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„Aber dann dachte ich: naja, probieren!“
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„Aber dann dachte ich: naja, probieren!“

inn-Ole Heinrich schreibt und macht Filme. Er ist 25 Jahre alt und kommt aus Cuxhaven. Zu seinem Verlag mairisch ist er nur mit viel Glück gekommen. Was im Literaturbetrieb sonst so passiert, ist ihm nicht so wichtig. Wichtiger ist, dass es bei Werder Bremen gut läuft. Inzwischen hat Finn-Ole Heinrich mit normal viel Glück und sehr viel Können eine Reihe von Preisen eingeheimst und Stipendien bekommen. Seit kurzem ist er Künstler mit Diplom. Im Gespräch mit Magagin erzählt Finn-Ole Heinrich von der Stadtschreiberei, von seiner Schulzeit, von Vorbildern, von Freundschaften und warum das alles so wichtig ist.

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Deine Stadtschreiber-Zeit in Erfurt neigt sich dem Ende. Wie sieht deine Bilanz aus? Was hast du dir vorgenommen, was hast du umgesetzt? Wie hat es dir gefallen?

Also, gefallen hat es mir wirklich total gut. Bis auf die letzten drei Wochen, als ich an meiner Diplomarbeit so halb verzweifelt bin, hab ich mich manchmal echt gefragt, ob ich mich überhaupt schon mal so wohl gefühlt hab in meinem Leben wie hier und in dieser Situation.

Und vorgenommen hatte ich mir sehr viel, was ich nicht alles umsetzen konnte. Ich wollte zum Beispiel in jeder Oberstufe lesen, im Endeffekt hab ich in fünf Schulen gelesen oder so. Ich bastel gerade an einer Internetseite, ich muss eine Art Arbeitsbericht vorlegen, das mach ich in Form einer Internetseite und da hab ich die Lesungen aufgelistet, die ich gemacht habe und das sind schon ziemlich viele. Ich wollte sichtbar sein in der Stadt und ich glaub das war ich wirklich. Hab ich auch von vielen gehört, dass die anderen Stadtschreiber wesentlich weniger sichtbar waren. Ich hatte mir schon vorgenommen, dass ich das ernst nehme, was in der Ausschreibung stand: das kulturelle Leben hier zu bereichern. Ich hab auch relativ viel geschrieben, aber nicht so viel an dem Projekt, mit dem ich mich eigentlich beworben hab. Aber ich hab ja das Stipendium, also da kann man ja machen, was man will.

Also es gab keine Auflagen, dass du irgendwas Bestimmtes umsetzen musst?

Das war wirklich schön frei. Es gab nur diese Vorgabe, dass man zur Verfügung stehen soll, falls die Stadt mit irgendwelchen Ideen kommt. Drei Lesungen hat die Stadt glaube ich organisiert. Das ist ja nix eigentlich. Ja, und dann hab ich mich beworben mit dem neuen Erzählband, den ich zu Ende schreiben wollte. Und der ist jetzt nicht fertig, aber…

Das waren Geschichten zum Thema Heimat?

Genau.

Und die machst du dann in der nächsten Zeit zu Ende?

Ja, ich glaub so nebenbei. Nächstes Jahr könnte es dann einen neuen Erzählband geben.

Welches Projekt, welche Lesung hat dir am besten gefallen hier in Erfurt?

Also zum Beispiel hab ich eine Freifläche gefunden, die Lagune, da haben sich Leute eine Baulücke von der Stadt zurückerobert. Das sind alles so Gartenbautypen oder Landschaftsarchitekten und die haben sich das als kleinen Stadtdschungel umgestaltet. Da drin hab ich jetzt drei Veranstaltungen gemacht, mich mit einem Kumpel hingesetzt, Omastühle und eine alte Lampe dazu und dann Geschichten vorgelesen und die Leute haben vor uns gesessen und in der Erde gepult und Sandburgen gebaut. So richtig schön. Es stört mich bei Lesungen oft, dass die so steif sind. Wenn man eh schon zwei Stunden zuhören muss und dann sind das auch noch krasse Geschichten, die einen ganz schön fordern, dann sitzt du da auf einem Stuhl, zwei Stunden lang und musst die ganze Zeit die Klappe halten und kannst nicht aufstehen und dir tut der Rücken weh. Ich hab da nur eine ganz geringe Aufmerksamkeitsspanne.

Ja und dann hab ich diese Lesereihe in der Karibikbar gemacht. Das war auch eigentlich ein cooles Projekt, obwohl das nicht so ganz aufgegangen ist. Ich dachte, dass man das in so einer komischen Kneipe ein bisschen zusammenbringt: Leute, die gar nicht unbedingt Literaturfreaks sind, aber da dann eben hingehen, weil das nett ist und sich dann vielleicht auch für die Leute interessieren, die da Geschichten erzählen. Es war cool, diesen Ort zu knacken. Ich glaub da ist vorher kein Mensch rein gegangen, der nicht total lattenstramm war und nach drei Uhr nachts nichts anderes mehr gefunden hat. Ich hab am Anfang immer gedacht, das ist nur blabla, aber die Leute haben echt Respekt vor diesem Laden, weil man da auch mal auf die Fresse kriegen kann. Der Typ da wollte mir das auch nicht glauben. „Du willst hier ne Lesung machen, in diesem Laden?“ Und der dachte sich dann wahrscheinlich auch, naja, der kommt zwei Mal oder so und dann geht der wieder. Und jetzt freut der sich immer total, dass da sogar vor drei ein bisschen Umsatz ist.

Du hast gerade gesagt, du hast auch in Schulen gelesen – wie war das? Ist das gut angekommen?

Ja, in Schulen les ich eigentlich immer. Da verdient man natürlich nie was und es ist anstrengend. Aber danach hab ich immer ein gutes Gefühl. Das sind nette Begegnungen. In meinen Texten geht’s dann ja auch oft um schwierige Sexualität oder so und dann vor 17-Jährigen – das kann manchmal echt unangenehm werden. Bei Räuberhände zum Beispiel sind ja auch ein paar Stellen, die so schwul angehaucht sind und dann kommt immer. „öäh, Schwule, nee!“ Bis man das dann hingekriegt hat – das ist schwierig. Aber es klappt jedes Mal irgendwie, das ist immer ganz cool. Mich hat das immer gestört, bei uns an der Schule gab’s so was überhaupt nicht. Mir persönlich hätte das total gut getan, wenn mal jemand vorbeigekommen wäre, der nicht das macht, was man sowieso schon immer von allen Seiten her kennt. Dabei gibt’s auch immer viele andere Leute, die andere Ideen haben. Deswegen mach ich das in den Schulen. Ich will zeigen, ok, so kann man’s auch machen. Also, nicht dass ihr’s jetzt auch machen müsst, aber guckt mal, worauf ihr Bock habt und dann habt ruhig den Mut, es zu probieren.

Gab’s denn für dich ein bestimmtes Initiationsereignis oder eine Person, die dich da aus dem geregelten Kreis rausgeholt hat? Oder dir andere Möglichkeiten aufgezeigt hat?

Ich hatte sowieso Glück, weil ich eine etwas schräge Familie hab. Die kommt aus einem sehr linken Milieu und dann gab’s auch immer noch irgendeinen Kumpel, der noch krasser drauf ist. Ich hatte da schon immer mit etwas andersartigen Menschen zu tun. Meine Mutter zum Beispiel ist auch relativ freigeistig. Und ja, ich hatte einen Onkel und dann gab’s so zwei Lehrer an der Schule, die das gefördert haben, anders zu denken. Besonders der eine war richtig wichtig für mich, bei dem hab ich dann auch Theater gespielt, und in der Zeit ist wohl viel bei mir entstanden. Durch das Theaterspielen hab ich gemerkt, dass ich was Künstlerisches machen will. Also nicht unbedingt Schauspieler, ich wollte dann irgendwann eigene Sachen schreiben.

Deswegen dann auch ein Filmstudium in Hannover...

Ja, genau, also in der Zeit wusste ich schon ziemlich genau, dass ich Geschichten erzählen will, aber ich wusste noch nicht wie. Ich hab gemerkt, dass mich das Medium Film auch interessiert und eigentlich sogar näher stand, weil ich ja nie gelesen hab. Aber von Technik zum Beispiel hatte ich überhaupt keine Ahnung. Ich war immer technisch völlig unbegabt und das hat mich erst auch abgeschreckt. Aber dann dachte ich: naja, probieren!

Und jetzt hast du dein Film-Diplom gemacht.

Genau.

In einem Interview 2005 hast du mal gesagt, du kannst dich nicht zwischen Film und Schreiben entscheiden, obwohl du gemerkt hast, dass beides nicht immer so gut zusammengeht. Kannst du dich jetzt entscheiden – mit dem Film-Diplom in der Tasche?

Wenn ich mich jetzt entscheiden müsste, würd ich mich für die Literatur entscheiden. Aber das liegt daran, dass ich gerade ein total nervtötendes Filmprojekt hinter mich gebracht hab. Und das ist dann irgendwie immer so, wenn man ein halbes Jahr an irgendwelchen Projekten gearbeitet hat, egal in welchem Bereich, dann hat man erstmal kein Bock mehr auf den Kram. Bei mir ist das so. Ich hab schon gemerkt, dass Filmemachen sehr viel anstrengender sein kann als Schreiben. Aber vielleicht hab ich auch einfach noch keine beschissene Erfahrung mit einem Buch gemacht. Ich kann mir auch vorstellen, dass das total frustrierend ist, wenn du da jahrelang dran arbeitest, und dann merkst es geht nicht auf.

Dazu kommt, dass du im mairisch-Verlag ein Publikations-Organ für deine Bücher gefunden hast, mit dem die Zusammenarbeit ja ganz gut klappt. Wie bist du zu mairisch gekommen und wie ist dein Verhältnis zum Verlag?

Super! Das mit mairisch ist perfekt. Das war eine unglaubliche Verkettung glücklicher Zufälle. Ich hab bei der Stiftung Niedersachsen einen Typen kennengelernt, Jan Oberländer, der heute auch mein Lektor ist und Co-Autor bei dem Drehbuchprojekt und ein guter Kumpel. Der hat dann einen Artikel über uns Stipendiaten geschrieben. Und ist so in der Zeit nach Berlin gezogen und hat da einen Poetry Slam gemacht. Er hat mich eingeladen da eine Geschichte vorzulesen. Das war das allererste Mal, dass ich vor Leuten gelesen hab. Ich bin kurz darauf nach Hamburg gezogen und hab da mitgekriegt, dass es da auch einen Slam gibt. Und da wurde eingeladen auf einer anderen Lesereihe was zu lesen. Und bei dieser Lesereihe saß dann Daniel von mairisch und hat mich nach der Lesung gefragt, ob ich nicht noch mehr Geschichten hab. Und dann hab ich ihm alles geschickt, was ich zu dem Zeitpunkt hatte und er hat dann zwei Tage später geschrieben, ob wir nicht ein Buch machen wollen, so ungefähr. Es war wirklich totaler Zufall.

Besteht für dich nicht vielleicht ein Reiz darin, bei einem größeren Verlag genommen zu werden, wo du größere Auflagenzahlen kriegen könntest? Was bietet dir mairisch, was dir z.B. Rowohlt nicht bieten könnte?

Ich kann es mir einfach nicht cooler vorstellen als es momentan ist. Die von mairisch sind meine Freunde. Wenn ich in Hamburg bin, dann besuch ich die zum Reden, zum Bier trinken. Ich kann die ständig nerven, mit allem. Zum Beispiel konnte ich da sagen, ich brauch noch einen extra Lektor und hab dann Jan angeschleppt - das könnte ich ja bei Rowohlt nicht machen. Natürlich wär das ein Reiz, größere Auflagen zu haben und Geld zu verdienen mit dem Buchverkauf. Aber ich meine, es gibt ja diese Stipendien und ich hab keine große Familie zu versorgen. So lange ich keinen tierischen Druck hab, unbedingt Geld verdienen zu müssen, seh ich keinen Grund zu einem anderen Verlag zu wechseln. Ich glaube, mit mairisch, bei mairisch kann ich die bestmöglichen Bücher machen. Die zielen ja überhaupt nicht auf irgendeinen Markt und die müssen damit auch nicht irgendwelche Umsatzzahlen erreichen. Die wollen in erster Linie ein gutes Buch machen. Und das geht da ja auch kontinuierlich weiter. Die erste die taschen voll wasser-Auflage, die war popelig und wir hatten trotzdem die Hosen voll, ob wir die jemals loswerden und jetzt wird das immer besser und immer größer. Da sind ja auch andere coole Leute. Jetzt im Herbst kommt Andi Stichmann, das ist auch schon mal ein guter Schritt. Wir haben eine grandiose Pressefrau, der ganz, ganz viel zu verdanken hab! Und jetzt noch eine unglaublich umtriebige Frau, die die Lesungen organisiert und koordiniert. Das ist alles gewachsen. Geht alles voran. Und da bin ich sehr gern dabei.

Kannst du vom Schreiben oder Filme machen leben? Willst du das überhaupt?

Das ist nicht mein Ziel oder so. Aber es wär der beste Begleitumstand. Das Schreiben muss ich eh machen. Da komm ich nicht mehr drum rum. Aber wenn ich nebenbei nicht irgendwelche Jobs machen muss, die mir die Zeit fürs Schreiben nehmen, wär das ideal. Es darf natürlich nicht so werden, dass man da irgendwelche blöden Schreibprojekte machen muss, nur weil man denkt man müsste schreiben. Lieber mal irgendwelche Scheiße absagen und kellnern gehen.

Als Künstler ist man häufig darauf angewiesen andere Nebeneinnahmen zu haben, da lässt man sich zum Beispiel als Musiker in Werbeclips einspeisen. Sagst du da, nee, mach ich nicht?

Das wär jetzt vielleicht ein bisschen großmäulig. Also, ich hab auch schon Werbeclips gedreht und geschrieben. Aber dann eben für meine Kumpels. Andererseits gibt’s ja auch viele Leute, die Werbefilme machen und davon ihre richtigen Filme finanzieren. Lars von Trier – dessen Produktionsfirma produziert Pornos und davon finanziert der seine Independent-Filme. Das ist dann schon wieder gerechtfertigt. Meine Grenze verläuft da, wenn in irgendeinem Magazin die Redaktion in meine Texte reingehen würde. Und die da sagen würden, nee kannste aber so nicht schreiben, weil daneben ist ne Anzeige von Sony und Sony sagt aber, dass … Da würd ich dann sagen: Ihr könnt euch jemand anders suchen. Ansonsten ist es gar nicht schlecht die Öffentlichkeit zu nutzen. Das ist immer die Frage, jetzt bei Musik zum Beispiel auch, ob man sich von Mercedes benutzen lässt oder ob man Mercedes für sein Anliegen benutzt. Muss man halt gucken. Aber auch im Literaturbetrieb gibt’s ja viele negative Erfahrungen. Die sind ja nicht alle nur verantwortungsvoll. Der Literaturbetrieb ist eben auch ganz einfach ein Markt. Das ist auch das Gute bei mairisch. Ich weiß einfach, die wollen mich nicht verheizen. Die denken nicht für sich, sondern die denken für mich und für die Sache. Also, ich möchte da schon lieber mit solchen Leuten zusammenarbeiten.
Sag mal, kennen wir uns eigentlich irgendwo her?

Vielleicht vom Sehen oder so, auf der Leipziger Buchmesse...

Ja, das kann sein… Ach, da bei der Leseinsel der Jungen Verlage, das war echt die witzigste Lesung mit Andi Stichmann, die ich je hatte. Wir haben ja den Text zusammen gelesen, also mit verteilten Rollen, und wir hatten den vorher nicht so richtig geübt. Wir haben dann gesagt wir treffen uns um eins auf der Messe und üben den Text noch mal. Und dann war Andi nicht da, die vom Verlag sind schon voll nervös geworden. Als wir dann angerufen haben, war Andi noch voll im Delirium und kam um drei Minuten vor halb drei an, total glasige Augen, hat gestunken wie ein ganzer Güterzug voll Bier. Und dann fängt er an zu lesen, er war erst noch relativ ruhig. Und dann plötzlich merk ich wie er fast kotzen muss. Und dann hab ich ihm so die Hand aufs Knie gelegt und irgendwie ging’s dann wieder und er hat weiter gelesen. Aber im Nachhinein hab ich mich echt geärgert, ich hätte ihm mal richtig auf den Rücken schlagen sollen. Wir wären auf einen Schlag berühmt geworden. Die jungen Literatur-Rocker erstmal schön auf den Tisch gekotzt. Das wär’s echt gewesen. Die Zeit hat das sogar noch mitgefilmt. Das wär ein Einstieg gewesen: Andi Stichmann kotzt live auf zeit.de! Ich mein: Clemens Meyer schüttet sich Bier ins Auge bei der Preisverleihung. Pustekuchen. Andi Stichmann kotzt beim Vorlesen!

Wo siehst du denn selbst deinen Platz in der Gegenwartsliteratur? Fühlst du dich als Teil einer Strömung? Oder versuchst du dich bewusst gegen irgendwas abzugrenzen?

Da bin ich Fachmann! Ich hab echt einfach überhaupt keine Ahnung, welche Strömungen es gibt. Wirklich, also das ist keine Koketterie oder so. Ich les echt total wenig und wenn ich lese, dann eher so Klassiker. Was auch nicht stimmt. Ich les einfach zu wenig, um von irgendwas Ahnung zu haben. Ich stell mich gegen nichts, ich erzähl einfach, was mir gerade so im Kopf rumgeistert. In der Literatur versuch ich, einfache Sachen zu schreiben. Ich will Geschichten machen, die einen so reinziehen. Man muss da schnell drin sein. Sonst leg ich ein Buch ganz schnell wieder aus der Hand. Ich versuch einfach nur eine Geschichte so zu erzählen, dass ich sie selbst gern lesen würde.

Dein Stil, deine Art zu erzählen ist sehr eingängig. Auf der Handlungsebene setzt du dann die Protagonisten häufig in Freundschafts-, Liebes- oder familiäre Beziehungen zueinander und konfrontierst sie mit Konflikten. Was bedeuten dir diese Werte?

Ich versuch Geschichten zu erzählen, die mich selber interessieren, wo was untersucht wird, wo das Leben ausgelotet wird, wozu ich mir eigene Gedanken machen kann. Ich versuche den Leser darüber zu kriegen, dass ich ihm eine gut erzählte Geschichte anbiete, die er leicht verfolgen kann, die es ihm im Kopf aber nicht einfach macht und ihn am besten noch über das Lesen hinaus beschäftigt.
Und warum das immer so Gebilde von Figuren sind in den Geschichten – das sind einfach meine Gebilde: Freundschaft, Liebe, Familie. Das sind Dinge, die mir in meinem Leben persönlich wichtig sind. Und dann denk ich einfach gern darüber nach, unter welchen Umständen es schwierig wird für solche Gebilde. Ich untersuche, was möglich ist im Leben und welche Gefahren damit aber auch verbunden sind und welche Grenzen dann für solche Gebilde da sind.

In deinen Geschichten ist Spannung ein Element, das für dich offensichtlich sehr wichtig ist. Zumindest werden Informationen und Vorgeschichten etc. ja erst so Stück für Stück preisgegeben...

Ja, das meinte ich damit, dass ich es angenehm machen will, der Geschichte zu folgen. Es ist gut, wenn ich ein Mittel finde, mit dem ich Spannung erzeuge, Spannung ist ja nicht schlecht, solange sie nicht vom Wesentlichen ablenkt. Ich hab nichts gegen Spannung solange sie nicht Selbstzweck ist. Sie dient ja nur dazu, dass man das Buch nicht aus der Hand legt. Eigentlich will ich ja was anderes erzählen, über diese Freundschaft will ich erzählen und Identität und dazu nutze ich bestimmte Spannungsmomente, um die Geschichte erzählbar zu machen. Mir darf ja auch selber beim Schreiben nicht langweilig werden!

Die Handlung bei Räuberhände wird immer in Ausschnitten gezeigt und überlagert sich zeitlich. Ist es das was an deinem Stil als filmisch bezeichnet wird?.

Bei Räuberhände kommt es der Geschichte entgegen, dass sie nicht chronologisch erzählt ist. Da wird eine weite Zeitspanne erzählt, so von 13 bis 20 eigentlich. Das würde im Film gar nicht gut funktionieren. Filme müssen schon sehr geschickt gemacht sein, wenn ein langer Zeitraum erzählt werden soll. Eine gute Filmhandlung dauert eigentlich so zwei Wochen oder so, das kann man noch gut in einem Film unterbringen. Danach wird’s schon schwieriger.

Was kommt jetzt?

Nach Erfurt geh ich wieder nach Hamburg, weil ich da mit meinen alten Schulfreunden wieder vereint bin. Das ist wichtig in meinem Leben, dass ich immer mit den angenehmen Menschen zusammen sein kann und mit denen arbeiten kann. Ist ja eigentlich logisch!

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Finn-Ole Heinrich wird in der zweiten Hälfte des Jahres mit seinem Kumpel Andreas Stichmann durch die Republik tingeln und vorlesen.
Weitere Infos und Termine unter Finn-Ole Heinrichs Website (http://www.pipe-up.de) und beim mairisch-Verlag (http://www.mairisch.de).

Das Interview führten Leonie Krutzinna & Kilian Haller.

L. Krutzinna