ode ist eigentlich nicht mein Ding. Viel interessanter finde ich meistens die Fotos selbst, ihre Sprache und die Handschrift des Fotografen, nicht so sehr der Inhalt und die Klamotten. Wenn sich jetzt jemand aktiv als Amateur mit dem Thema beschäftigt und eine so starke Idee verfolgt, wie die Weissrussin Elle Muliarchyk (was für ein Name), scheint Mode auch für den durchschnittlich interessierten was zu sein. Schaun wir uns das mal an.
Eigentlich beginnt die Karriere der Obengenannten für die Modewelt wohl relativ typisch: ein alter Mann quatscht sie auf der Strasse an, was sie zunächst eher als Belästigung auffasst, jedoch ganz fix merkt, was hinter den geifernden Gestiken des Verzweifelten steckt. Ein Modemacher hat vor, ihr teure Fummel auf den Leib zu schneidern und sie dann über die Bühnen des Modekosmos stolzieren zu lassen. Für viele junge Damen ist dieser Moment wohl sogar ein Grund das nächste Robbie Williams Konzert sausen zu lassen, Elle Muliarchyk aber hat da andere Vorhaben. Was ist also Ihre Form der Reaktion auf ein solches Angebot?
Üben, üben, üben.
Aber nicht allein zu Hause. das haben schon viele vorher ausprobiert, nein sie begibt sich in das Versuchsfeld Gesellschaft und zwar genau in das Epizentrum der Klamottenwelt: die Botiquen. Und zwar genau da, wo normalerweise das Beben am heftigsten ist, nämlich in New York, London, etc. pp, halt die Modehauptstädte. Gut, was trägt sie als Gepäck bei sicht? Zunächst einmal das wichtigste Instrument, eine Digitalkamera mit Selbstauslöserfunktion und ein Stativ. Den Rest organisiert sie sich vor Ort- Klamotten, Requisiten und natürlich das Studio. Damit ist die Momentaufnahme ihrer Ausrüstung auch schon vorbei. Der Plan dahinter ist simpel und daher so eindrucksvoll vielversprechend.
Sie schnappt sich irgendein teures Kleidungsstück und verschwindet damit in der Kabine. Viel mehr als Fünf Minuten bleiben ihr nicht, um ihr Set aufzubauen, dann werden die Verkäufer misstrauisch. Die riesige King-Kong Pfote unter ihrem Arm hat zum Glück niemand bemerkt. So entsteht der perfekte Shot einer Szene aus einem absoluten Filmklassiker. Vor einem riesigen New-York Poster nimmt die Gute im teuren Kleidchen auf King Kongs Hand Platz und wartet auf das Blitzlicht. Dass kurz darauf der Sicherheitsdienst hereinplatzt und sie der Polizei übergibt, spielt dabei keine Rolle, das gehört zum Geschäft. Wichtig ist, dass es jemandem gelingt, innerhalb kürzester Zeit ein interessantes Set zu kreieren, sich den Umgebungsbedingungen anzupassen und ein dermaßen gutes Foto hinzubekommen, das die Grenze zwischen Mode und Kunst ernsthaft verwischt, also der darstellerische dem kreativen Aspekt weichen muss. Aber sie entlieh nicht nur King Kong seine Hand für dieses geniale Vorhaben, sondern führte auch mal riesige Plüschpandabären, Kakteen oder Atemschutzmasken mit, mit denen sie sich gekonnt in Szene setzt. Eine geborene Selbstdarstellerin, die allen Modeklischees dieser Welt einen gehörigen Tritt versetzt.
Am wichtigsten ist bei einer solchen Aktion wohl nicht nur die Tatsache, dass jemand die Eier hat, so etwas im Sinne eines ästhetischen Experiments auszuprobieren, sondern auch die Chance, die Modewelt etwas aus ihrem traumtänzerischen Konzept zu bringen und eine Brücke zum normalen Voyeuristen zu bauen, der an diesen Bildern echt seinen Spass haben kann. Ich habe ihn jedenfalls.








