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Quo vadis, GC?
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Quo vadis, GC?

er Durchschnittsgamer fühlt sich in abgedunkelten Räumen am wohlsten. Dieses selbst gewählte Refugium verlässt er lediglich im Sommer, wenn die Spieleflaute gerade am unerträglichsten scheint. Dann nämlich erwacht der Gamer aus seiner Lethargie, um sein bestes Nerd-Shirt zu bügeln um damit auf der alljährlich stattfindenden Games Convention in Leipzig zu glänzen.

Morgens lange vor halb Zehn in Deutschland!

Es sollte ein verdammt heißer Augustsonntag werden in diesem Hochsommer 2004, unser erstes Jahr auf der GC, zu Zeiten, als sich der Verband zum Weltklimaschutz so langsam aber sicher mit der Debatte über die Erderwärmung rumschlagen musste. Ich weiß nicht mehr, um wie viel Uhr wir in Göttingen in den Zug Richtung Leipzig gestiegen sind, aber es hatte sich mit Sicherheit angefühlt wie vier Uhr morgens!
Die Sonne verteilte bereits fleißig Sonnenbrände für Lau, als wir schließlich den stickigen Bäuchen der Deutschen Bahn und der Leipziger Straßenbahn entfliehen konnten. Endlich am Ziel, Endstation: Leipziger Messe. Der Pulk Menschen trieb uns geradewegs in den gläsernen Stahlkoloss, die riesige Eingangshalle, von der aus die Menschen eiligst in die vier Publikumshallen stoben. Doch bevor auch wir uns den gleißenden Lichtern, der wummernden Soundkulisse und dem euphorischen Spieltrieb und Entdeckerdrang eines Kleinkindes hingeben konnten, hieß es erstmal ein rotes USK18-Bändchen auftreiben – ohne die man die wirklich guten Spiele leider nicht zu sehen bekommt. Also Ausweis raus, bloß nicht schwitzen. Bitte recht freundlich! Ein prüfender Blick, Skepsis, peinliche Berührtheit. Dann ein Lächeln. Das rote Band - alles gut. Unseren Herzen frohlockten, denn unserem Spielerglück und unseren prüfenden Blicken sollte nun nichts mehr im Wege stehen.

Vom Schatten ins Licht


Gut, der „Aufbau Ost“ ist vielleicht nicht jedermanns Sache und so mancher „Wessi“ würde seinen Solidaritätszuschlag lieber in kühlem Kölsch angelegt sehen. Aber Ost-West-Sticheleien hin oder her, die neuen Bundesländer brachten und bringen immer noch frischen Wind in den nicht mehr immer ganz so neuen Westen. Eine dieser großartigen Errungenschaften ist z.B. die Games Convention. Bereits zum siebten Male in diesem August feiert die größte Videospiele-Messe in Europa zusammen mit ihren Besuchern die Neuerungen in der Hardware- und vor allem in der Softwarebranche. 2002 von der Leipziger Messe GmbH ins Leben gerufen und zunächst noch von dem Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware getragen, mauserte sie sich schnell zum ebenbürtigen Konkurrenten für die Electronic Entertainment Expo (E³), die damals als größte und renommierteste Messe in diesem Bereich galt. 2007 jedoch wurde das Konzept der E³ grundlegend geändert, und zwar dahingehend, dass die Messe nunmehr nur noch Entwicklern, Fachbesuchern und der Presse zugänglich ist. Doof für den Endkonsumenten, dem die Trailer, Demos und Neuankündigungen in LA jetzt vorenthalten werden.

Best of GC – Awardverleihung auf der Messe


Einmal mehr – zum sechsten Mal, um genau zu sein - werden in Leipzig von den ausstellenden Unternehmen die „Best of GC“ - Awards in zehn Kategorien vergeben. Einen Monat lang (1.7. – 1.8.) können die Teilnehmer drei Vorschläge ihrer Wahl einreichen. Vorausgesetzt, die genannten Titel sind für das Publikum auf der Messe spielbar und zudem muss ihre Veröffentlichung mit der GC zeitlich zusammenfallen.
U.A. werden die Preise in den Bereichen „Best Game“ für die jeweiligen Plattformen vergeben, weiterhin gibt es den Preis „Best Hardware“ für physische Computerbestandteile und weitere. Am 21. August dann findet die Verleihung durch die Mitglieder der Experten-Jury (bestehend aus Redakteuren renommierter Online-Magazine und Zeitschriften) in Rahmen der Branchenparty statt. Somit kann die Öffentlichkeit die Awards am 22. August, also dem Eröffnungstag, bereits bestaunen.

Video Games Live


Die Zwischenüberschrift mag in Anbetracht der Tatsache, dass es sich hier um einen Bericht zur GC handelt, absurd klingen. Wer aber nicht weiß, dass „Video Games Live“ „mehr als ein Konzert, mehr als ein Musical“ ist, der sollte tunlichst weiter lesen. Zum ersten Mal überhaupt feiert das "Video Games Live“ - Konzert am 20. August in Leipzig seine Deutschlandpremiere. 11000 Besucher bestaunten das einmalige Erlebnis bereits in Los Angeles, das von Tommy Tallarico produziert wird. Tommy wer?! Sein Name mag zwar unbekannt, seine Musik dafür umso berühmter sein. Seit Anfang der 90er hat er bereits über dreihundert Videospielen musikalisches Leben eingehaucht und dafür 35 Auszeichnungen eingeheimst. In Leipzig bringt er nun sein Konzert auf die Bühne. Während ein Symphonieorchester die größten Hits aus der Videospiele–Welt darbietet (Frogger, Fantasy 7, Space Invaders uvm.), „schlüpfen Schauspieler in die Rolle der Charaktere und die Zuschauer kommen zum Spielen auf die Bühne“. Begleitet wird das Ganze von spektakulären Lichteffekten.
Nicht nur aus nostalgischer Sicht ist dieser Termin eigentlich schon Pflicht. Auch jedem, der schon mal ein Gamepad bedient hat, sei angeraten, sich dieses Event nicht entgehen zu lassen.

Ego trippin´ - Nintendos Ein-Mann-Show


Nach der wunderbaren Neuerung, die dieses Jahr die GC bereichert (s.o.), folgt nun eine schlechte Nachricht: Nintendo – erste Adresse für Familien- und Casualgamer – wird 2008 nicht mit eigenem Messestand in Leipzig vertreten sein. Big N, die mit ihrer Innovationen in Sachen Spielmechanik (Wii, DS) vor allem die Nicht-Spieler für sich begeistern konnten, hat sich vorgenommen, ihre ganz eigene Show zu fahren. Und zwar in Form einer Roadshow will Nintendo wohl im Herbst durch einige Städte Deutschlands touren, um an den jeweiligen Standorten (Termine und Locations findet ihr auf der Homepage, s.u.) ihre kommenden Highlights zu präsentieren. Wir dürfen gespannt sein. Schade allerdings ist die Nachricht für alle, die sich speziell auf neues Futter für ihre Wii und ihren DS gefreut haben. Gerade den „normalen“ Spielern wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als sich auf die Kreativität und den Fleiß der Dritthersteller zu verlassen. Oder eben auf einen Stopp der Roadshow ganz in ihrer Nähe zu hoffen.

Was bringt die Zukunft? – Kölle Alaaf?!


Allem Anschein nach wird die Games Convention doch nicht, wie zunächst im Netz gemunkelt, nach Köln, in die Hauptstadt der Narren und Jecken, umziehen. Vielmehr handle es sich dabei um eine neue Messe namens „GAMESCon“ mit ähnlichem Schwerpunkt wie die GC. Wolfgang Marzin, Chef der Leipziger Messe, versicherte aber, dass die Stadt weiterhin die Rechte an der Games Convention inne habe und man die Popularität nutzen wolle, um auch international weiter zu wachsen (September 2007 fand erstmal auch in Asien ein Ableger der GC statt). Bisher steht noch nicht fest, ob und wann in Leipzig eine GC 2009 stattfinden wird.

Wie sinnvoll eine zweite Spielemesse in Deutschland wäre, wird wohl die Entwicklung zeigen. Zu erwarten ist wohl aber eher, dass sich letztlich nur eine durchsetzen kann, da den Entwicklern und Publishern bei der stetig wachsenden Zahl an Ausstellungen wohl irgendwann die Lust vergeht, siehe E³.


Die Games Convention 2008 findet vom 21. - 24.08. statt.
Die offizielle Homepage: gc-germany.com (http://www.gc-germany.com/)

A. Kraft