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"Kurr" von amiina
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"Kurr" von amiina

sländer verstehen sich ja irgendwie darauf niveauvolle, experimentelle Musik zu machen, ohne dass es ihnen so richtig bewusst ist. Diesem Land haftet so etwas Unschuldiges und kindlich-Naives an. Während hierzulande jeder Zweite mittels Castingshow Superstar zu werden hofft, läuft das in Island genau anders rum: Der isländische Musikfreund geht rüber in das von Sigur Rós umfunktionierte Schwimmbad in Reykjavík und lässt einfach mal das heraus, was aus ihm heraus will. „Leider haben wir nur zwei Hände und zwei Füße, um das auszudrücken, was wir in uns haben und wir müssen sehen, wie wir damit auskommen…“. Die vier liebreizenden Damen von amiina müssen, wenn es um isländische Musik geht, fortan in einem Atemzug mit Björk, Sigur Rós und múm genannt werden.

Das Cover von kurr zeigt Sólrún Sumarlidadóttir, María Sigfúsdóttir, Edda Olafsdóttir und Hildur Ársælsdóttir wie sie strickend an einem Tisch sitzen und einen gigantischen Schal mit vier überdimensionalen Fransen fertigmachen. Die vier Damen, die alle in Reykjavík Musik studiert haben, strahlen etwas ungeheuer Altmodisches aus. Es würde nicht verwundern, wenn sich hinter dem Cover barocke Kammermusik verbirgt und tatsächlich kommen die vier aus der klassischen Musik und alles begann als Streichquartett. Seit 2004 wird gemeinsam musiziert und außer Streichern alles Denkbare integriert: Da wird auch vor Sägen und Weingläsern kein Halt gemacht. Und auch nicht vor dem Computer. Zudem spielt jede jedes Instrument, eine konventionelle Besetzung gibt es nicht.

„We tried to do happy songs but it always went into that melancholy direction”, sagen amiina. “Wir fangen einfach an und gucken, was raus kommt“. Wie auch bei Sigur Rós, welche amiina übrigens schon bei Aufnahmen unterstützten und auf Tour supporteten, ist die Platte ein Ganzes und kein aus einzelnen Songs zusammengesetztes Fragment. Man merkt, dass hier professionelle Musikerinnen am Werk sind. Dabei ist die Platte in keinster Weise anstrengend. Sie ist melancholisch, aber nicht schwermütig, vielmehr plätschert sie mit unbeschreiblicher Leichtigkeit daher und nimmt den Hörer ohne dessen Bemerken immer mehr ein. Dabei wird auf orgiastische Ausschweifungen weitestgehend verzichtet. kurr ist Meditation, manchmal mit fast mantra-ähnlichen Sequenzen. Und dann kommt eben doch ein wunderschönes vierhändiges Klavierspiel oder elfenhaft zarter Gesang. Musik auf höchstem Niveau. Märchenhaft und doch so stark, dass sie einfach nur positiv und trotz Melancholie in moll in höchstem Maße lebensbejahend ist. Wer zudem die vier im Interview sieht, kann amiina nur noch gern haben, weil diese Menschen absolute Authentizität ausstrahlen. Gehüllt in ihre barock anmutenden Kleider wirken sie verdammt unschuldig und lieb, aber auch irgendwie alt und charakterlich gefestigt, in sich ruhend. kurr ist übrigens der Laut, den isländische Vögel machen. amiina sind auch wie Vögel. Sie brauchen die Freiheit, sie müssen musizieren. Und dabei ist ihnen vermutlich gar nicht bewusst, dass ihre Selbsttherapie unser aller Seele ein bisschen freundlicher und positiver macht.

L. Krutzinna
titel
01 Sogg | 02 Rugla | 03 Glámur | 04 Seoul | 05 Lúpína | 06 Hilli | 07 Sexfaldur | 08 Kolapot | 09 Saga | 10 Lóri | 11 Bláfeldur | 12 Boga
Release: 15.06.07 bei Studio !K7
|http://www.k7.com|
Künstler-Homepage: http://www.amiina.com
cover
Bewertung:
5/5