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Ein Quantum Trost
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Ein Quantum Trost

er Neustart der James Bond-Reihe mit „Casino Royale“ (2006) wurde sowohl von Fans als auch von 007-Neulingen positiv aufgenommen und nach zwei Jahren Wartezeit kehrt der berühmteste Geheimagent der Welt nun zurück. Der neue Bond soll böser, schneller und ausgefeilter sein, als seine 21 Brüder und eigentlich hatte der letzte Film (samt Cliffhanger) eine Steilvorlage geliefert, um all diese hohen Erwartungen zu erfüllen.

Bond bleibt anders, bleibt gleich

James Bond ist eine feste Instanz der heutigen Popkultur: man kennt seine Agentennummer, man weiß wie er seine Martinis mag und sogar die Art wie er sich anderen vorstellt sagt jedem etwas. Er ist eben Bond, James Bond – und er hatte dringend eine Generalüberholung nötig! Nach 20 Geheimagenten-Filmen, die meist (wenn auch nicht immer) etwas überdreht, kunterbunt und teilweise auch albern waren, krempelte „Casino Royale“ das Image des Kultagenten gehörig um. Daniel Craig beerbte Pierce Brosnan und 007 wurde härter und realistischer denn je. Der neue Film „Ein Quantum Trost“ möchte diese Linie natürlich fortführen, vollführt aber einen recht eigenen Spagat zwischen Tradition und Innovation. Neu ist, dass der Film direkt an seinen Vorgänger anknüpft und sich anschickt die losen Storystränge, die „Casino Royale“ hinterließ, zu einem Ende zu bringen. Auch der berühmte Martinisatz und „mein Name ist Bond…“ sind im Film nicht zu hören. Traditionsgemäß gibt es aber wieder schnelle Autos wie lässige Sprüche und sogar der alte Pistolenlauf-Gang, bei dem James am Ende in die Kamera schießt, wurde wieder aufgegriffen. Eigenartige Brücken zu den älteren Bondteilen werden jedoch auch geschlagen – besonders auffällig, dass die sexy Bürokraft mit dem Namen Strawberry Fields einen eigenen Handlungsstrang bekommt, in welchem sie Mr. Bond billig verfällt… ganz in der Tradition der ersten Filme. Der neue Bond will also scheinbar einen Schritt vor und gleichzeitig einige Schritte zurück machen; leider ist nicht ganz klar, wo das hinführen könnte.

Rache rund um die Welt – die Story

Schnelle Autos waren schon immer Visitenkarte der Bond-Filme und um dieses Merkmal zu unterstreichen, startet das „Quantum Trost“ auch direkt mit einer wilden Verfolgungsjagd am Gardasee, bei der Menschen wie Maschinen konsequent demoliert werden. Gemäß des 007-Schemas beginnt nach dieser Einstimmung mit Action die Titelsequenz – wie gewohnt beeindruckend und psychedelisch. So weit, so gut. Der Film geht auch recht konsequent in medias res; wir erinnern uns, dass Mister Bond (Daniel Craig) das letzte Mal seine Herzdame verlor und sich dann auf den Weg machte um die Schuldigen zur Rede zu stellen… oder etwas mehr. Genau hier setzt „Ein Quantum Trost“ ein: James findet zusammen mit seiner Vorgesetzten M (Judi Dench) heraus, dass ein ominöses Verbrechersyndikat schon seit Jahren unbemerkt finstere Machenschaften vorantreibt. Die heißeste Spur in den Kern dieser Verschwörung scheint der Öko-Wohltäter Dominic Greene (Mathieu Amalric) zu sein, der aus unerfindlichen Gründen gerade massenhaft wertloses Land in Bolivien aufkauft und im Gegenzug einem neuen Militärregime unter die Arme greift. Da Bond jedoch eine Spur von Leichen auf seinem Weg der Rache hinterlässt, wird er bald von seinem eigenen Geheimdienst fallen gelassen und arbeitet auf eigene Faust weiter. Naja, fast auf eigene Faust zumindest, denn da ist ja noch die rassige Camille (Olga Kurylenko), die ihren ganz eigenen Kreuzzug der Vergeltung führt. Auf dem Weg zum großen Showdown in der bolivianischen Wüste prügelt, schleicht und rennt Mr. Bond sich unter anderem durch ein Pferderennen in Siena und eine Oper in Bregenz und beweist somit mal wieder eine sehr ansprechende Wahl an stilvollen Reisezielen. Leider bringen diese Postkartenmotive die Story nicht wirklich auf Kurs, sondern unterfüttern das lose Konstrukt eher mit der nötigen Action – eine ausgefeilte Geschichte scheint zwar zeitweise durch, steht aber leider nicht im Vordergrund. Tragisch, da doch Autorengenie Paul Haggis (u.a. „Million Dollar Baby“, „Crash“) das Buch schrieb. Angeblich wurde selbiges nur zwei Stunden vor dem Streik der Drehbuchschreiber fertiggestellt; eine Hetze, die man dem Film anmerkt.

Britischer Charme in Blechlawinen – Schauspiel und Technik

Daniel Craig selbst sagte schon in einem Interview, dass man es beim „Quantum Trost“ nicht mit einer tiefgründigen Charakterstudie zu tun hat, sondern eben einfach mit einem James Bond-Film. Daher ist es weniger Aufgabe der Schauspieler, komplexe Personen darzustellen, sondern eher in den wenigen Momenten auf der Leinwand ihr ganzes Charisma auszupacken, so dass man zumindest den Eindruck bekommt, es mit echten Menschen zu tun zu haben – und nicht nur mit Statisten eines Actionfeuerwerks. Daniel Craig war und ist eine gute Wahl als James Bond und gibt sich knallhart, saucool und kantig. Als Bond-Girl an seiner Seite schlägt sich Olga Kurylenko recht anständig, denn auch wenn sie vergleichsweise wenig Raum im Film einnimmt, weiß sie sich in Szene zu setzen und auch die ruhigen Momente mit ihrer Bildschirmpräsenz zu füllen. Trotzdem bleibt die Figur leider nur eine Fußnote in James' Rachegeschichte und dient oft genug eher als Accessoire zur Bereicherung der Szene oder einfach nur als Augenweide. Einen klaren Daumen nach oben gibt es für Mathieu Amalric, der trotz des Mangels einer Bond-Bösewicht typischen Entstellung einen wirklich beängstigenden Schurken abgibt. Der Rest des Ensembles ist solide, aber eben zu selten zu sehen um wirklich zu glänzen.

Im Regiestuhl hat diesmal der eher actionunerfahrene Marc Forster („Finding Neverland“, „Stranger than Fiction“) Platz genommen. Er beweist ein recht gutes Händchen für die Inszenierung der opulenten Schauplätze, schießt aber bei den vielen, vielen Verfolgungssequenzen etwas über das Ziel hinaus – egal ob zu Land, zu Wasser oder in der Luft. Der Film ergötzt sich nämlich geradezu in Parallelmontagen (Pferderennen/Verfolgungsjagd, Tosca/Verfolgungsjagd, etc.) und die meisten davon sind schnell und nah geschnitten, so dass man nicht immer ganz folgen kann. Ist zu verschmerzen, weil die Situationen oft simpel genug sind um intuitiv zu verstehen, was vor sich geht. Trotzdem weicht der Adrenalinrausch teilweise einem Verwirrungsgefühl – auch, wenn die Kameraarbeit in manchen Stuntmomenten schlichtweg beeindruckend ist. Positib hervorzuheben ist, dass (für Hollywood untypisch) relativ wenig explodiert. Es wird eine Menge verschrottet, zerbrochen und demoliert, aber erst in der Finalphase packt Forster das große Feuerwerk aus und entfaltet dadurch auch die richtige Wirkung.

Fazit

Eigentlich hatte „Ein Quantum Trost“ die besten Voraussetzungen ein phänomenaler Film zu werden, bei all den guten Ansätzen, die in „Casino Royale“ vorbereitet wurden. Leider geht der Film aber keinen Schritt nach vorne, sondern es scheint alles zu stagnieren. Die Story ist nicht ausgereifter als beim Vorgänger, sondern eher dünner, die Actionsequenzen sind zwar gut, aber setzen keine Maßstäbe und der raue Unterton des Bond-Reboots wird leider nicht intensiviert. Wie viel man aus einem Serienneustart (und dessen Fortsetzungen) machen kann, hat Christopher Nolan ja mit Batman gezeigt, aber die neue Bondreihe scheint sich nach einem viel versprechenden Start nicht wirklich nach vorne zu trauen. „Ein Quantum Trost“ bleibt ein solider Action-/Agentenfilm, der vielleicht ein Quantum schlechter ist als sein Vorgänger, aber mit Konkurrenten wie „Mission: Impossible“ und der „Bourne“-Reihe mithalten kann – leider ohne sie zu übertreffen.

C. Dobbitsch