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Popkomm-Festival 2007
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Popkomm-Festival 2007

onfrontiert mit unendlich viel Werbung fragt sich der gemeine Berliner mitunter: „Was soll das mit der Popkomm überhaupt?“ und: „Was hab ich von dem Scheiß?“. So doof die Frage klingt, so berechtigt ist sie gleichzeitig. Die Antwort liegt fernab des hässlichen Messegeländes in schönen Clubs, in denen sich Labels wie Gigolo Records, !K7 oder Get Physical zu einer Leistungsshow hinreißen lassen.

Drei Nächte – drei Partys. Das war schön, aber hat uns auch schlicht und einfach an den Rand der körperlichen Belastbarkeit gebracht. Ende vom Lied: Die zwei anlässlich der Popkomm angereisten Starredakteure von Magagin haben Schnupfen und Halsweh, außerdem sind weitere Spätschäden an Leber und Lunge zu erwarten. Aber schön war’s!

19.09.2007: „Get Physical Pop Komm Special“ im Watergate

Ein wenig enttäuscht war ich ja schon, dass Get Physical auf den ersten Blick die Aushängeschilder des Labels wie Booka Shade, M.A.N.D.Y. oder Fuckpony zuhause gelassen hat. Nach nerviger Anreise nach Berlin, ersten Schritten auf der Messe, schon einigen Pullen Bier und ein paar Gin-Tonic wurden wir jedoch von DJ T. im Club sehr nett empfangen. Das etwas relaxtere Set war wirklich genau richtig um erstmal ein paar weitere Beck’s zu trinken und den wunderschönen Club an der Spree zu beschnuppern. Stefan Eichinger alias Lopazz bescherte dann im Anschluss ebenfalls auf dem Mainfloor des Clubs eine mächtig wilde und vor allen Dingen extrem tanzbare Performance. Es war auch wirklich ganz erstaunlich wie gut Lopazz nachts um 3 Uhr noch mit Kippe und Bier in der Hand zu seinen Tunes singen konnte. Echt mal! Völlig erstaunlich.
Als im Anschluss Samim auflegte, waren wir dann auch leider weitestgehend entkräftet und so richtig viele Gründe doch noch zu bleiben, hat er dann irgendwie auch nicht geliefert. Insgesamt ein wirklich gelungener Auftakt vor sehr sympathischem Publikum.

20.09.2007: „!K7-Popkomm-Party” im 103 Club

Vorsätze wie „tagsüber nicht mehr so viel trinken“ sind schnell getroffen und nochviel schneller über Bord geworfen. So war es auch am Donnerstag. So machten wir uns entsprechend frohen Mutes auf zum 103 Club, den wir nicht lange suchen mussten, da er fast direkt neben dem Watergate, nicht ganz an der Spree liegt. !K7 war wirklich mit einer super Besetzung am Start und diese enttäuschte auch überhaupt nicht. Michael Fakesch bot eine absolut grandiose Show, die mit viel Groove und Funk den Club bouncen ließ. Dies war wirklich eines der allerbesten Live-Sets, die ich je gesehen hab. Dabei ist schon sehr erstaunlich mit welcher väterlichen Ruhe Fakesch performt – dagegen wirkt DJ Vadim ja schon fast hyperaktiv. Überaus gelungen war die gesangliche Unterstützung von Taprikk Sweezee, was echt mehr als eine bloße Ergänzung war, sondern die ganze Show nochmal um einiges lebendiger und auch optisch spannender gemacht hat.
Das Set von Henrik Schwarz war zwar etwas weniger spektakulär, dafür aber deutlich technoider und nicht ganz so funky – konnte aber natürlich trotzdem das Spaßlevel halten. Nur von Joakim waren wir ein bisschen enttäuscht. Nachdem seine letzte Platte „Monsters & Silly Songs“ schon ziemlich verrückt war, hatten wir uns auf eine unkonventionelle Performance gefreut. Pustekuchen! Bei der hochkarätigen Konkurrenz (und dazu noch auf der kleinen Bühne) wirkte seine Show leider etwas schmächtig.

21.09.2007: Berlin Gigolo Night” im 103 Club

Bereits stark angeschlagen schleppten wir uns ein zweites Mal in den 103 Club. Gott sei dank legte Seelenluft erstmal mit einem gemütlichen Live-Auftritt ein etwas moderateres Tempo vor, als uns später noch zugemutet werden sollte. Seelenluft brachte diesen Sommer seine erste Gigolo-Platte heraus und featurete da auch schon Florian Horwath. Klingt jetzt vielleicht etwas wild zusammengewürfelt, aber Seelenluft verfolgen eh einen etwas analogeren Ansatz als andere Artists des Labels. Schöner Gesang traf auf Grundlage warmer Electronica auf analogen Bass, wobei letzterer nicht ganz so virtuos bedient wurde – aber es war dennoch sehr angenehm mal wieder ein Musikinstrument zu sehen und zu hören.
Auf der großen Bühne versuchte sich Captain Commodore bereits daran das erwartungsvolle Publikum auf den uneingeschränkten Hauptact Hell vorzuwärmen. Dieser ließ auch überhaupt nicht auf sich warten und begann eine Show im Gegenteil sogar vor der eigentlich angekündigten Zeit. War das Publikum bis dahin noch versonnen damit beschäftigt den optimalen Alkoholpegel zu erreichen, der Enthemmung schenkt, aber noch keinen Kontrollverlust fordert, war ab der ersten Bassline der Club am kochen. Von Vorschusslorbeeren keine Spur – Hell zeigte genau das, wofür weltweit junge Menschen wegen ihm die Clubs einrennen: Ein orgiastischer Höllenritt in dem in jedem Beat maximale Action lag. Da merkt man, wieso Hells Künstlername gleichermaßen schlicht wie auch treffend ist. Während bei den vielen Acts, die wir in dieser Woche gesehen hatten, immer auch Teile von Sets etwas langweilig und monoton gewesen waren, brachte Hell totale Dynamik mit unheimlicher Spannung. Die bis dahin gehörten Sets wirkten hiergegen so dermaßen blass und schüchtern, dass die Vermutung wirklich nahe lag, Hell sei einen Pakt mit dem Teufel eingegangen – so diabolisch unwiderstehlich wirkten seine Tracks, denen sich einfach niemand entziehen konnte.

S. Krutzinna