ine ansehnliche Tour haben die Hauptacts vom M_nus-Label hingelegt um ihre neue Compilation „EXPANSION | contraction“ vorzustellen. Richie Hawtin und Magda, unterstützt von Gaiser und Anderen brachten die Clubs in Paris, Tokyo aber auch deutschen Provinzstädten zum kochen. Wer die Partys verpasst hat, kann das Versäumnis aber mit dem neuen Release kompensieren.
Und das stimmt sogar ein Stück weit. Häufig ist man überrascht, dass Sets von Minimal-Artists gar nicht so harmlos sind, wie ihre Alben. Richie Hawtin aka Plastikman legt im Openertrack „Risk Assessment“ aber so viele Subbässe rein, dass man mit einer guten Anlage oder guten Kopfhörern ein Stück Clubatmosphäre in die eigenen vier Wände holen kann. Beziehungsweise – wenn man die Anlage und nicht die Headphones nutzt, holt man die Clubatmosphäre auch leicht mal in die vier Wände anderer Menschen, die nebenan wohnen. Aber wieso sollen die nichts von dem dichten Sound aus so wenigen Tönen haben? Den subtil eingeleiteten Klang-Kontraktionen, die der Release-Titel schon ankündigt? Ganz leise stehlen sich Loops aus dem Hintergrund nach vorne, werden lauter und schneller und verdichten so die ganze Atmosphäre. Verschwinden sie urplötzlich entsteht genau der Umkehreffekt: Der Sound wirkt weit und offen – expandiert. So macht man mit einfachen Mitteln Klang räumlich wahrnehmbar, so geht’s mir zumindest.
Heartthrob tauscht die grummeligen Subbässe gegen eine Bassline mit viel Kick, was „Roundabout“ sofort viel bounciger macht. Hart stilisierte Claps und immer wieder kleine Rhythmus-Breaks geben dem Track einen eckigen Charakter, der aber genau deswegen so groovt. Das unterläuft dann auch gleich das Bild von Minimal als Musik für gelangweilte Yuppies. Im Gegenteil – das hier macht einfach Spaß. Leider macht das auch total bescheuerten Leuten Spaß, wie ich leider bei der M_nus-Party in Erfurt feststellen musste, die wirklich vom räudigsten Publikum besucht wurde, das ich jemals auf einer Electro-Party gesehen hab. Aber dafür können die Künstler hier ja nix und das vermag auch nicht die Freude an dem Release zu schmälern, die man doch in jedem Fall hat.
Dubfire gibt mit dem Track „Emissions“ sein Debüt auf M_nus und stellt sich dabei mehr als ein Empfehlungsschreiben aus. Die Vinyl-Variante von „EXPANSION | contraction“ darf er sogar eröffnen und das zu recht, denn sein Track ist wohl der Wildeste der Compilation und damit auch einer jener, die am meisten Spaß machen. Dabei erreicht er Höhepunkte einer immensen Dichte, die wohl beim Publikum Resonanzen der Kategorie „orgiastisch“ hervorrufen werden (also Dubfire merken!).
Gaisers „Mute“ ist ganz angenehm verspielt. Und das kommt nach den konzentrierteren Tracks zuvor genau recht. Das soll aber nicht heißen, dass „Mute“ bloß ein unterhaltsames Interlude ist, vielmehr schafft er innerhalb der Compilation eine Art Expansion, da der klang wesentlich offener ist und die Klangtropfen geradezu fröhlich durcheinander fliegen. Ein freundliches Stück Musik!
Aber auch Marc Houle, Troy Pierce und JPLS tragen ihren jeweils ganz individuellen Teil dazu bei, dass „EXPANSION | contraction“ eine runde, in sich schlüssige aber eben auch abwechslungsreiche Zusammenstellung ist. Und das ist ja leider nicht selbstverständlich, wo sonst oft willkürlich Tracks zusammen geschmissen werden. Das durch den Titel vorgegebene Leitmotiv findet sich überall wieder und schlägt die Brück zwischen vielleicht etwas konventionelleren Tracks wie von JPLS zu geradezu experimentellen wie vom Troy Pierce. Dieser durfte mit seinem wunderbaren „Oxytocin“ zwar nicht auf die LP, aber hat dafür zehn Minuten Zeit auf der CD bekommen, die auch ohne eine Sekunde zu verschwenden ausnutzt.
Für alle die mit M_nus noch nicht so vertraut sind, ist dieses Release also eine tolle Möglichkeit mal die Musiker neben Richie Hawtin kennen zu lernen – und für Fans ist „EXPANSION | contraction“ sowieso ein Must-Have.










