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Notorious B.I.G. - No Dream Is To B.I.G.
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Notorious B.I.G. - No Dream Is To B.I.G.

ls am 21. Mai 1972 in Brooklyn, New York ein acht Pfund schweres Baby mit dem Namen Christopher George Latore Wallace zur Welt kommt, hat seine, ihn alleinerziehende, Mutter Voletta Wallace noch keine Ahnung davon, welch großen Einfluss ihr Neugeborenes wenige Jahre später zunächst auf die Drogenszene Brooklyns und anschließend auf die HipHop-Kultur der ganzen Welt haben wird.

Es heißt, das Leben ziehe noch einmal an einem vorbei, wenn man dem Tod ins Auge sieht…
Es ist ein Freitag, der neunte März 1997, und Biggie Smalls feiert sich und seine Crew, darunter Puff Daddy, Faith Evans, Lil´ Cease und D-Roc auf einer Party in Los Angeles - zu diesem Zeitpunkt ist Tupac Shakur bereits mehr als sechs Monate tot. Um halb eins in der Frühe wird die Vibe Magazine-Party von der Feuerwehr wegen Überfüllung beendet und Biggie und seine Leute steigen in zwei GMC Suburbans, um den Rückweg zum Hotel anzutreten. Wenige Meter von dem Museum entfernt, in dem die Party veranstaltet wurde, muss der zweite SUV, in dem sich Biggie befindet, an einer roten Ampel halten. Ein schwarzer Chevy Impala kommt rechts neben dem GMC zum Stehen. Der Fahrer öffnet das Fenster und richtet eine 9mm Pistole auf die Beifahrertür des GMC. Christopher Wallace schaut der Pistole direkt in den Lauf, wenige Sekunden danach knallt es laut: Der Schütze hat abgedrückt.


Die Anzeige dieses Bildes wird in Ihrem Browser möglicherweise nicht unterstützt.Rückblende: Ein übergewichtiger, kleiner Junge (Christopher Jordan Wallace) sitzt mit seinem Freund auf einer Treppe und rappt Texte von Kool Herc mit. Der schüchterne Knirps blitzt bei den Mädchen seines Jahrgangs ab und bewundert seinen lässigen Freund für seine Coolness. Dieser Freund bietet dem elf jährigen Christopher Wallace an, in sein Geschäft einzusteigen, um ein paar Dollars zu verdienen. Christopher widersetzt sich daraufhin dem Verbot seiner Mutter (Angela Bassett), die Treppe vor dem Haus zu verlassen, und beginnt, nach der Schule heimlich Drogen an der Fulton Street in Brooklyn zu verkaufen. Von der Kohle finanziert sich der junge Christopher einen Lebensstandard, den seine Mutter nie akzeptieren würde – ihre Ahnung behält sie für sich. Dennoch wandert Biggie (Jamal Woolard) wegen der Dealerei für neun Monate ins Gefängnis. In dieser Zeit schreibt er vermehrt an Reimen und Strophen und als er schließlich entlassen wird, produziert er ein Demo-Tape unter dem Namen „Biggie Smalls“. Über einige Zwischenstationen gelangt der aufstrebende A&R Sean „Puffy“ Combs (Derek Luke) an das Tape und lädt Biggie zu einem Gespräch bei Uptown Records ein. Kurz nach dem Signing wird Puffy jedoch bei Uptown Records gefeuert und gründet daraufhin kurzerhand sein eigenes Label „Bad Boy Records“. Unter dem Pseudonym „Notorious B.I.G.“ (wobei das B.I.G. angeblich keine tiefere Bedeutung trägt) steuert Biggie eine Strophe zu dem Remix von Mary J. Bliges „Real Love“ bei und erlangt somit nationalen Ruhm.

Im August 1994 heiratet Biggie Faith Evans, die er neun Tage zuvor bei einem Foto-Shooting kennengelernt hat. Einen Monat später erscheint Biggies Debüt-Album „Ready To Die“, das auf Platz 13 der Billboard Charts einsteigt und die Ostküste im Alleingang wieder auf den von der Westküste dominierten HipHop-Globus bringt. Insgesamt erreicht die Scheibe vierfach Platin.

Die Anzeige dieses Bildes wird in Ihrem Browser möglicherweise nicht unterstützt.1995 befindet sich Biggie gerade im Studio, weil ihm Schmuck im Wert von mehreren tausend Dollarn gestohlen wurde. Tupac (Anthony Mackie), ein enger Freund des übergewichtigen MCs, wird auf dem Weg zu Biggies Studio überfallen und gibt ihm daraufhin die Schuld an dem unschönen Zwischenfall – der Beginn einer grausamen Fehde. Der mittlerweile bei Death Row Records unter Vertrag stehende Gangsta-Rapper veröffentlicht im Juni 1996 den Song „Hit Em Up“, auf dem er behauptet, Sex mit Faith Evans gehabt zu haben. Nur drei Monate später wird er bei einem Drive-By Shooting in Las Vegas, Nevada erschossen und erliegt nach sechs Tagen seinen Verletzungen. Gerüchte kommen auf, dass Notorious B.I.G. in den Vorfall verwickelt sei. Zu dieser Zeit schreibt er bereits fleißig an neuen Texten zu seinem zweiten Album „Life After Death“, dessen Veröffentlichung am 25. März 1997 er nicht mehr persönlich mit erleben wird.


Mehrere Schüsse treffen den GMC, vier davon erwischen Biggie in der Brust. Jegliche Rettungsmaßnahmen kommen jedoch zu spät; um Viertel nach eins in der Frühe kann im Cedars-Sinai Krankenhaus nur noch Christopher Wallaces Tod festgestellt werden. Bei der Beerdigungszeremonie fährt ein Limousinen-Konvoi durch die Straßen Brooklyns, die gefüllt sind mit trauernden Menschen. Voletta Wallace öffnet das Fenster, um der mitfühlenden Menge zu danken, als jemand „Hypnotize“ andreht und damit die Zeit zum Stillstand bringt - die Menschen feiern, als wäre Christopher Wallace leibhaftig unter ihnen.

Wer war Biggie Smalls? – (Ent-)Mystifizierung einer Ikone
Seit Donnerstag, dem 26. März 2009, läuft eine mögliche Antwort auf diese Frage in den deutschen Kinos; in den amerikanischen Lichtspielhäusern läuft der Film seit dem 16. Januar. Es sollte immerhin zehn Jahre dauern, bis die Vorsprechen für die Rollen zum ersten Spielfilm über das Leben des berüchtigten Christopher Wallace im Oktober 2007 stattfanden. Neben etlichen Rappern bewarb sich auch der junge Jamal Woolard für die Rolle von Notorious B.I.G. und bekam letztlich die Zusage. Um sich entsprechend für seine Rolle vorzubereiten, lernte er sämtliche Texte von Biggie auswendig (angeblich hatte Biggie selbst nie einen seiner Texte aufgeschrieben), legte trotz seiner Fülle noch mehr an Gewicht zu und besuchte die Juilliard Schule, in der er Gesangsunterricht nahm, um die Stimme authentisch klingen zu lassen. Die Arbeit, die er in seine Vorbereitungen investierte, hat sich letztendlich ausgezahlt. Jamal gelingt es, ein glaubwürdiges Abbild von Brooklyn´s finest auf der Leinwand zu darzustellen. Die minimale Mimik, die hauptsächlich von dem schiefen Mund gelenkt wird, übernimmt Jamal gekonnt von seinem Vorbild. Neben Jamal Woolard glänzen sowohl Derek Luke als Sean „Puffy“ Combs, als auch Angela Bassett in ihrer Mutterrolle „Voletta Wallace“. Angela gibt es liebenswerte, einfühlsame Mutter, die wie eine Henne über ihr Junges wacht. Trotz der vielen Sorgen, die ihr Sohn ihr immer wieder bereitet, sei es durch seine Untreue und Affären oder seine Dealerei, hält sie als rücksichtsvolle Mutter stets zu ihrem Sohn.


Auch Derek Luke gibt sich redlich Mühe, den echten P. Diddy so authentisch wie möglich nachzuzeichnen, was ihm hoch anzurechnen ist. Wenn man den echten P. Diddy allerdings schon einmal bei einem seiner Auftritte erlebt hat, merkt man schnell, dass sich ein Charakter wie dieser nicht kopieren lässt. Wäre da nicht der inzwischen zu hohe Altersunterschied wäre P. Diddy prädestiniert dafür gewesen, sich selbst zu spielen – so muss man sich mit einem gut gespielten Abbild zufrieden geben. Gänzlich anders verhält es sich bei Anthony Mackie, der in dem Film „Tupac Shakur“ verkörpert. Wenn gleich er im Film nur an wenigen Stellen auftritt und damit eher zu den Nebenfiguren zählt, fehlt mir bei Anthony Mackie jegliche Ähnlichkeit zum verstorbenen Gangsta-Rapper. Anthony Mackie spielt die etwas überdrehte, leicht affektierte Legende lebendig nach, dennoch nimmt man ihm die Figur von Tupac nur widerwillig ab. Zu groß ist der optische Unterschied.

Obwohl das Leben von Christopher George Latore Wallace viel zu früh durch äußere Einwirkung beendete wurde, so war es dennoch ein sehr ereignisreiches. Nicht umsonst haben sich mehrere Biographen daran versucht, die Vita von Biggie schriftlich nachzuzeichnen. Zu ihnen zählt auch Cheo Hodari Coker, auf dessen Buch ein Teil des Drehbuchs zurück zu führen ist. Leider ereilt „Notorious B.I.G.“ ein ähnliches Schicksal wie fast allen literarischen Verfilmungen: Wichtige Passagen werden zusammen gekürzt, fallen zum Teil komplett aus dem Drehbuch. Da ein Film auch immer der Unterhaltung dient und ein besonders großes Publikum ansprechen soll, eben auch die Leute, die sich keine Biographie von Biggie ins Bücherregal stellen, muss das Ergebnis möglichst Massen kompatibel ausfallen. In diesem Fall heißt das, dass der Film in großen Zeitsprüngen erzählt wird und häufig nur im Ansatz auf die einzelnen Abschnitte von Biggies Leben Rücksicht genommen wird, Details und Tiefe bleiben außen vor. Das betrifft in erster Linie auch die Nebenfiguren des Films, unter anderem eben Tupac, Lil´Kim oder D-Roc, einer von Biggies besten Freunden, die durch den straffen Handlungsablauf sehr eindimensional dargestellt werden und dadurch etwas blass und facettenarm wirken.


Die Anzeige dieses Bildes wird in Ihrem Browser möglicherweise nicht unterstützt.„Notorious B.I.G.“ ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite wird versucht, möglichst kompakt und spannend das Leben von Christopher Wallace auf Zelluloid zu bannen, um auch das unwissende Publikum für den Künstler begeistern zu können. Dafür mussten an vielen Stellen Kompromisse eingegangen werden, die vor allem für Menschen schade sind, die mit der Materie schon vertraut sind und denen Biggie eben nicht fremd ist. Gerade außerhalb Amerikas ist The Notorious B.I.G. trotz der Verbindung zu Tupacs Tod relativ „unbekannt“. Während Tupacs Erbe allgegenwärtig ist, sei es in Clubs, Zeitschriften oder durch die Alben, die post Mortem veröffentlicht werden und dadurch mit Tupacs Tod vielleicht Schindluder getrieben wird, so birgt es jedoch auch den Vorteil, dass die Legende um Tupac so schnell nicht in Vergessenheit geraten wird – ähnlich dem King of Rock´n´Roll Elvis Presley. Bei Biggie Smalls hingegen sieht die Realität hierzulande leider wesentlich düsterer aus. Obgleich er für die Ostküste in den 90er eine stilbildende Ikone gewesen ist und das gleiche Ansehen genoss, welches Tupac an der Westküste für sich verbuchen konnte, sehen viele junge Menschen den Zusammenhang und die tragende Rolle von Biggie für HipHop nicht. Und genau an der Stelle fehlt dem Film die letzte Konsequenz. Zwölf Jahre nach dem Tod von B.I.G. kommt ein Spielfilm raus, der nur schwerlich die eingefleischten Fans zufriedenstellen wird und noch weniger die breite Masse auf den Künstler aufmerksam machen kann. Diese wichtige Chance wurde leider nicht ergriffen und so wird „Notorious B.I.G.“ bald wieder aus den deutschen Kinos und Gedächtnissen verschwunden sein.



Trivialwissen

* Christopher Jordan Wallace, der den jungen Biggie im Film spielt, ist der Sohn von Christopher George Latore Wallace und Faith Evans.
* Sowohl Beanie Sigel als auch Guerilla Black sprachen für die Rolle von Biggie vor. Sean Kingston, der ebenfalls vorgesprochen hatte, behauptete hinterher sogar, er habe die Rolle erhalten.
* Sylvester Stallone war zwischenzeitlich für die Stelle als Regisseur im Gespräch.
* Der Großteil des Films basiert auf dem Buch „Unbelievable: The Life, Death and Afterlife of the Notorious B.I.G.“ von Cheo Hodari Coker, der auch am Drehbuch mitwirkte.



Cast & Crew, Details

Besetzung:

Christopher 'Biggie' Wallace - Jamal Woolard

Sean “Puffy” Combs - Derek Luke

Tupac Shakur - Anthony Mackie

Voletta Wallace - Angela Bassett

Lil Cease - Marc John Jefferies

Lil Kim - Naturi Naughton

Faith Evans - Antonique Smith

Wayne Barrow - Charles Malik Whitfield

Suge Knight - Sean Ringgold

Mark - Kevin Phillips

Damion 'D-Roc' Butler - Dennis L.A. White

Biggie (im Alter von 8-13) - Christopher Jordan Wallace

Damion (im Alter von 8-13) - Jasper Briggs

Jan - Julia Pace Mitchell

Regie: George Tillman Jr.

Drehbuch: Reggie Rock Bythewood & Cheo Hodari Coker

Musik: Danny Elfman

Produktion: Bad Boy Worldwide Entertainment Group

Bystorm Films

Fox Searchlight Pictures

Voletta Wallace Films

Verleih: Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Genre: Biographisches Drama (Biopic)

Laufzeit: ~ 123 min. (USA: 123 min.)

FSK: Frei ab 12 Jahren


Movie-Homepage: notoriousbig-derfilm.de ([http://www.notoriousbig-derfilm.de/)




M. Schmutzer