iner der rar gesäten Gigs, die AaRON im Rahmen ihrer Deutschlandtour absolvieren, spielt sich in der ‚Fabrik’ in Hamburg, Altona ab. Schon beim Betreten der Location ist vor allem eins da: Atmosphäre.
Industriedesign mischt sich mit freigelegtem Fachwerk, viel Platz und doch ist alles überschaubar. Meinen Blick fängt unmittelbar die Bühne: Ein Flügel, ein Cello, ein iBook, ein paar Mikrophone. Eine Vorband wird es wohl, wie dieses Setup verrät, nicht geben. Sehr schleppend füllt sich die Halle, überwiegend mit elegant gekleideten älteren Semestern, die auch ganz bestimmt zu großen Teilen einen Magister Artium in Französisch in der Tasche haben. Hier wird wohl heute eher Rotwein genossen als Astra und eher stilvoll getanzt als gepogt.
Dabei zeigt sich schon sehr schnell nach AaRONs Betreten der Bühne, dass die beiden stattlichen Herren in Schwarz gar nicht so schnöde und steif sind wie sie aussehen. Nach dem Opener ‚Le Tunnel d’Or’, der noch ohne Lightshow komplett im Dunkeln absolviert wird, zeigen Simon Buret und Olivier Coursier was in ihnen und in ihren Songs steckt. Während sich Coursier die meiste Zeit konzentriert und virtuos dem Flügel widmet, ist Buret mit seiner kehligen, ausdrucksstarken Stimme der Mittelpunkt des Bühnengeschehens, wobei nicht nur seine Gesangsfähigkeiten überzeugen, sondern auch seine Performance: Seine Art zu tanzen, sich zu bewegen und das Publikum zu unterhalten. AaRON kommen sehr schüchtern daher, aber auch sehr glücklich darüber, es geschafft zu haben, ein deutsches Publikum zu überzeugen und in ihren Bann zu ziehen. Dazu trägt auch nicht weniger beträchtlich die Cellistin bei, die sich zwar im Hintergrund hält, ihrem Instrument aber alles entlockt, was noch fehlt, um den Sound perfekt zu machen. Die Verwendung elektronischer Beats und einiger Samples kontrastiert, aber ergänzt auch die klassischen Arrangements. Gut möglich, dass das für einen Teil des Publikums und Liebhaber des traditionellen Chansons zu laut und zu innovativ ist, AaRON zeigen damit aber, dass für sie unterschiedlichste Einflüsse wichtig sind, dass Genregrenzen bewusst gebrochen werden müssen, um dem eigenen Kunst- und Musikverständnis adäquat Ausdruck zu verleihen. Und dass sich dieses Kunstverständnis nicht nur in der Komposition der Tracks äußert, zeigt sich in den vielen Details, die an diesem Abend in Hamburg einfach stimmen, so zum Beispiel auch die Lightshow, die die Bühne mal düster und trüb, mal als flackerndes Kaminfeuer, aber auch mit schrillen Farbkontrasten präsentiert.
AaRON spielen ziemlich straight alle Songs ihres Debüts „Artificial Animals Riding On Neverland“ runter, wobei Dank kleiner Variationen und Improvisationen jedes Stück seine eigene besondere Note erhält. Da wird hier noch mal der Refrain drangehängt (“Lili”) oder das Publikum spontan zum a-capella-Mitsingen animiert (“Little Love”): „Don’t worry, life’s easy“ schallt es durch die Fabrik, erst schüchtern und verhalten, dann doch selbstbewusster. AaRON tragen ihr Set ohne Faux Pas und größere Pannen vor, auch die Cover-Songs von Björk und Billie Holiday sind in sich rund und stimmig. Ein ganz besonderer Moment ist die letzte Zugabe, in der AaRON sich an ein Stück von Leonard Cohen heranwagen und das Publikum in eine kalte Winternacht entführen…
In einer eben solchen finde ich mich kurze Zeit selbst wieder. Glücklich darüber, eine frühere Bahn nach Hause zu erwischen und glücklich über ein wunderschönes Konzert. Merci beaucoup.









