icolas Cage vereint in der imaginären Person des Yuri Orlov die Lebensläufe von fünf real existierenden Waffenhändlern – um diese Biographien mit Aktualität zu würzen ging das Filmteam mit noch aktiven „Gunrunnern“ auf Tour und wirft einen mehr als kritischen Blick auf Krieg und Politik – kein Wunder, dass man in den Vereinigten Staaten keine Geldgeber fand und den Film mit europäischen Mitteln finanzieren musste…
Der Sohn eines afrikanischen Diktators hätte gerne „die Waffe von Rambo“ – kein Problem für Yuri Orlov (Nicholas Cage) er möchte nur wissen ob es die aus Teil eins, zwei oder drei sein soll. Die moralische Scheidewand, an der sich Waffenhändler aufhalten ist, wie wir alle wissen, hauchdünn; Natürlich bringen sie keine Menschen um – sie liefern nur die Werkzeuge, was danach passiert gehört nicht mehr zum Geschäft. Selbstverständlich ist das schändlich – aber irgendjemand liefert immer… also warum nicht selbst kassieren, statt anderen dabei zuzusehen?
Diese sehr zweifelhaften Lebensansichten macht sich der junge Yuri schon früh zu Eigen und startet seine Karriere mit dem verkauf kleinerer Handfeuerwaffen in den ärmeren Schichten des ukrainischen Ghettos, das er seine Heimat nennt. Zusammen mit seinem Bruder Vitaly (Jared Leto), in dem wesentlich mehr Zweifel zu keimen scheinen, schlägt er sich die Tage um die Ohren in der Hoffnung irgendwann für sich selbst und seine Familie eine besseres Leben ermöglichen zu können.
Größtes Vorbild in Yuris zwielichtigen Welt der Halblegalitäten ist Waffenhändler Urgestein Simeon Weisz (Ian Holm), der in einer Liga spielt von der Yuri als Newcomer nur Träumen kann – keiner von beiden ahnt, dass beide im weiteren Verlauf ihres Lebens statt zu Partnern zu erbitterten Feinden werden… aber davon ist beim ersten Treffen (auf einer Waffenmesse) bei dem Weisz Orlov auf seinen Platz verweist noch nicht viel zu spüren.
Über das Thema „erbitterte Feinde“ könnte Yuri am Ende seines Lebens auch eine Menge erzählen, da ihn natürlich nicht nur die Geschäftskonkurrenz und die Kunden (meistens Diktatoren die auf Bürgerkrieg aus sind) das Leben schwer machen sondern auch das F.B.I am liebsten seinen Kopf auf einem Silbertablett serviert bekommen würde – erbittertster Jäger auf den Seiten der Gesetzeshüter ist der junge Agent Jack Valentine (Ethan Hawke hat hier unter einer Rolle zu leiden, die offensichtlich zu flach für ihn ist), der über die Jahre gerade zu besessen von der Idee wird Orlov zur Strecke zu bringen.
All diese Probleme sind schon schwerwiegend genug, doch dann ist da ja natürlich auch noch Yuris Ehefrau samt Kind, vor denen der Schein eines intakten Familienlebens mit regulären Geldeinnahmequellen bewahrt werden muss. Langsam aber sicher wachsen die Dinge Yuri über den Kopf und ohne es wirklich zu wollen hinterlässt er eine Schneise von Tod und Vernichtung überall wo er auftaucht – und sein Verkaufsgebiet ist wirklich sehr global.
Lord of War lebt über lange Strecken von seiner sehr individuellen Herangehensweise an das Thema des Waffenhandels – die Beginn des Filmes (der durchaus einer der stimmigsten ist, die seit langem im Kino zu sehen war) gibt schon den Takt vor; wir sehen Nicholas Cage alias Yuri Orlov wie einen Ritter von trauriger Gestalt in einem Meer aus Patronenhülsen stehen und eine Ansprache über den aktuellen Stand der Bewaffnung der Weltbevölkerung halten. Tatsächlich ist es so dass jeder zwölfte Mensch auf diesen Planeten eine Waffe besitzt, hieraus ergibt sich die für Yuri sehr wichtige Frage; wie bewaffnet man die anderen elf? Daraufhin verfolgen wir das Leben einer Patrone von der Pressung bis zum Todesschuss – schockierend auf eine banale Weise, todernst und höllisch ironisch zugleich; ein Stilmix, der einem den Film durchaus schmackhaft zu machen weiß.
Gerade bei einer so sensiblen Thematik wie den Waffenhandel wäre der eine oder andere Regisseur sicherlich versucht an diversen Stelle die schmalztriefenden Moralkeule auszupacken – nicht jedoch Andrew Niccol, der zwar nicht an Ernsthaftigkeit spart, das Grauen jedoch auf eine angenehm subtile Weise an den Mann bringt ohne seine Wirkung zu verhelfen. Traurigerweise scheint das gesamte Feingefühl des Regisseurs in diesen Aspekt der Geschichte geflossen zu sein und so bleiben die menschlichen Dilemma und Frau, Familie und Freunde auf einem eher zweidimensionalen Niveau. Oft werden Klischees bedient und eine gewisse Berechenbarkeit (die nicht immer negativ ist) stellt sich ein. Leider werden aufgrund dieser Tatsache auch die meisten der Schauspieler generell unterfordert; Ethan Hawke wurde bereits erwähnt aber auch von Jared Leto (Fight Club, Requiem for a dream) und Ian Holm (Herr der Ringe, Alien) ist man eigentlich besseres gewohnt, denn obwohl sie ihre Figuren zwar komplett ausfüllen gibt es leider nicht viel das es sich dort zu füllen lohnt. Lediglich Nicholas Cage brilliert mit einer facettenreichen Performance.
Durch diese traurigen Einschränkungen verfehlt es der Film leider auch einen wirklichen Höhepunkt zu bieten sondern weiß es durch einen interessanten Einblick in das Leben eines Mannes mit einem zweifelhaften Berufsstand kontinuierlich Spannung zu erzeugen ohne ein Peak zu benötigen. „Lord of War“ hat für das Leben eines Waffenhändlers das geleistet was Scorsesees „Goodfellas“ (ebenfalls auf wahren Begebenheiten beruhend) für das Leben eines Mafiosi geleistet hat – die wenigen Fehler die sich dabei geleistet wurden sind Verzeihlich. Dennoch verhindern gerade diese kleinen Störungen dass aus einem wirklich sehr guten Film ein echter Klassiker wird.
||| Wertung 4/5||| [cube4]











