as Open Flair im Nordhessischen ist ja doch schon ein wenig besonders. Einen kurzen Moment habe ich überlegt, ob ich „sonderlich“ schreiben soll, aber ich bin dem Festival, das im August 2006 zum 22. Mal stattfindet, doch eigentlich wohl gesonnen, was ich dann ja auch schon mal vorwegnehme.
Auch wenn es vielleicht dem einen oder anderen Leser reichen würde, wenn ich nur fix die Headliner niederschreibe, will ich doch ein kleines wenig weiter ausholen.
Ich glaube der eingangs eingeworfene Begriff „sonderlich“ sollte noch kurz erläutert werden. Lange Jahre war das Open-Flair ein ziemlich (ziemlich!) buntes Festival. Bands aus allen möglichen und unmöglichen Bereichen gaben sich die Klinke, vielmehr das Mikrophon in die Hand und so war es absolut normal, dass Blackmetal-Bands, Hip-Hop-Combos, Raggae- und Pop-Stars und Punkrocker am gleichen Wochenende auf den gleichen Bühnen standen. Hinzu kam noch der bis heute bestehende Bereich Comedy und Kleinkunst. Der bunte Mix lockte früher in erster Linie Jung und Alt aus der Region auf das sogenannte „Werdchen“, einer Insel in der Werra, und auf angenehme Weise war das Publikum dem Angebot entsprechend wunderbar heterogen.Das ist nun ein wenig anders. Das Konzept hat sich etwas geändert: Die Extreme in der musikalischen Bandbreite sind etwas zurückgefahren worden, dafür setzt man auf Musik, die niemanden vergrault, was sich auch positiv auf die Besucherzahlen und die Finanzlage des Festivals ausgewirkt hat. Leider, so finde ich, ist aber auch das Publikum weniger interessant geworden, sodass man auf dem Gelände keine 2,30 m großen Metal-Hünen mehr findet und auch nur noch wenige Marihuana-Leichen in Baggiepants vor den Dixie-Klos liegen.
Allerdings komme ich auch nicht umhin dem Open-Flair e.V., der mithilfe ehrenamtlichen Engagements für die Organisation des Festivals verantwortlich ist, einen teilweise sehr netten Musikgeschmack zu attestieren. Womit wir dann auch beim Line-Up wären. Vorher noch kurzer Einschub: Schön ist auf jeden Fall auch, dass sich die Flair-Organisatoren für die Verträglichkeit des Festivaltreibens mit der Natur einsetzen, wozu sogar im letzten Jahr eine Evaluation inklusive Umfragen bei den Besuchern durchgeführt worden ist. Jetzt aber das Line-Up.
Zunächst ist „Seeed“ zu nennen, nicht zuletzt, weil man diesen Dancehall/Reggae-Fürsten wohl nicht großartig vorstellen braucht – die Hauptstädter sind einfach formidabel, gerade live.
„Culcha Candela“ könnten sich im Grunde einen Bus nach Eschwege mit „Seeed“ teilen. Die kommen nämlich auch aus Berlin, außerdem ist deren Musik der von „Seeed“ nicht gänzlich unähnlich. Also müssten die sich in einem gemeinsamen Bus gar nicht groß streiten, was sie so für Musik hören wollen. Von den Hip-Hop-Exkursen des Kollektives „Culcha Candela“ abgesehen, passen die im Grunde auch ganz gut in die Reggae-Ragga-Dancehall-Schublade. Ihr Sound ist allerdings doch ne Ecke „freundlicher“, wenn ich das mal so sagen darf. Und verflucht geil, das wollte ich auch noch loswerden.
Ein bisschen traditioneller werden es „La Vela Puerca“ aus Uruguay angehen lassen, die von freundlichen Reggae-Tunes bis anheizenden Ska-Rock-Stücken schon was zu bieten haben.
Mit diesen 3 Acts ist also schon mal ein ziemliches Brett am Start und wenn dann auch noch im August die Sonne scheint (was nicht immer so war), kann das wirklich ein duftes Sommer-Spektakel werden.
„Donots“, „Die Happy“ und „Revolverheld“ sind wohl eher was für die jüngere Generation und sollen vermutlich auch in erster Linie was für die Masse sein, als für den versierten Musikkenner. Wenngleich natürlich die Livequalitäten der „Donots“ unbestritten sind.
In die gleiche Richtung geht’s auch bei „Christina Stürmer“. Angenehm, gut produzierte Pop-Musik mit Einflüssen aus Rock, Punk und Ska mit deutschen Texten. Allerdings schon massentauglich und die Tatsache, dass sie einst die „Sportfreunde Stiller“ coverte, hat leider auch eine gewissen Aussagekraft.
Ein deutscher großer Act ist auf jeden Fall noch „Tomte“. Freunde der Hamburger Band hatten allerdings schon bei der umfangreichen Deutschland-Tour, die immer noch andauert, die Gelegenheit die „Hamburger Schüler“ live zu sehen. Dennoch ein großer Name und das aktuelle Album „Buchstaben über Stadt“ erfreut sich ja auch immer noch einer gewissen Beliebtheit.
Ferner sind „Die Schröders“ bestimmt schon zum dritten Mal am Start, auch wenn sie seit Jahren keinen Hit mehr geliefert haben. Aber „Frösche weinen nie“, „Lass uns schmutzig Liebe machen“ und das Funny van Dannen-Cover „Saufen Saufen Saufen“ finden ja eh immer ausreichend bierbenetzte Kehlen, die mitgrölen.
Namhafte internationale Künstler, die dem Festival aktiv beizuwohnen gedenken, sind außerdem „Millencollin“, die schon vor Jahren der Skatepunk in Europa groß gemacht haben und „The Bloodhound Gang“, die ja aber irgendwie eh überall in Deutschland spielen und auch gar nicht mehr so der Burner sind wie zu „Along comes Mary“-Zeiten. Beides aber im Grunde Bands, die live immer für eine schweißtreibende Performance zu haben sind.
Härteren Stoff gibt’s noch von „Julia“ aus Österreich, die sich moderater Rockmusik bedienen um ihren Gedanken Ausdruck zu verleihen.
Einige weitere Künstler gibt’s natürlich auch noch zu bestaunen und ab und zu trudeln auch noch mal neue Namen ein. Also vielleicht hat das Flair ja noch ein Ass im Ärmel – man darf gespannt sein! Gerade im Kleinkunstbereich stehen neben „Alfons“, bekannt als Extra3-Franzose mit Puschelmikrophon, noch nicht viele Namen fest. Und nebenbei gesagt: Infos diesbezüglich gibt’s auf open-flair.de (http://www.open-flair.de).
Hah! Ihr dachtet wohl ich vergesse die Flair-Band Nr. 1, wa? Weit gefehlt. Die „Monsters of Liedermaching“ sind definitiv ein Schmankerl. Dieses Hochunterhaltsame Liedermacher-Kollektiv tritt zum dritten Mal beim Flair auf und auch wenn ich ihre Konzerte bislang ausschließlich in sternhagelvollem Zustand erlebt habe, haben sie mich immer wieder vom Hocker gehauen. Und das ging mir nicht nur mir so, sondern auch ganz vielen anderen. Und dies waren auch die Momente wo der alte Geist vom Flair des letzten Jahrhunderts noch mal aufgeflackert ist und dies Jahr wieder aufflackern wird. Freut euch drauf!
Dauerkarte: 52 EUR










