treiken ist total in. Streiken nervt wie nix. Damals, früher, letztes Jahrtausend, als ich noch jung war fühlte ich noch tief in meinem Herzen eine Sympathie für rebellische Arbeitnehmer.
Aber jetzt ist endgültig Schluss.
Nur wenige Wochen ist es her. Ich bin irgendwann nachts sternhagelvoll ins Bett gefallen und bin mit der wunderbaren Vorstellung eingeschlafen für ziemlich (also ziemlich!) lange im weichen Bettchen meinen Rausch auszuschlafen. Das klappte auch weitgehend. Doch der nächste Morgen kam. Doch nicht sanft mit zarten Sonnenstrahlen, die den frühlingshaften Nebel hinfortkitzeln – nein von schüchterner Morgendämmerung wie Gott den Tag beginnen lassen wollte keine Spur. Ich wurde nicht von munter zwitschernden Vögeln geweckt, sondern etwas Ungeheuerliches riss mich unsanft aus meinen stumpfen Träumen.
Ich liege im Bett, ein schrilles Geräusch dringt in mein Bewusstsein vor. Ich werde wach. Ist irgendwo in diesem verdammten Haus ein Wecker an? Klingelt der Postbote? Hab ich was bei Amazon bestellt? War der Schornsteinfeger nicht neulich erst da? Was will der überhaupt bei mir? Hab ich einen Schornstein? Telefon? Nein. Nichts von alledem. Zwischen das schrille Pfeifen mischt sich eine Melodie. Bekannt, bedrückend, ekelhaft. Ich reibe mir die Augen. Die Welt geht unter. Aus der widerlichen Melodie schälen sich Worte heraus, Worte, die ich für immer vergessen wollte. „DENN ES IST ALLES NUR GEKLAUT“. Diese verf*ckten Prinzen. Was für ein gesellschaftlicher Bodensatz wagt es mich mit diesem Lied aus dem Schlaf zu reißen? Ich kann nicht anders, die Frage ist zu quälend, ich stehe auf. Vor meinem Fenster ein klägliches Häufchen Menschen, die sich rote Müllsäcke um die Leiber gewickelt haben. Absolut verstörend. Haben sie jetzt der Antifa auch noch die Klamotten weggenommen? Nein. Nein, der Mob auf der Straße sind die Frontschweine von ver.di im neu ausgerufenen Klassenkampf.
Ich lege mich mit Kippe und Death-Metal wieder ins Bett. Der Tag ist gelaufen, bevor er überhaupt angefangen hat. Danke Gewerkschaft. Noch nie hab ich mir so gewünscht in China zu leben. Da sind freie Gewerkschaften verboten.
Heute habe ich wieder ver.di-Pupser gesehen. Lümmeln sich auf dem Uni-Campus rum. Ich glaube für die ver.di-Leute ist Streiken ein bisschen so wie freiwilliger Wandertag in der Schule: Wenn man mitgeht, fällt der Unterricht aus. Yeah!. Und so waren die Leute auch drauf. Die Sonne schien so wunderbar, da wickelt man sich dann doch auch schon mal die Regenjacke um die Hüften. Außerdem gibt’s noch was zu essen aus der gewerkschaftlichen Gulasch-Kanone. Und manch einer wünscht sich insgeheim, dass das Gulasch aus Arbeitgebern bestünde, denn die sind ja das Feindbild – „Was wissen die da oben denn vom kleinen Mann!“. Ja, schöner Sonntagsausflug mitten in der Woche, hm?
Und heute am 3. Mai lese ich auf der ver.di-Homepage, dass man schon jetzt verhindern wolle, dass die Arbeitgeber beim gerade beginnenden konjunkturellen Aufschwung den großen Reibach machen. Kennt ihr Paranoia? Ach so: Und wusstet ihr, dass jeder Euro Gehaltserhöhung Neueinstellungen verhindert? Wusstet ihr, dass es in Deutschland rund 5 Millionen Arbeitslose gibt? Nein? Ich schon und im Übrigen teile ich auch lieber, als kompromisslos meinen Willen durchzusetzen. Solidarität war in früher Vergangenheit auch mal ein Wert in den Gewerkschaften. Aber Deutschlands Linke parodiert sich ja sowieso gern mal selbst, sodass es kaum verwundert, dass der härteste Hund in deutschen Landen ver.di ist…
verdi vidi vici






