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Interview mit Wolfgang Mozart
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Interview mit Wolfgang Mozart

agagin: Hallo Herr Mozart – also ist es in Ordnung wenn ich Sie Wolfgang nenne?
Mozart: Ja, klar.
Magagin: Also erstmal vorweg: Auch wenn es wohl die meisten Leser verwundern wird, aber es ist tatsächlich so: Du lebst immer noch!
Mozart: Jo! Ist ne verrückte Kiste, aber ich hab mich unter anderem mit der Zauberflöte unsterblich gemacht.

Magagin: Ja, krass. Witzig ist ja, dass man das immer wieder hört – so: „Jaja, der Mozart, der hat sich wirklich unsterblich gemacht mit seinen Werken!“. Aber keiner glaubt da wirklich dran. Allerdings hast du dich in den letzten gut 200 Jahren auch eher selten bis gar nicht in der Öffentlichkeit gezeigt.
Mozart: Nee, ich hab mir recht viel Mühe bei der Inszenierung meines Todes gegeben, sodass das schon authentisch rüberkam. Hab dann noch n paar Unklarheiten in Bezug auf die Umstände meines Todes gestreut, sodass sich die Klugscheißer noch n bisschen zanken können.
Magagin: Ja, ist dir gut gelungen. Selten sind die Leute so auf dich abgegangen wie in diesem Jahr. Okay, es ist auch dir gewidmet - auf der ganzen Welt, besonders in Deutschland feiert man deinen 250. Geburtstag und man spricht von nichts Anderem mehr. Findest du das cool?
Mozartu: Auf jeden Fall. Ich kann mir ehrlich gesagt nichts Berauschenderes – man könnte sagen: nichts Geileres – vorstellen, als von alten, schrumpligen Menschen, die sich für die größten Musikkenner überhaupt ausgeben, angehimmelt zu werden.
Magagin: Aber du machst ja keine Musik mehr, ne? Im Steppenwolf von Herman Hesse hattest du ja ein witziges Gastspiel…
Mozart: - ja, ich hab ihm sogar n bisschen beim Schreiben geholfen, das war auch ganz cool
Magagin: - Wolfgang, jetzt lass mich doch mal bitte ausreden.
Mozart: Nö. Ich rede, wenn ich Bock hab.
Magagin: Ja. Pff. Dann red halt.
Mozart: Schwachkopf, jetzt hab ich den Faden verloren.
Magagin: Hast du was dagegen, wenn ich meinen wieder aufnehme?


Mozart (steckt sich eine Zigarette an): Ja, dann mach halt.
Magagin: Kannst du vielleicht später rauchen, ich mag das nicht so.
Mozart: WAS!?
Magagin: Sorry, war nur ein Scherz.
Mozart (lacht): Okay, alles klar.
Magagin (steckt sich auch eine Zigarette an): Ja, ich wollte sagen: Im Steppenwolf meintest du ja zu Harry Haller als ihr über Musik gesprochen habt: „Nun, ich habe das Metier aufgegeben, ich habe mich zur Ruhe gesetzt. Nur Spaßes halber sehe ich zuweilen dem Betrieb zu.“
Mozart: Na, komm – das ist jetzt auch schon wieder rund 80 Jahre her, dass ich so was gesagt hab. Damals ging ja auch in Sachen Musik eher wenig. Und dieser prämoderne Jazz war ehrlich gesagt noch nie mein Ding. Bei Dixieland wird mir heute noch trotz Unsterblichkeit schwarz vor Augen (lacht).
Magagin: Kann ich gut verstehen. Aber erzähl doch mal, wie du so die Musik der zweiten Hälfte des 20. Jh. erlebt hast. Waren da Sachen dabei, die du cool fandest – oder fandest du nach deinen eigenen Kompositionen nichts mehr richtig geil?
Mozart: Na, jetzt mach mal langsam. Ich hab zwar schon ziemliche Burner rausgehauen, aber es ist ja nun nicht so, dass ich alles andere schon immer scheiße fand. Die meisten Leute wissen zum Beispiel, dass ich etwa den Kollegen Bach auch sehr gut fand. Aber zum 20. Jh.: Also als erstes muss ich mal – auch wenn’s nicht zur Frage passt – Arnold Schönberg mit seiner Zwölftonmusik hervorheben. Das war echt crazy – aber der absolute Hammer. Aber wie hätte es anders sein sollen: Die Leute waren zu blöd dafür. Das aber nur am Rande…
Magagin (hüstelt verlegen): Die zweite Hälfte des 20. Jh. -


Mozart: Meine Güte! Da wollte ich doch gerade drauf zu sprechen kommen. Die Beatles fand ich im Grunde schon ganz nett, aber trotzdem waren die schon noch etwas zu steif. Aber danach in den 60ern – Wow! Dieser ganze Hippie-Kram… Das fand ich geil. Diese Ekstasen! Diese Einfachheit der Songs – und die ganzen Frauen, die sich immer ausgezogen haben!
Magagin (leise): Ich möchte nur darauf hinweisen, dass Magagin auch jüngere Leser hat.
Mozart: Diese schönen, runden, braunen Titten!
Magagin (müde): Erzähl nur weiter.
Mozart: Cat Steven! The Byrds! Joe Cocker! Dieser Wahnsinn! Diese Ekstase! Dieser Rausch! Ja, und danach wurde es ja wieder recht bieder… In den 80ern und 90ern gab’s zwar einige nette Sachen, aber die einzigen Partys, die mir wirklich Spaß gemacht haben, waren entweder House-Partys in den USA – Detroit, alter! – oder halt in Goa…
Magagin: Holla! Das hört sich ja wild an. Findest du diese Musik nicht teils schon etwas… äh…. eindimensional?
Mozart: Oha! Der Herr Musikkenner wird kleinkariert. Da hatte man Spaß! Da wurde gevögelt! Da…
Magagin: Ja, ich versteh schon. Okay, dann kommen wir mal zur zeitgenössischen Musik.
Mozart: Meinetwegen.
Magagin: Du Musikszene der Jetztzeit ist ja durchaus sehr heterogen. Es gibt den Kram in den Charts und daneben noch eine beinah unüberblickbare Vielfalt an – ja – Underground- und Subgenres. Wie orientierst du, Wolfgang, dich da? Oder: Welche Blume pflückst du dir auf dieser bunten Wiese?
Mozart: Jetzt wird Monsieur aber poetisch. (hustet) Lass den Scheiß – wir können auch ganz normal miteinander reden.
Magagin (niedergeschlagen): Schon gut.
Mozart: Ja, ehrlich gesagt hab ich gar nicht so richtig Lust die Szenen zu durchstöbern, die größtenteils nur für sich selbst Musik machen und kaum jemand weiß sonst was da abgeht. Dementsprechend höre ich momentan viel Death-Metal.
Magagin: Sorry, könntest du das noch mal wiederholen?
Mozart: Nein. Ich mag die Theatralik daran. Und virtuose Musiker – natürlich verglichen mit den anderen Leuten, die heutzutage meinen Musik machen zu müssen – gibt’s da auch ein paar. Auch wenn viele von den beschränkten Idioten meinen, dass dies nicht sein kann: Aber neben Metal höre ich noch viel Rap. Also man diesem Hu-Hu-Hu-Wir-Wollen-Jetzt-Mal-Intellektuell-Sein-Rap kann man mir nicht kommen. Aber seit einiger Zeit gibt es ja auch so Musik-Videos. Und da hab ich Rap schon schätzen gelernt.
Magagin: Wieso gerade über die Clips?
Mozart: Na, wegen der vielen Ärsche in den Videos. Wie kann ein Mann da bitte widerstehen? Überhaupt das komplette Image der Szene! Mit Geld rumschmeißen, Glücksspiel, viele Frauen mit wenig Klamotten, teurer Schmuck, teure Kleidung. Das find ich geil.
Magagin: Ja, hu – dann hast du ja heute mal durchaus für interessante Einblicke gesorgt…


Mozart: Ja, ich wollte auch gerade gehen – es wartet da noch n Häschen in nem Hotel n paar Straßen weiter auf mich. Die will ich ehrlich gesagt nicht warten lassen. Hau rein! (geht)
Magagin (schreit Mozart hinterher): Im scheiß Steppenwolf hast du einen auf lustig gemacht und bei dem bekloppten Amadeus-Film hast du auch 2 Stunden am Stück vor dich hingekichert. Wenn ich gewusst hätte, dass du so ein Arschloch bist, hätte ich dich nie eingeladen!! Wahrscheinlich bist du einfach nicht betrunken genug, oder was!?!?

S. Krutzinna