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Christa Mälzer – „Mama Mälzers kleiner Küchenhelfer“
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Christa Mälzer – „Mama Mälzers kleiner Küchenhelfer“

ennen wir ihn Peter. Peter (19), neu in Tübingen. 1. Semester Geschichte und Germanistik auf Lehramt. 1-Zimmer-Klitsche im Studentenwohnheim mit Nasszelle und Kochnische. Kein Backofen. Während die Mensa Peter bisher mit den nötigen Kohlenhydraten versorgt hat, steht heute die Feuertaufe an. Lisa kommt zum Essen.

Die Kochplatten blieben bisher kalt, lieber hat Peter die Mikrowelle bemüht. Heute, wenn Peters O-Phasen-Flirt kommt, muss aber was Edleres auf den Tisch. Rührei? Nudeln mit Pesto? Pellkartoffeln? Was Peter beherrscht, ist nicht gerade die Haute Cuisine. Unlängst dem Hotel Mama entschlüpft, mangelt es hier und da noch gewaltig am Küchen-Know-how. Aber jetzt reumütig zum Telefon greifen und sich eine halbstündige Hasstirade von Muttern abholen? Von wegen: Dich hat es ja nie interessiert! Du hast ja nicht mal die Spülmaschine eingeräumt!
Zudem würde sie dann von Lisa erfahren und die behält Peter erstmal für sich. Für solche Fälle gibt es ja zum Glück das Internet. Lasagne gegoogelt ergibt 483 Hits auf Chefkoch.de. Aber was ist jetzt noch mal alles Suppengrün? Wikipedia antwortet: „Suppengrün ist eine Mischung aus Wurzelgemüsen wie Möhre, Steckrübe, Knollensellerie, Petersilienwurzel, Lauchgewächsen wie Lauch und Zwiebel und Kräutern wie Petersilie, Selleriekraut oder Thymian…“ blabla. Knollensellerie? Das weiße, erdige Ding? Oder war das Rettich? Und dann: Béchamelsauce. Mehlschwitze?? Scheiße, denkt Peter, warum hab ich sie nicht einfach zum Thailänder eingeladen?

Kochbücher haben manchmal mehr als sieben Siegel. Auch Söhnchen Tim flambiert, pochiert, gratiniert, souffliert fröhlich im Fernsehen, was nicht so leicht nachzukochen ist. Deswegen meldet sich jetzt Mama Mälzer zu Wort. Ihre Street-Credibility stellt sie schon im Vorwort unter Beweis: „Als Rettungsanker gibt es ja immer noch den Pizzaservice. Und schon bin ich bei Fast Food. Ich habe nichts gegen eine Pizza oder Currywurst. Im Gegenteil: Manchmal habe ich sogar einen Heißhunger darauf“. Fein, hier kommt keiner mit Weight Watchers Punktesystemen. Stattdessen bietet das Rezepteverzeichnis: Kartoffelpüree, dicke Bohnen, Omas Hühnersuppengeheimnis, Königsberger Klopse (die einfache Version) und Krustenbraten.
Bürgerliche Küche. Das mag gut ankommen in Zeiten, in denen Freunde, die Anfang 20 sind, heiraten. Das passt zur neuen Spießigkeit. Aber alle Vorbehalte mal beiseite: Warum nicht wirklich mal Grünkohl kochen? Mama Mälzer holt die Generation Mirácoli von der Mikrowelle ab und erklärt idiotensicher vom Einkauf bis zum Abwasch. Das ist insofern ein lobenswerter Ansatz als vielleicht ein paar hundert Studenten in Deutschland einmal die Woche nicht Schnitzelpommes in der Mensa essen. Und Single-Haushalte und Kochmuffel werden vielleicht für die E-Nummern auf den Lebensmitteln sensibilisiert, greifen selbst zur Kelle und merken, dass es gar nicht so schwer ist.

Mama Mälzers kleiner Küchenhelfer ist für Fortgeschrittene eine Unterforderung, auch wenn das Büchlein den Anspruch erhebt, anspruchsvolle Zungen zu betören. Aber es bringt vielleicht durch angenehme Aufmachung und klar formulierte Anweisungen bei dem einen oder anderen eine (Herd)flamme zum Lodern. In jedem Fall darf es jedem Grünschnabel, der das elterliche Nest verlässt, zum Abschied zugesteckt werden. Denn: Kochen macht sexy!

Christa Mälzer – „Mama Mälzers kleiner Küchenhelfer“ ist erschienen im Januar 2009 bei Rowohlt (http://www.rowohlt.de). Taschenbuch, 224 S., 8,95 €, ISBN: 978-3-499-62480-3

L. Krutzinna