ufmerksamkeit ist eine Tugend, die aber häufig vergessen wird. Das habe ich schon bei der letzten Ausstellung von Eva Maria Grüneberg im Stellwerk bemerkt, die leider nur sehr sporadisch besucht wurde. Auch heute wurde ich mit den Worten “du bist heute der Erste hier” empfangen. Hach ja, sobald ein Museum weniger als 288,3 Räume hat, trauen sich die Leute nicht mehr rein... oder das darin gebotene wird unterschätzt, wie in diesem Fall vielleicht auch.
Dabei ist der Name Programm. In der heiligen Halle des Stellwerks bekommt der Besucher einfach gute Malerei zu sehen, die sehr vielseitig und ausdrucksstark daherkommt. Die beiden Künstler, Martin Sommer und Soeren Gerhardt, die dieses Mal ausstellen sind beide Studenten and der Kunsthochschule Kassel in der Malereiklasse von Prof. Jürgen Meyer. Wieder treffe ich zumindest einen der beiden, Martin Sommer, an, der entspannt mit seiner Gitarre am Eingang hockt und sich vom mangelnden Besucheranstrom nicht allzusehr zu stören lassen scheint.
Zurück zur Materie. Malerei hat einen ausgesprochen schwierigen Stand in der zeitgenössischen Kunst. Von Experten und anderen selbsternannten Kennern wird sie seit Jahren für tot erklärt, wobei gleichzeitig wieder eine extreme Nostalgie für den Realismus der “Leipziger Schule”; aufkommt, besonders für deren populärste Vertreter, wie Neo Rauch und Tim Eitel. Bei der letzten Kasseler Documenta zum Beispiel allerdings bekam der geneigte Betrachter kaum mehr Pinselstriche zu Gesicht sondern wurde hauptsächlich mit Installationen , Fotografie, Video usw. unterhalten, also mit den sogenannten modernen Medien. Bei der kommenden Kunstschau 2007 wird das wohl kaum anders werden, im Gegenteil, denn die Palette wird noch um einen performativen Anteil verstärkt, so wird ein spanischer Koch seine wilden Kreationen vorführen, die schäumend und farblich oszillierend für Zuschauerströme sorgen sollen. Vor diesem Hintergrund sind die malerischen Positionen der jungen Künstler im Stellwerk aber um so interessanter.
Ehrlich gesagt faszinieren mich die Arbeiten von Martin Sommer mehr, als die von Soeren Gerhardt, was ich aber nicht sonderlich plausibel begründen kann., ich mag sie einfach mehr. Deswegen werde ich auch eher auf diese Arbeiten eingehen. Martin Sommer stellt der Ausstellung drei Arbeiten zur Verfügung. Obwohl jede Arbeit für sich steht, bilden alle eine einigermassen erkennbare stilistische Einheit, was allerdings nicht mit Monotonie zu verwechseln ist. Ich habe den Eindruck, dass der Produzent mit Farben umgehen kann und weiss, was er will, wohin er will. Zwar lassen sich intuitive Momente nicht übersehen, aber trotzdem scheint mir die Entwicklung der Sachen schlüssig und klar nachvollziehbar, ich bin mir sicher, hier eine ganz eindeutige Handschrift, eben die von Martin Sommer, zu erkennen. Malerisch erinnert er mich etwas an Martin Kippenberger (hier einige Informationen zu M.K. (http://www.tate.org.uk/modern/exhibitions/kippenberger/rooms/default.shtm)), der in seinem Werk ebenfalls sehr transparent zu malen verstand, was mir bei Martin Sommer auch irgendwie gefällt. Unter Transparenz verstehe ich hierbei, dass Farbschichten übereinander gelagert werden, bis sich eine vielschichtige Wirkung einstellt, bis man den Eindruck von experimentellen, aber gut durchdachten Farbwelten hat, die dem Betrachter die Möglichkeit geben, Tiefe im Bild zu erkennen. Das ist sicherlich schwer nachvollziehbar, aber wirklich Tiefe und Transparenz bekommen nur wenige hin, Respekt dafür.
In der Outbox der KHS Kassel (http://www.outbox-kassel.de/usr/id=302&dep=814) kann man übrigens weitere Arbeiten von Martin Sommer begutachten, was sich lohnt (besonders den “Canvas Suicide”!), denn ich kann hier noch zwei Stunden darüber nachdenken, wie ich meine Gedanken transportieren kann, um meinen Standpunkt klarer zu machen. Jedoch macht es natürlich viel mehr Sinn, sich selbst mal die Sachen anzusehen und entweder zu entdecken, was ich meine, oder einfach zum Schluss zu kommen, dass ich ja vollkommenen Blödsinn daherrede. Schlussendlich kann ich nur empfehlen, sich mit Martin Sommers Arbeiten auseinanderzusetzen. Für mich hat es sich gelohnt, denn ich hatte bislang immer das Gefühl, besonders in Ausstellungen von jungen Künstlern oder noch im Studium befindlichen Akteuren für mein eigenes Schaffen und Denken Eindrücke und Anreize bekommen zu haben, an die ich immer mal wieder denken muss und kann. So etwas beschäftigt auf eine schöne Art und Weise, nur muss man sich halt -wie auch bei Eva Maria Grüneberg- einfach mal trauen, hineinzugehen, nicht nur ins Stellwerk.
Per Klick auf die Bilder kommt ihr übrigens in die Slideshow, dort gibt es noch zwei weitere Werke Martin Sommers in etwas großzügigerer Größe zu sehen.








