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Saw III
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Saw III

as kostet Vergebung?

Nach gerade einmal einem knappen Jahr Abstinenz mordet Jigsaw erneut mit perfiden Tests und überschreitet damit beinahe die Grenze zur Geschmacklosigkeit.

2006 brachte Darren Lynn Bousman mit Saw II die erste Fortsetzung des Kinoerfolges Saw I. Seiner Tätigkeit als Autor des Drehbuches ist es wohl zu verdanken, dass eben dieser Teil bei Weitem nicht an die Qualität und den Schockmoment des ersten Teils heranreichte. Zum Glück besann sich Darren Lynn Bousman beim dritten Teil eines besseren und ließ James Wan, der bereits das Drehbuch für Teil I schrieb, erneut die Feder schwingen. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass der aktuelle Teil - zum Glück - wesentlich spannender und storytechnisch ausgereifter wirkt, trotz einiger Unschlüssigkeiten.



Wie für Filme des Horrorgenres typisch, fängt auch Saw III direkt mit zwei kurz aufeinander folgenden Schockszenen an. In diesen wird deutlich, dass Amanda (Jigsaws Komplizin seit Teil II, davor selbst Opfer in Teil I), die inzwischen für Jigsaw auf Opferjagd geht und die Fallen entwickelt, wesentlich skrupelloser und brutaler zu Werke geht als ihr Mentor. Während Jigsaws Fallen dazu dienten, die Opfer und deren Überlebenswillen zu testen, steht bei Amanda die Exekution im Vordergrund. Den Opfern wird keine Chance zur Flucht gelassen, selbst bei erfolgreicher Befreiung bleibt der Exitus unausweichlich. Direkt zu Beginn des Filmes wird zur Einstimmung erstmal ein unbekanntes Opfer fürs Publikum geschlachtet. Der Polizistin Kerry (bekannt aus Teil II) fällt am Tatort die zu geschweißte Tür auf, die deutlich macht, dass es für das Opfer keinen Ausweg gegeben hätte und der Mörder also unmöglich Jigsaw selbst gewesen sein kann. Dass Kerry mit ihrer Vermutung richtig liegt, bekommt sie wenige Szenen später am eigenen Leib zu spüren. Apropos Polizei, die hält sich übrigens bereits nach dem ersten Opfer dezent aus der Sache raus, soll heißen, sie tritt nicht mehr in Erscheinung, trotz eines Mordes und dem darauf folgenden Tod von Kerry. Jaja, die Polizei, dein Freund und Helfer.
In ordentlicher Metzgermanier geht es dann die restlichen 100 Minuten konstant weiter. Das letzte Spiel, das der krebskranke Jigsaw vor seinem Ableben unbedingt noch spielen will, involviert zum einen Jeff. Dieser vegetiert seit dem Tod seines Sohnes nur noch vor sich hin und muss nun in den einzelnen Aufgaben über Leben und Tod der Zeugin, des Richters und des Autofahrers, der seinen Sohn überfahren hat, entscheiden. Kann Jeff den Tod seines Sohnes hinter sich lassen und vergeben?
Ebenfalls unfreiwillig am Spiel teilgenommen hat die Ärztin und noch Ehefrau von Jeff, Lynn. Sie wird im Versteck von Jigsaw festgehalten und muss diesen bis zum Ende des Spieles am Leben halten. Besonders schick: Um das Gehirn vom Druck zu entlasten, den ein Tumor darauf ausübt, muss Lynn John ein Stück Schädelplatte entfernen. In dieser Szene wird viel Durchhaltevermögen vom Publikum gefordert, da die Szene stark an Lehrvideos für zukünftige Chirurgen erinnert. Demnächst können wir dann solche Eingriffe problemlos auch zu Hause an uns vornehmen, dank des Films. Übrigens für Spitzfindige: Es hat sich ein Fehler in der Szene eingeschlichen.


Saw III setzt konsequent fort, was Saw I und II seinerzeit ins Rollen brachten. Der Fokus liegt weiterhin auf dem Schockieren des Publikums, allerdings hat sich das Wie, also die Art, wie schockiert wird, verschoben. Während Teil I vor allem für seinen Psychohorror gefeiert wurde, z.B. die schnellen Cut-Szenen oder die ekelhafte Schweinemaske (diese taucht in Teil III leider zu häufig auf), liegt das Hauptaugenmerk des dritten Teils leider nur noch auf Gewalt und deren Darstellung. Dieser Exhibitionismus der Gewalt und der einhergehende Voyeurismus des gore-geilen Publikums scheinen tatsächlich im Trend zu liegen, tatsächlich wäre der Film noch vor weniger als zehn Jahren schon für die ersten fünf Minuten auf dem Index gelandet oder um die Hälfte gekürzt worden. Nein, ich bin kein Verfechter der FSK und ich bin auch kein Grundschullehrer, aber teilweise schießt der Film schon etwas über das Ziel hinaus. Durch die explizite Gewaltdarstellung rückt der Schockmoment ein wenig in den Hintergrund. Manchmal ist weniger eben mehr!

Schade, im Grunde macht Saw III als Abschluss einer Trilogie alles richtig. Mit Hilfe von Flashbacks werden Verständnislücken gefüllt, die Teil I und II hinterlassen haben und nach und nach fügen sich die einzelnen Puzzlestücke zu einem großen Gesamtkonzept. Außerdem macht Teil III wieder wett, was Teil II an Handlungsschwächen eingebüßt hat. Leider lässt die letzte Szene es vermuten, inzwischen ist es bestätigt: Teil IV wird folgen!

Ein Kinobesuch lohnt sich, nicht nur für Fans der Vorgänger oder des Horrorgenres. Wer sich im Dunkeln nicht fürchtet und sich mit der menschlichen Anatomie auskennt, wird bei Saw III bestens unterhalten. Der dritte ist vielleicht nicht der beste, aber bestimmt nicht der schlechteste Teil.

USA 2006
FSK: ab 18
$12 Mio. Budget

Regie: Darren Lynn Bousman
Drehbuch: James Wan
Cast: Tobin Bell – Jigsaw/ John
Shawnee Smith – Amanda
Angus Macfadyen – Jeff
Bahar Soomekh – Lynn

A. Kraft