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"Dead Hippies - Sad Robot" von Claus Grabke
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"Dead Hippies - Sad Robot" von Claus Grabke

erkwürdig, merkwürdig was Claus Grabke, deutscher Rockgott und Skateboard-Legende, auf seinem ersten Album unter eigenem Namen macht. “Dead Hippies - Sad Robot” ist - wie der Titel schon andeutet - ein Doppelalbum. CD1: Rock’n’Roll, direkt und schmutzig auf die Fresse. Dagegen CD2: Melancholisches Gesäusel mit opulenter Orchestrierung. Da macht jemand offensichtlich einfach das, wo er gerade Bock drauf hat - das ist ja meist ganz gut.

Ich muss sagen, dass ich einfach noch keinen Verwendungszweck für “Dead Hippies”, die erste CD dieses Doppelalbums, gefunden habe. Da geht’s um die klassischen Themen: Evilness, Sex, Wildmen - feinstes Lederjacken-Pathos also. Das Ganze passiert aber weder mit der prolligen Attitüde frech herum lümmelnder Punks, noch mit dem coolen Gepose englischer Hochglanz-Bands. Statt dessen haben Grabke und seine beiden Mitstreiter Lena Jeckel (Bass) und Sven Pollkötter (Drums) alles ohne Overdubs eingespielt und damit einen gnadenlos ehrlichen und liebevollen Sound kreiert. Und: Richtig gehört, der hat eine Frau in der Band. Das passt, so wirkt die Band noch mehr wie ein Gegenpol zur British Invasion. Ich glaub nicht, dass die sich auf der Bühne als die beste Band der Welt bezeichnen würden.
Dadurch verliert die Scheibe aber auch gut Power. Ich finde es fast schon wieder hochgezüchtet, was Claus Grabke machen: Die Themen werden weder witzig noch realistisch geschildert, sondern irgendwie flach. Das ist vielleicht eine typische Krankheit aller deutschen Musiker, die auf Englisch singen. Langweilig sind die Songstrukturen, die immer im verzerrt-gebrüllten Refrain das Thema auf den Punkt bringen und sich sehr gleichen. Es wirkt unglaubwürdig, wenn Grabke “I’m dangerous” oder “’cause I can” singt. Es wirkt gekünstelt, so wie die Reime im Refrain von “Revolution Of A Mind”: “Revolution of a mind / Revolution leaves you blind / Revolution of a soul / Revolution takes its toll”.
Erfrischend anders wirkt der Schlusssong “Ode To My Solitude” - melodiöser ist er. Ein Song zum immer wieder Hören, zum Gutfinden, zum Drauffreuen, zum Nachsingen, der dem flachen Album bis dahin gefehlt hat.

Wie schon angekündigt geht es auf “Sad Robot” ganz anders weiter. Vinyl-Knacken empfängt uns, Pollkötter tauscht das Schlagzeug gegen ein Vibraphon ein und Grabke singt flüsternd und getragen. Das hätte man dem Rocktypen Grabke so erstmal nicht zugetraut. Die Texte gehen auch ganz gut klar - sie sind halt einfach und schnell verständlich; so mangelt es aber an Assoziationen, Abstraktheit und Mystik.
Auch Grabkes Gesangskünste finden hier nicht den geeigneten Nährboden. Allerdings nur bei ganz genauem Hinhören bemerkt man die kleinen Brüche in den Linien, abschmierende Tonenden und die Fisteligkeit langgezogener hoher Töne.
Dafür bietet “Sad Robot” musikalisch wahnsinnig viel. Man hat offensichtliche keine Mühen gescheut, verschiedenste Instrumente und Musiker zusammen zu bringen. Ein 40-köpfiges Orchester (in “You Were All To Me”) ist ja nunmal echt mal nichts, was man routiniert zur Kenntnis nimmt. Aber auch die Arrangements stimmen - die intuitive Arbeitsweise (“when singing this song, I hummed a solo, the way I wanted it played by the trumpet... we just left the humming in afterwards” zu “easy”) tut den Songs richtig gut. Das Soundexperiment der kämpfenden Vögel in “Ptica”, die Mandolinenfront in “Bluesbird”, die vielen warmen Akustik-Gitarren - soundmäßig stimmt es hier total.
Es ist also ganz schwierig, ein Fazit zu ziehen. Ich persönlich habe eine Menge Respekt für dieses Doppelalbum, mag es aber textlich lieber etwas komplexer, gesanglich etwas ausgereifter und Rocksongs will ich mitsingen können. Bei allem musikalischen Sachverständnis und der Leidenschaft zum ausgereiften Produzieren ist dieses Album doch zu durchwachsen, um einen Stammplatz in meinem CD-Player zu bekommen.

K. Haller
titel
CD 1: 01 Cause I Can | 02 Hot Love | 03 Look Who`s Bad Right Now | 04 I Never Wanted Anything So Bad | 05 Real Life Promises | 06 Revolution Of A Mind | 07 Take It Out On Me | 08 You`re No Good For Me | 09 Start Walking The Walk | 10 Like A Wildman | 11 I`m Dangerous | 12 Ode To My Solitude
CD 2: 01 Bluesbird | 02 Easy | 03 Garden | 04 Ptica | 05 Rescue Me | 06 You Were All To Me | 07 Grey | 08 When You`re Loved | 09 Year Of Hate | 10 The Bird That Couldn`t Stay | 11 Bluesbird Reprise
Release: 13.10.06 bei nois-o-lution
|http://www.noisolution.de/|
Künstler-Homepage: http://claus-grabke.com
cover
Bewertung:
2/5