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"Promised Works" von The For Carnation
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"Promised Works" von The For Carnation

ch weiß jetzt nicht genau, warum Touch And Go Records die beiden Alben “Marshmallows” (1995) und “Fight Songs” (1996) der Band The For Carnation aus Louisville, Kentucky auf einer Scheibe zusammenkompiliert und jetzt noch einmal veröffentlicht hat. Die Leute mögen diese Band wahrscheinlich einfach wahnsinnig - und ich will mich ja auch gar nicht beschweren, zumal ich dadurch gerade die tolle Musik auf “Promised Works” hören darf, die mir sonst wohl für immer verborgen geblieben wäre.

Klar, einige Indie-Heads kennen sicher noch die Band Slint, deren Sänger Brian McMahan in den frühen Neunzigern mal tierisch Bock auf was ganz eigenes hatte und deshalb The For Carnation gründete. Eben dieser McMahan war neben Slint auch in zwei anderen, nach meinem derzeitigen Recherchestand zumindest nicht vollkommen erfolglosen Bands aus Louisville aktiv, nämlich Squirrel Bait und Palace. Bei The For Carnation hatte er aber alleine das Sagen und lud sich nach Lust und Laune Musiker ein, die sonst u.a. bei Tortoise, Slint, Evergreen und Dead Child ihr Geld verdienten.
Man hört den Songs dann auch deutlich an, dass sie einem Soloprojekt entstammen. McMahans Stimme steht im Mittelpunkt, dazu elektrische Gitarre. Damit kann der auch schon echt eine Menge anfangen, wird aber trotzdem noch von anderen Gitarren, düsteren Keys, Schlagzeug, Bass und manchmal auch nur irgendwie nur Geräuschen begleitet und ergänzt. Das erzeugt bei mir verschiedenste Assoziationen, die von den Einstürzenden Neubauten über Arab Strap und die frühen Mogwai bis zu Savoy Grand reichen. Komisch, dass diese Bands alle europäischen Ursprungs sind, während The For Carnation eine typische amerikanische Independent-Band sind. Das spricht doch deutlich für die Jungs um McMahan, die auch wirklich einige Grenzen auszutesten bemüht sind. Da gibt es lange Songs, die mantra-artige Formeln ausspielen (“preparing to receive you”). Oder auch kurze, schnelle und etwas lautere Nummern, wo es dann auch schon mal richtig rockt (“How I Beat the Devil”). Mit am Besten gefällt mir neben dem grazilen und sehr geduldigen Opener “grace beneath the pines” das düstere “salo”, welches wirklich unglaublich langsam ist und wie das meiste auf “Promised Works” ordentlich Charakter hat.

Dieses Remake ist eine echte Empfehlung für verregnete Herbstnachmittage oder für all jene, die eh gerne mal melancholisch in der Gegend herum träumen. Minuspunkte gibt es nur dafür, dass es manchmal vielleicht doch ein wenig zu viel schnarrt (was für das Attribut “independent” ja eigentlich Pflicht ist, auf Dauer aber auch nerven kann), die Platte wirklich nicht zu jeder Tageszeit und Stimmung klar geht und “Promised Works” halt ein Zusammenschnitt aus zwei älteren Alben ist. Für Fans der genannten Bands, die auch hinter dem Begriff “Experiment” eine anständige Ordnung erwarten, ist The For Carnation ein echter Tipp.

K. Haller
titel
01 grace beneath the pines | 02 How I Beat the Devil | 03 get and stay get March | 04 on the swing | 05 i wear the gold | 06 Imyr, marshmallow | 07 winter lair | 08 salo | 09 preparing to receive you
Release: 13.07.07 bei Touch And Go
|http://www.tgrec.com/index.php|
Künstler-Homepage: http://www.touchandgorecords.com/bands/band.php?id=77
cover
Bewertung:
3/5