etzt ist es noch knapp eine Woche bis zum siebten Immergut-Rocken Festival und so langsam beginnt die Unruhe. Ich bin zum dritten Mal in Folge dabei und reise wie immer mit dem Zug an. Achja - die Anreise. Das war immer eine Geschichte für sich.
Man fährt ja immer mit dem Zug zum Immergut. Das schont die Umwelt und Zugfahren ist auch irgendwie geiler. Weil die Anreise aus Göttingen aber so verflixt umständlich ist und die Ländertickets erst ab 9h gelten, haben wir uns erst ins Auto gesetzt, eine Teilstrecke zurückgelegt und sind dann in die Züge eingestiegen. Etwas verrückt diese kleine Odyssee, die mir spätestens in Berlin den Titel “Heinrich der Navigator” einbrachte. Aber es lohnt sich, denn hier nimmt man ein paar Mühen immer in Kauf: Der Pendelzug zum Festivalgelände ist eine alte Dampflok, ein schöner, nostalgischer Moment.
Anders war es 2005 - da waren wir schon in der Uni eingeschrieben und konnten mit dem Semesterticket durch ganz Niedersachsen kreuzen. Um möglichst viel des Weges zu sparen fuhren wir über Hamburg - was Folgen hatte. Dort stiegen wir in einen kleinen Bummelzug ein, der uns über Ludwigslust (dafür benutzte einer der Reisenden wirklich die Abkürzung “Lulu”) nach Neustrelitz, Heimat des Immerguten, bringen sollte. Es war unglaublich: An jedem Dorf schien der Zug zu halten, die komischsten Namen, gar nix los. Und plötzlich hält er an. Wir sitzen direkt hinter dem Zugführercockpit. Nach einem kurzen Zögern springt der Zugführer aus dem Zug, murmelt noch auf dem Gang, das er wegen eines Notfalls halten müsse. Wir rätseln, machen kleine Witzchen, ob denn da jetzt Kühe auf dem Weg stehen oder was. Doch dann kommt er wieder rein und telefoniert, meldet eine Person im Gleis, die er zum Glück nicht angefahren hatte: Sie war von einer Brücke ins falsche Gleis gesprungen/gefallen. Boah. Die Stimmung sinkt auf gefühlte 273°C minus. Im Endeffekt hat es der Mann wohl überlebt, auch das Gaffen der Mitreisenden - aber nach unseren Witzchen fühlen wir uns mit den Bieren in der Hand ziemlich mies. Es muss aber gesagt sein, dass ebendiese Stimmung sich spätestens fünf Stunden später, als Maximo Park mich begeistern, absolut entspannt. Und ich bin dann entspannter als sonst.
Nun, viel wird geredet über den “strukturschwachen Osten”. Da ist das Festival eine kleine Oase, die Möglichkeit einer Insel. Nette Menschen, gute Stimmung. Keine Anonymität, wie sie die großen Festivals ausstrahlen, die Tickets sind auf 5000 Stück limitiert. Natürlich könnten sie mehr verkaufen, aber das will ja keiner. Der Preis ist allerdings diesmal schon happiger als sonst: 34 € zzgl. Vorverkauf. Aber die Leute kaufen hier immer schon lange, bevor das Line-Up steht. Denn gut wird es immer.
Bester Beweis dafür ist das Wetter: Meteorologen sollten mal untersuchen, ob die Gegend um Neustrelitz nicht ein klimatisches “Loch” oder so ist, denn wie kann es denn sonst sein, das da jedesmal die Sonne scheint? Letztes Jahr war es so heiß, dass ein Mitfahrer mit seiner fliehenden Stirn fast einen Sonnenstich bekommen hätte. Aber: Am Samstag versprechen die umliegenden Seen Abkühlung. Ist super, wenn man sich nach einer durchgefeierten Nacht bei lockerem Fußball, Baden und Wohlsein erholen kann. Und dann gehts wieder zurück und ins Getümmel.
Dieses Jahr freut man sich besonders über die Yeah Yeah Yeahs, Art Brut, Blumfeld, Tomte und Broken Social Scene. Das Letztere bereits 2005 beim Festival waren, scheint keinen zu stören. Da lass ich mich auch nicht lumpen und ziehe mir noch einmal das ehemalige Spex-Album des Monats, selbstbetitelt, rein. Bei Blumfeld will ich lauthals mitsingen, wenn der Lobgesang auf die “Tiere um uns” ertönt und bei den Yeah Yeah Yeahs und Art Brut muss man sich ja gar nicht vorbereiten, die machen schon mit dem Publikum was sie wollen.
Die kleinere Früchte auf diesem Kuchen sind dann Bands wie The Appleseed Cast, Klez.e, Jason Collett, Okkervil River, Mew und Feist. Deutlich zu spüren ist die diesjähre Ausrichtung an kanadischen Bands - ich zähle gleich vier Gruppen, Jason Collett und Feist bilden zwei davon. Die Dänen Mew haben es mir besonders angetan, sie machen es wie The Appleseed Cast, Okkervil River und Pale und umgarnen mich rotzend mit blutigem Emosound, der sich, äh, gewaschen hat.
Auch die Exklusivitäten gibt es dieses Jahr wieder beim Immergut: Ebenso wie Die Regierung spielen die Flowerpornoes ihr erstes Konzert nach zehn Jahren Abstinenz. Sind für mich zwar leere Blätter, kann aber auch nicht schaden, wenn man sich mal von den älteren Herrschaften was zeigen lässt. Nachts übrigens gibt es zwei besondere Sterne: Phantom/Ghost und Gregor Samsa haben den perfekten Soundtrack, um den Freitagabend abzurunden. Erstere bedienen sich elektronischerer, letztere post-rockigerer Elemente. Und danach kann man mit den DJs vom Karreraclub bzw. der Spex noch das letzte aus sich rausholen.
Bald werde ich also packen. Wer schläft bei wem im Zelt, welches Bier nehme ich mit, habe ich genug Geld dabei um mal beim Merchandise-Stand vorbei zu schauen, muss man vom Westerneintopf wirklich früher und intensiver die Dixieklos besuchen als bei anderen Fertiggerichten, etc. Dann wird das Kribbeln kommen und ich kann wieder nicht einschlafen. Vorfreude. Aufregung. Es wird wieder gut!










