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Electric President - Popmusik, Melancholie und Bühnenpräsenz im kleinen Kreis
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Electric President - Popmusik, Melancholie und Bühnenpräsenz im kleinen Kreis

eine 100 Zuhörer zählte das Publikum von Electric President in Hannover. Die, die dort waren, bekamen aber schnell ein Lächeln auf die Lippen gezaubert, weil diese drei jungen Herren so charmant und liebevoll das Publikum in ihren Bann zu ziehen verstanden. Schon optisch machte ihr Auftritt eine Menge her.

Von Alex Kane im Drachenpullover (mit richtigen Zacken und einer zum Drachenkopf umdesignten Kapuze) konnte ich meinen Blick nur schwer abwenden. Und Ben Cooper sowie der zur Unterstützung mitgebrachte Keyboarder sprengten die Grenzen des schlechten Geschmacks durch ihre ungewöhnlichen Kopfbedeckungen. Wirklich sehr amüsant. Die Atmosphäre stimmte. Dazu trug auch die außergewöhnliche Gestik Ben Coopers einen wesentlichen Teil bei, dem man derartige Feinmotorik vielleicht gar nicht zutrauen mochte. Bereits bei ihrem ersten Stück, dem fulminanten „Good Morning, Hypocrite“ zeigten sich Electric President von ihrer besten Seite und das nur, um „zu sehen, ob der Sound ordentlich klingt“… Hin und wieder gab es tatsächlich ein paar Schnitzer, aber hätte Cooper nicht darauf aufmerksam gemacht, wären sie dem Publikum vielleicht nichtmal aufgefallen –die Klänge ihrer Musik, die den Studioaufnahmen qualitativ um nichts nachstanden, wirkten nahezu meditativ auf das Publikum, was sich bestätigte, als ich bei Songs wie „Metal Fingers“ oder dem wunderbaren „Grand Machine No. 12“ meinen Blick über die überschaubare Zuhörerschaft wandern ließ.
Das ist schöne Musik. Und ich bin irgendwie froh, dass nicht mehr Leute gekommen sind, weil die hier Anwesenden wohl alle ein bisschen verliebt sind in Electric President und man sich als Teil einer kleinen eingeschworenen Gruppe fühlt.

Zwar dauert das Konzert nur eine gute Stunde und nach zwei Zugaben sind alle Songs des Repertoires gespielt. Dennoch findet das Ganze einen äußerst krönenden Abschluss. Cooper schlägt vor einen Coversong zu spielen. Bedauerlicherweise verwirft er die Idee mit den Disney-Liedern (das Lied aus Arielle wäre sicher ein Kracher geworden), die Wahl fällt auf Annie Lennox’ „No more I love yous“ – eine sowohl gesanglich als auch tänzerisch einmalige Darbietung. Und offensichtlich haben auch Electric President Spaß daran. Denn die drei halten die gesamte Länge des unsäglichen Stücks mal wild zappelnd, dann emphatisch und gefühlsbetont (im Sopran!) mitsingend durch. Anschließend entschuldigt sich der Frontmann schüchtern derartige Lieder besser darbieten zu können als die eigenen und verlässt lächelnd die Bühne. Mir hat er damit vor allem bewiesen, wie facettenreich seine Musik tatsächlich ist und wie viele Nuancen, Einflüsse, Impulse den Stil Electric Presidents tatsächlich prägen. Zufrieden und lächelnd verlasse auch ich den Club. Ich bin Augenzeugin einer ästhetischen Synthese von Popmusik, Melancholie und Bühnentalent geworden.

L. Krutzinna