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"We Comin' Around" von Mighty Vibes
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"We Comin' Around" von Mighty Vibes

s ist schon immer ein bisschen seltsam, wenn so Jungs und Mädels von Nebenan sich kopfüber in eine komplett fremde Kultur stürzen und deren Musik spielen und leben wollen. Das gilt insbesondere für jamaikanische Musik. Das gilt insbesondere fürs hyperkatholische Fulda – der einzigen Stadt in Deutschland, in der Schlecker keine Kondome verkaufen darf.

Wer dann aber beim Rototom Sunsplash Festival 120 andere europäische Reggae-Bands wegbattelt und „European Reggae Newcomer 2006“ wird, der kann nicht ganz scheiße sein. Das war ein Jahr nach dem Debütalbum „Open Minded“ der zehnköpfigen Band mit einem Frauenanteil von 20 Prozent (Wieviel Männer sind in der Band?). Dementsprechend kann man jetzt auch ein bisschen mehr erwarten als ein solides Folgealbum. Zurecht! – die Aufnahme genügt allen Ansprüchen, die zehn Musiker benutzen alle Instrumente, die es gibt, und schaffen so einen sehr abwechslungsreichen Sound. Speziell Orgel und Bläser sind eine absolute Bank auf der Platte.

Besonders interessant ist der Spagat zwischen englischem Toasten und deutschen Raps, beziehungsweise dem Clash von Reggae und Hip-Hop. Grundsätzlich gelingt das klasse, man ist zeitweise ziemlich an einen sehr bekannten deutschen Reggae-Guru erinnert. Aber es gibt auch hier und da was zu meckert. Die Deutschrap-Passagen sind schon eher in Gutmenschen-Dendemann-Manier und spielen technisch dann auch eher in dieser (mittlerweile ja etwas antiquierten) Liga. Inhaltlich geht dann auch manchmal nicht soviel wie etwas bei „Auf & Ab“, aber im Grunde ist das ja angenehmer, als wenn Fuldaer Messdiener einen von Babylon erzählen. Die obligatorischen Polit-/Gerechtigkeitssongs offenbaren dann auch nicht die ganz tiefgründigen Weisheiten, sondern eher Gemeinplätze. Und schließlich gibt es noch zwei stilistische Fauxpas, die vielleicht live ganz witzig sind, aber auf der Platte unangenehm aus dem Rahmen fallen. Der Track „Run“ hat ein etwas ekliges Ska-Musikschulen-Gitarrensolo und „O Lord“ verfällt unangekündigt in ein Polka-Outro.

Nichtsdestotrotz beweisen die „Mighty Vibez“ aber auch mit Scratches, den wirklich überzeugenden Arrangements und glaubwürdiger Karibik-Affinität wesentlich mehr Credibility als Ohrbooten, Raggabund und Culcha Candela zusammen und sind somit nicht nur für Fans des Genres ein guter Kauf, sondern von mir an dieser Stelle auch für die nächste Runde MTV Campus Invasion empfohlen.

S. Krutzinna
titel
01 Never wanna lose | 02 In Control (Give thanx Riddim) | 03 Creator | 04 Auf & Ab | 05 Mighty Vibe | 06 Higher Meditation | 07 We comin' around | 08 Run | 09 Oh Lord (2008 version) | 10 Jah Light Children | 11 Sweet & Nice | 12 Soulsista (live) | 13 Never wanna lose...(DUB RMX)
Release: 30.08.08 bei Radar Music
|http://www.radar-music.cms-domain.de|
Künstler-Homepage: http://www.mighty-vibez.de
cover
Bewertung:
3/5