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V für Vendetta
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V für Vendetta

s lässt sich kaum bestreiten, dass die Wachowski-Brüder (Andy und Larry) mit Matrix eine Ikone der Popkultur hervorgebracht haben. Noch weniger lässt sich beschreiten, dass die Matrix Fortsetzungen vieler Ort eher für Ernüchterung als für Jubelschreie sorgten. Die großen Fragen die nun im Raum stehen sind – schaffen es die beiden mit „V für Vendetta“ ihr angeschlagenes Image wieder aufzupolieren und (viel wichtiger) – ist es dieser Film wirklich wert Natalie Portman ihrer Haarpracht zu berauben?

„Remember, remember the 5th of November…“ jeder Mensch der im Englischunterricht der Mittelstufe aufgepasst hat oder schon mal das eine oder andere Jahr in Großbritannien verbracht hat dürfte bei Schlagworten wie „Gunpowderplot“ oder „Guy Fawkes“ wissen wovon die Rede ist. Eben jener hat nämlich im Jahre 1605 versucht das englische Parlament in die Luft zu jagen – vergebens. Er wurde gefasst und hingerichtet – seither verbrennen die kleinen Engländer jedes Jahr zur „Bonfirenight“ Strohpuppen, die den Übeltäter darstellen sollen und haben einen Heidenspaß dabei.

Ein ungewöhnlicher Anfang für eine Dystopie, wohl wahr – doch dieses historische Grundgerüst wird sofort in angenehm entfremdeter Form in das England einer nicht allzu fernen Zukunft katapultiert wo Gotik und High-Tech zu einem interessantern Tech-Noir-Look verschmelzen. In der dunklen Welt, die uns „Vendetta“ vor Augen führt werden die Menschen von einem totalitären Regime und einer übermächtigen Medien-Propaganda an der kurzen Leine gehalten und haben eigentlich jeden Willen zum eigenständigen Denken oder gar zu Rebellion vollkommen eingebüßt. Auch Evey Hammond (Natalie Portman) ist eher angepasst, in ihrem Job beim britischen Fernsehen – nur einmal traut sie sich aus dem Haus für eine kleine Romanze mit ihrem Chef.

An dieser Stelle gerät das England der finsteren Despoten ins Wanken – nicht etwa weil die kleine Evey ein Verhältnis hat, nein; sie wird nämlich prompt vom Wachschutz (die Herren heißen hier „Finger“ und sind ein Mix aus SS und GeStaPo) gefasst – und gerettet; von einem Mann mit einer Guy Fawkes Maske, der sich selbst „V“ („Agent Smith“ Hugo Weaving) nennt. Der Guy Fawkes der Neuzeit hat großes vor, denn er möchte die Menschheit von ihren Joch durch das Regime erlösen. In einer Fernsehbotschaft an die Bevölkerung Englands lässt er verlauten, das in genau einem Jahr das Leid ein Ende haben wird – der Countdown für beide Seiten läuft.

Der Film startet (abgesehen von der Stimmigen Einleitung) wie ein schlechter Trip auf zu billigen Drogen. Alles scheint irgendwie ein bisschen Matrix, aber doch nicht so qualitativ, der Herr mit der Maske entpuppt sich als echte Laberbacke und der Zuschauer fragt sich wie er jemals mit so einem Klugscheißer Mitfiebern kann außerdem erinnert der allzu offensichtliche Zwiespalt, der in Evey keimt und mit ein wenig romantik gewürzt wird sehr an Seifenoper – dann explodiert etwas. Ein Monument geht mit klassischer Musik und Feuerwerk vor die Hunde und der Film rüttelt sich. Gemächlich aber stetig wird die Handlung feiner und verästelter, die Personen verlieren ihre Zweidimensionalität, V redet weniger (!!!) und die Action wird sehenswert.

Wie ein Stein, den man ins Wasser wirft scheint der Film zunächst unterzugehen, schlägt dann jedoch Wellen, die immer weitere Kreise ziehen und die Ereignisse in „Vendetta“ immer größer und mitreißender – das Finale ist (trotz der dicken Portion Schmalz in den letzten Minuten, die nicht Not getan hätte) ein Adrenalinrausch und zwischenzeitlich ist man sich nicht sicher wen man eigentlich trauen kann und wem nicht. Diese sehr gut ausbalancierte wendungsreiche Story stammt aus der Feder des Graphic Novel Virtuosen Alan Moore, der schon die Vorlagen für „From Hell“ und „Die Liga der Außergewöhnlichen Gentleman“ (ja, der Film ist mäßig – aber das Comic ist grandios) lieferte und uns demnächst auch mit „Watchmen“ beglücken wird; er hat mit „V für Vendetta“ den bisher würdigsten Vertreter seiner Werke gefunden – dafür lohnt sich selbst ein Kahlkopf!.

Wertung 4,5/5 [cube5]

C. Dobbitsch