as macht ein Musikfernseh-Moderator wenn ihm langweilig ist? Kolumnen schreiben. Was macht er, wenn er viele Kolumnen geschrieben hat? Sie in einem Buch veröffentlichen. Here we go. Markus Kavka ist nicht mehr der Jüngste. Sein aktuelles Buch erzählt wie es so weit kommen konnte und wie das mit dem Beruf „Jugendlicher“ zusammenpasst.
Markus Kavka dürfte wohl jedem Magagin-Leser ein Begriff sein. Falls nicht, hier eine kurze Einleitung: Markus Kavka ist Moderator bei MTV. Eigentlich ist Markus Kavka DER Moderator bei MTV. Oder noch präziser Markus Kavka ist MTV. Der mittlerweile 41-jährige „Berufsjugendliche“ ist seit Mitte der Neunziger als VJ auf verschiedenen Musikkanälen aktiv gewesen und im Jahre 2000 bei MTV sesshaft geworden. Dort moderiert er nunmehr seit acht Jahren unter anderem die MTV News, deren Produktion er maßgeblich mit beeinflusst. Neben seiner Tätigkeit im TV treibt sich Markus Kavka auch nachts in Clubs hinter den Plattentellern rum. Anfang der Neunziger jagte er noch Indie-Sounds durch die Gehörgänge seiner Zuhörer, wechselte aber mit der Zeit zu Drum ´n´ Bass, um letztlich in minimalem House und Techno seinen Favoriten zu finden.
Seine jüngste Tätigkeit dreht sich um das Schreiben von Kolumnen, die er seit 2006 regelmäßig im Internet veröffentlicht. Auf seiner Homepage und auf zuender.zeit.de/kavka (http://zuender.zeit.de/kavka) lassen sich Kavkas geistige Ergüsse nachlesen. Für diejenigen, die dem digitalen Lesen nicht so zugetan sind, hat er nun freundlicherweise eine Auswahl seiner Texte in Printform auf dem Markt geworfen. Anfang 2007 erschien sein erstes Buch („Elektrische Zahnbürsten” beim Berlin-Verlag), im August desselben Jahres brachte er zusammen mit Caroline Korneli „Mach mir mal ne Nudelsuppe, bevor ich dich besudel, Puppe!“ bei Rowohlt heraus. Vor kurzem folgte sein drittes Werk mit dem Titel „Hamma wieder was gelernt – über das Erwachsenwerden“, welches ebenfalls von Rowohlt verlegt wird.
Auf 165 Seiten beschränkt sich dieses Werk und schafft es dabei auf 25 (24 mit Vorwort) seiner Kolumnen, deren längste 18 Seiten umfasst. Kavka verzichtet bei der Verschriftlichung seiner mitunter lustig-unterhaltsamen Gedanken dankbarer Weise auf sinnfreie Glitzer-Lametta-Ausschmückungen, wie in Kolumnen nicht unüblich. Stattdessen konzentriert er sich auf das Wesentliche und das ist in seinem Fall seine Meinung kundzutun über die Problematik des Heranwachsens, exemplarisch dargestellt an seiner eigenen Entwicklung.
„Irgendwie ist er an [ihm] vorbeigerauscht, dieser bürgerliche Lebensplan“, der bereits ab Mitte 20 dafür Sorge tragen soll, dass man einem vernünftigen, geregelten Job nachgeht, um die Altersvorsorge zu sichern, eine Frau und Kinder an seiner Seite weiß und als nächsten großen Schritt das Eigenheim vorsieht. Doch manchmal kommt eben alles anders, so auch bei Markus Kavka, der mit Anfang Vierzig eben noch nicht entschieden hat, ob er inzwischen erwachsen genug ist, um nicht mehr jugendlich zu sein. Stattdessen vertreibt er sich die Zeit damit, seinen jugendlichen Vorlieben wie dem Auflegen oder Abhängen in Clubs (Das „Cookies“ in Berlin) zu frönen oder drei Tage wach auf dem Rock am Ring-Festival zu feiern. Doch ab und zu holt auch ihn die harte Erwachsenenwelt ein und so bleibt ihm manche Realität nicht erspart. Stellvertretend für eine ganze Generation sieht sich Markus Kavka deshalb mit der Frage konfrontiert, was (über)morgen sein wird. „[Ich] finde es vollkommen in Ordnung, kaum Sicherheiten und feste Größen in meinem Leben zu haben und nicht zu wissen, was übermorgen sein wird. Egal, solange es zumindest morgen so lustig wird wie gestern.“ Ganz so einfach ist es dann leider doch nicht. Und so werden Bankbesuche langsam unausweichlich – Altersvorsorge lässt grüßen – und auch der unschöne Wohlstandsbauch bedarf inzwischen einer intensiven Behandlung im verhassten Fitnessstudio. „Dieses Szenario brauche ich so dringend wie Durchfall: ich, keuchend auf dem Laufband, über mir meine eigene Fresse und neben mir Leute, die wie ich denken, sie wären im falschen Film.“ Markus Kavka beschäftigt sich in seinen Kolumnen mit den Problemen des Alltags, die sowohl ihn als auch jeden anderen Menschen in gewisser Weise betreffen. So reicht die behandelte Thematik von der Aufarbeitung jugendlicher Untugenden über die gesammelten Erfahrungen bei den ersten Sex-Versuchen: „Gerade in meinen längeren Beziehungen erwarb ich mir nicht gerade den Ruf eines Draufgängers, vielmehr war ich König Blümchensex.“ Markus vermischt in seinen Texten Persönliches mit gesellschaftlichem Allgemeingut. Dabei nimmt er kein Blatt vor den Mund, macht aber auch keinen Hehl daraus, selbst nicht immer die passende Lösung für soziale Unstimmigkeiten – Stichwort: Generationskonflikt – liefern zu können. Stattdessen beleuchtet er die jeweiligen Situationen aus seiner eigenen Sicht und bietet dem Leser dabei durchaus reflektiertes Gedankengut: „Die Jugend darf prinzipiell immer alles, und wenn darunter nicht Dinge wären, die Erwachsene komplett irritieren, würde etwas eklatant falsch laufen.“
Markus Kavkas Kolumnen bieten rein oberflächlich gute, kurzweilige Unterhaltung für zwischendurch, z.B., wenn man auf den Bus wartet, auf der Toilette sitzt oder sich gerade mal fünf Minuten langweilt. Ich will damit aber nicht sagen, dass „Hamma wieder was gelernt – über das Erwachsenwerden“ lediglich ein brauchbarer Pausensnack ist. Vielmehr schafft es Kavka dank seiner unverkrampft lockeren Art auch eher triviale Themen oder (erstaunlich tiefgehendes) Privates gekonnt in Szene zu setzen und damit für jedermann greifbar zu machen. Mitunter mag das daran liegen, dass sein Schriftbild seinem gesprochenem Wort stark ähnelt, soll heißen, dass Markus Kavka seine Kolumnen in einen ähnlich trocken, sarkastisch Ton verfasst, wie er die MTV News moderiert. Letztlich ist er dafür wohl auch bekannt geworden. Markus schafft den Spagat zwischen unterhaltsamer Selbstreflektion und Zeigefinger-Mentalität, ohne tatsächlich auf einen Sündenbock zu deuten. Und das zu lesen macht wirklich Spaß. Insofern: „Hamma wieder was gelernt.“
Markus Kavka – „Hamma wieder was gelernt – über das Erwachsenwerden“ ist erschienen am 01. September 2008 bei Rowohlt rororo Taschenbuch, 173 Seiten, 8,95 €, ISBN: 978-3-499-62379-0
Homepage von Markus Kavka: markus-kavka.de (http://www.markus-kavka.de)








