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"Vorsicht, Fahrstuhl!" von Tillmann
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"Vorsicht, Fahrstuhl!" von Tillmann

in Schreibtisch voll mit CDs kann entweder ziemlich glücklich machen oder ein wenig einschüchtern. Ich war jüngst eingeschüchtert. Lauter Bands, die ich nicht kenne und die scheiß Bandnamen haben. Nicht zuletzt die Band Tillmann, die bestimmt einfach mal so aus einer Laune heraus beflügelt durch viel Alkohol nach dem Proberaumhund oder so benannt wurde.

Naja. Tillmann hat mich aber zunächst durchaus überzeug – der erste Track ist ein Knaller. „Geldm Gold & Glücklichsein“ ist feine Kapitalismus- und Konsumkritik in einem richtig schön rotzigen Gewand, sodass ich kurz davor bin die Schreibtischschublade für die Punkrock-Stempel auf zu machen. In der Stimme von Sänger Tom schwingt richtig viel Trotz und Wut mit, das gefällt, das ist echt. Da scheißt man dann auch mal locker auf die sich ein wenig wiederholenden Texte und Riffs, wobei man auch sagen könnte, dass Tillmann sich auf der Suche nach dem Song-Ende verläuft.
Bei „Blütenrausch“ hab ich mir überlegt, ob es sich um eine 80er-Jahre-Ärzte-Cover-Band handelt. Leider fehlt der Witz und den schrillen NDW-Effekt auf der Sologitarre ist kann man dann leider nicht im Ernst cool finden. Dann hat der Song wiederum das Problem, dass er viel zu lang ist. Das Songmaterial reicht eigentlich nur für nen Zweieinhalbminüter, aber die Jungs machen mal locker fast fünf Minuten draus. Nicht unbedingt zu meiner Begeisterung…
Dass die Songs permanent so in die Länge gezogen werden, passiert im Grunde wirklich durchgehend. Aber es ist nicht so, dass das die einzigen Schnitzer wären. „Keine Zeit“ etwa möchte vielleicht ein wenig Schulterschluss mit der Hamburger Schule zeigen. Leider fehlt im Grunde der Text und so gut ist Tom auch nicht, dass er die beiden Worte „Keine Zeit“ und manchmal noch „für dich“ so unterschiedlich interessant betonen kann, dass das ganz trotzdem interessant ist. Und es dauert wieder alles zu lange. Ich frage mich dann schon: Wofür ist dieses Lied geschrieben worden? Ist das die Definition von Popmusik, die niemand hören möchte?
Ein kleines Highlight sehe ich noch in „Schwimmen im Meer“, das ganz gut noch vorne geht und das sich sicher prima in die Charts einfügen könnte. Wenn Tokio Hotel den Song covern würden, könnten die damit sicher nen dicken Erfolg feiern. Ich fürchte aber, dass in erster Linie Augsburg und München in den Genuss kommen den Track zu hören, da dies die beiden Heimatstädte der Band sind.

Nach diesen vier Tracks kommt eigentlich auch nichts mehr, was noch großartig anders oder erwähnenswert wäre. Auf der Tracklist ist hinter Track 8 ein rotes Ausrufezeichen, was wohl andeuten soll, dass der Song besondere Beachtung verdiene. Dafür gibt es aber keinen Grund, es ist halt eine Coverversion von diesem blöden Eisbär-Lied („Ich möchte ein Eisbär sein, im kalten Polar“) und klingt halt wie alle Rockcover von jungen Bands, vielleicht ein wenig dissonanter, aber das ist auch alles. Die letzten vier Tracks des Albums, die mit der Fußnote „Geschichten aus dem All“ versehen sind, bringen eigentlich nur noch mehr Unruhe in das gleichzeitig unstimmige und eintönige Album.

Ja, schade, dass der erste Track viel mehr Lust gemacht hat, als auch nur annähernd angemessen gewesen wäre. Aber das Album ist wirklich nichts. Nur weil man Synthies in die Gitarrenmusik einbaut, heißt das noch nicht, dass die Musik danach cool klingt und ein bisschen scheint Tillmann noch auf der Suche nach dieser Erkenntnis zu sein.

S. Krutzinna
titel
01 geld, gold & glücklichsein | 02 blütenrausch | 03 keine zeit | 04 schimmen im meer | 05 wachs auf die haut | 06 wenn ich mal groß bin | 07 total normal | 08 eisbär | 09 karussel | 10 herr dehmel | 11 weltraumfee | 12 funkverkehr | 13 astronaut | 14 nur fliegen
Release: 30.10.06 bei Radar Music
|http://www.radar-music.cms-domain.de|
Künstler-Homepage: http://www.tillmann.de
cover
Bewertung:
2/5