irekt an einer (für Kasseler Verhältnisse) stark befahrenen Straße liegt der Salon Elitär. Die Tore sind geöffnet. Noch - , denn das geneigte Publikum hat bereits Platz genommen. Der Raum ist ganz gut gefüllt, fast scheint es, als gäbe es eine imaginäre Anwesenheitsliste. Sind alle da? Dann können wir anfangen. Schon schließen sich die Türen. Schnell noch ein Bier gekauft. Vorhang auf, die Vorstellung kann beginnen.
Auf der Bühne, die nicht viel mehr als drei Quadratmeter Platz bietet, steht die Schwedin Bobby Baby alias Ellinor Blixt. Schüchtern versteckt sie sich hinter ihrem Mikrophon und einem Minikeyboard. Daneben: F.S. Blumm, der auf einem Klavierschemel Platz nimmt und nach der Hälfte des Konzerts um ein dickes Buch bittet, worauf er seinen Fuß beim Gitarrenspielen abstützen kann.
Bobby and Blumm haben am 4. April ihr Debüt bei Morr Music veröffentlicht. 13 Popsongs, die so still, zart und zerbrechlich sind, dass ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, wie dieses Album live performed werden kann. Der Trick mit den Stuhlreihen ist schon mal clever, um das Publikum zum Zuhören zu bringen. Reden verboten, am besten auch denken verboten. Die Songs auf „Everybody Loves“ sollen nicht zum Reflektieren anregen, schon gar nicht zum logisch-kausal- verknüpften Reflektieren. Aber träumen ist erlaubt…
Und tatsächlich: Als Bobby Baby im Opener beginnt, ein komisches Säckchen vor dem Mikrophon zu zerknautschen, habe ich schon das meiste um mich herum vergessen. Bobby and Blumm tragen ihre Songs ziemlich unspektakulär vor. Glockenhelles Gitarrenspiel, ab und zu ein paar Klänge des Keyboards, hin und wieder kommt eine Melodika zum Einsatz oder andere kleine Dinge, die knistern oder klingeln. Dazu eine Performance, die als solche nicht bezeichnet werden kann. Bobby steht da mit runterhängenden Armen in einem weiten schwarzen T-Shirt. Völlig teilnahmslos. Nur ihre schönen, schönen Augen bewegen sich. Und ihre Lippen. Und damit kriegt sie mich. Die Schwedin kann singen. Ihre zarte und absolut tonsichere Stimme erfüllt den Raum und drängt sich in die Herzen des Publikums. Und wenn dann noch Herr Blumm die zweite Stimme mehr andeutet als singt, dann könnte man fast meinen, man hätte die Kings of Convenience vor sich.
Bobby and Blumm spielen die Songs des Albums „Everybody Loves“ schnörkellos runter. Geredet wird nicht viel. Ein leises Danke, ein Verweis auf den CD-Verkauf an der Kasse. Das ist alles. Aber das Ganze funktioniert. Zwar gleicht die Show mehr einer Meditationsstunde als einem Konzert. Trotzdem ist all das wunderbar unangestrengt und leicht. Nach einer knappen Stunde gibt’s auch noch Zugaben, darunter ein Stück, das von einem Strommasten handelt.
Und ist nicht der Gedanke an einen Strommasten ideal, um ihn dem Publikum mit auf den Heimweg zu geben? Die Welt mal aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Hinaus geht’s in eine noch junge, milde Frühlingsnacht.







