hara Worden aka My Brightest Diamond hat gerade mit ihrem zweiten Album “A Thousand Shark’s Teeth” begeistert (zum Review (http://magagin.de/reviews/371)). Im Interview erklärt sie uns, wie mühsam die Platte entstanden ist, woher sie die Inspiration für ihre Songs nimmt und was sie an Musik wirklich bewegt.
Wann begannen die Aufnahmen zu “A Thousand Shark’s Teeth”?
Shara: Eine Woche bevor ich 2004 mit den Aufnahmen für “Bring Me The Workhorse” (Sharas Debütalbum, Anm. der Red.) anfing, hatte ich schon acht Songs mit einem Streich-Quartett eingespielt. Wir hatten erst vor, ein Doppelalbum zu veröffentlichen, haben uns aber zum Glück dagegen entschieden. Im Lauf der Zeit merkte ich, dass ich andere Klangfarben, andere Sounds wollte. Ich probierte verschiedene Techniken für die Streicher aus: Col legno (Spiel der Saiten mit der hölzernen Rückseite des Bogen, Anm. der Red.), Pizzicato (Zupfen der Saiten mit den Fingern), Coll'arco (Spiel mit der behaarten Seite des Bogens), Obertonschwingungen und so weiter, aber die Ergebnisse waren nicht so vielfältig wie ich dachte.
Also griff ich auf die ursprünglichen Aufnahmen zurück, nachdem ich von der Tour zu „Bring Me The Workhorse“ zurück gekommen war. Hinterher hatte ich ein riesiges Chaos von Aufnahmen und war mit keinem Arrangement so richtig glücklich.
Wie ging es dann weiter?
Shara: Letzten Sommer habe ich dann drei neue Sachen geschrieben und zum Schluss fast alles noch einmal neu aufgenommen, damit der Sound mehr aus einem Guss ist. So spiegelt er auch mehr meine gegenwärtigen Vorstellungen von Arrangements wider anstatt irgendwelchen alten Ideen treu zu bleiben. Die Streicher-Arrangements sind jetzt grundlegender. Während die Streicher auf dem ersten Album noch wie die Kerzen auf einer Torte funktionierten, sind diese Arrangements jetzt eher die Torte selbst.
Wer hat dich dabei beeinflusst?
Shara: Alle. Von Tom Waits bis Peter Gabriel zu Maurice Ravel; von Malern wie Vincent van Gogh und Anselm Kiefer; von dem Fotografen Robert Parke-Harrison; von dem Regisseur Pierre Jeunet; von Büchern wie “Alice im Wunderland” und “Hinter dem Nordwind”… Alle haben wohl einen beträchtlichen Teil zu dem Album beigetragen.
Wie kommen diese Geschichten in deine Songs?
Shara: Viele der Songs auf “A Thousand Shark’s Teeth” konzentrieren sich auf die Details zwischenmenschlicher Beziehungen, die sich im Makrokosmos widerspiegeln. Da ist auch diese Idee ganz ganz klein zu sein oder sehr groß, wie auch „Alice im Wunderland“ schrumpft und wächst. Der Text für “Black and Costaud” ist direkt der Oper “L’Enfant et les Sortileges” entnommen, wenn die Teekanne mit dem Kind schimpft. “From the Top of the World” basiert auf dem Buch “At the back of the North Wind” von George MacDonald, wo das Kind Diamond im Haar des Nordwinds um die Welt fliegt.
Zitat:
Im Hinblick auf deine Ausbildung als Opernsängerin ist es überraschend, dass Du Dich für die Popmusik entschieden hast. Warum Pop?
Shara: Ich habe schon immer Popmusik gehört, viel häufiger als Klassik, obwohl ich eine klassische Ausbildung habe. Ich singe sehr gern klassische Musik, aber zu meinem eigenen Temperament hat es viel besser gepasst, meiner Kreativität im Songwriting Ausdruck zu verleihen. Schließlich hat diese Seite von mir Überhand genommen. So hatte ich mehr Kontrolle über mein Schicksal.
Ich glaube aber, dass viele der Songs auf “A Thousand Shark’s Teeth” eher Kunst-Songs sind als dass sie in ein Pop-Rock-Schema passen. Trotzdem ist die Musik in erster Linie meine persönliche Erfahrung und keine intellektuelle Aufgabe.
Ist es ein logischer Schritt, dass klassische Musik und Pop-Musik aufeinander zu gehen?
Shara: Diese beiden Welten haben immer interagiert, sich reflektiert, einander geantwortet, gegeneinander rebelliert oder Anleihen gemacht. Ich glaube, dass wichtige Dinge in der Pop- und Elektro-Szene passieren: Die Verschmelzung von Kulturen, der Gebrauch neuer Töne und Klänge in der Musik, die Manipulation von elektronischen und organischen, „echten“ Klängen – für mich ist das alles sehr aufregend. Und ebenso in der klassischen Musik: Es gab dort sehr fortschrittliche Aufführungen mit Raumklängen, interaktiver Technologie, multi-medialen Performances und wunderschönen atonalen Arbeiten, die die Pop-Welt noch nicht aufgearbeitet hat. Ich denke alle Aspekte der Musik sind wichtig: Die Theorie, das Streben nach Schönheit, die Technik, der Ausdruck und die Stimme des gewöhnlichen Erlebens. Alles ist lebendig.
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In deinen Aufnahmen dominieren die Moll-Tonarten. Trotzdem haben wir den Eindruck, dass deine Musik nicht traurig und melancholisch ist, sondern eher positiv und an das Schöne im Leben erinnert. Warum haben wir diesen Eindruck?
Shara: Ich lächle viel.
Dabei ist deine Musik sehr komplex und vielseitig, du benutzt Harfen und Klarinetten, aber auch elektronische Beats. Diese Vielfalt repräsentierst du sogar auf der Bühne, indem du immer wieder andere Kostüme trägst. Warum schlüpfst du gern in verschiedene Rollen?
Shara: Ich liebe die Kunst und die Vorstellungskraft. Ich liebe alles, das dir drei Assoziationen auf einmal gibt. Ich liebe den Zauber. Ich liebe die Macht der Kunst, verwandeln zu können. Egal ob durch Bilder, durch ein Konzert oder ein Picknick. Es ist meine Leidenschaft, diese Lebendigkeit, diesen kreativen Raum zu kultivieren, weil mich das am glücklichsten macht.







