Popliteraten wie Benjamin von Stuckrad-Barre oder Christian Kracht bereits erlebt.
Trotzdem ist „In Plüschgewittern“ eine nette Story und dazu ein authentisches Porträt einer Generation, der alle Türen offen stehen, die sich aber einfach nicht für eine entscheiden kann. Die einen mögen sich in diesem Protagonisten allzu leicht wiederentdecken, die anderen würden sich nach ihrer 50 Stunden Woche gern eine Scheibe von ihm abschneiden. Dass es „In Plüschgewittern“ jetzt auch als Hörbuch gibt, ist da nur konsequent, weil sich die angesprochene Zielgruppe mit dem Zuhören wahrscheinlich leichter tut als mit dem Lesen. Egal, ob total verkatert oder völlig überarbeitet: Ein chilliger Sonntag ist gesichert, wenn August Diehl – es kann dafür keine bessere Stimme geben – den Zuhörer für vier Stunden in die Straßen Berlins entführt und in obskure Gedankengänge.
Erschienen ist das Hörbuch am 27.6.2008 bei tacheles!, wird von Indigo + Eichborn vertrieben und dauert 4 Stunden und 8 Minuten. Mehr Informationen gibt es unter roofmusic.de (http://www.roofmusic.de).







