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Motorpsycho, Pumpe, Kiel, 22.10.08
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Motorpsycho, Pumpe, Kiel, 22.10.08

as hab' ich mir nur dabei gedacht. Ist die Kieler Konzertlandschaft wirklich so ausgedörrt, dass man nach jedem feuchten Strohhalm greift? Motorpsycho sind eine Band mit Kultstatus, die mir live aber schon einmal überhaupt nicht zugesagt haben. Nun, jeder hat eine zweite Chance verdient.

Und man kann den zugewachsenen Norwegern an Bass und Gitarre und dem mit freiem Oberkörper trommelnden Drummer das Bemühen auch nicht absprechen. Eigentlich ist es sogar zu viel des Guten, was heute geboten wird; genauer gesagt ist es ungefähr eine Stunde zu viel. Weil es das Abschlusskonzert ihrer Tournee ist, machen Motorpsycho heute gerne Überstunden und legen ohne Scheiß ein Konzert hin, das zweieinhalb Stunden dauert. Ich weiß jetzt nicht, warum man nicht eine Vorband engagiert, die mal ein bisschen Abwechslung in den Laden bringen würde. Aber wenn man sich Bent Sæther und Hans Magnus Ryan auf der Bühne anschaut, dann scheinen ihnen grundlegende Werte und Normen wie Unterhaltung und Show eh ziemlich egal zu sein. Die Masters of Frickelfickel verbringen die lange Zeit mit ausgedehntem Jammen, den Kopf stur auf das Instrument – also in Richtung der eigenen Füße – gerichtet. Sie beherrschen ihre Instrumente perfekt und schaffen einen beeindruckend breitwandigen Sound. Aber man muss die Songs wohl schon mal auf Platte gehört haben, um wirklich etwas mit den psychedelischen Riffs und Licks anfangen zu können. Zumal der selten auftretende Gesang, mit dem die beiden Anti-Frontmänner sich abwechseln, nur so strotzt von braver Zurückhaltung. Klar gibt es da mal ein gut gemeintes Brüllen, das ich auch anerkennend zur Kenntnis nehme. Solche Momente verhallen aber leider viel zu leise im Dschungel der mit Effektgeräten überladenen Signale der Saiteninstrumente.

Wenn ich mich jetzt auf einem Festival befände, ungefähr 50m von der Bühne entfernt im Gras lümmelnd und mit halbem Blick auf das Bühnengeschehen achtend – dann wäre das jetzt genau das Richtige. In diesem kleinen Konzertsaal aber, direkt vor der Bühne, von der eine unaussprechliche Lautstärke straft, verdamme ich diese Bartwunder, die mit ihren Gitarren ins Bett gehen und sich wahrscheinlich am Liebsten selbst beim Spielen zuhören.

Schade. Da geht eine Band, der ich eigentlich Innovationen in der Gitarrenmusik zugetraut habe, auch ohne ein „-tronics“ im Genrenamen zu haben. Zurück lassen sie die Frage, ob ein wenig mehr Beschäftigung mit dem aktuellen Motorpsycho-Album „Little Lucid Moments“, bei dem der längste Song ganze 21 Minuten dauert, für mehr Genuss gesorgt hätte. Sicher ist aber nur die Erkenntnis, dass da jemand rücksichtslos mit einem Rasenmäher über die empfindlichen Härchen in meinen Ohren getuckert ist. Chance verpasst.

K. Haller