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"Days To Come" von Bonobo
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"Days To Come" von Bonobo

erdammte Scheiße, was hab ich mich auf die neue Bonobo-Platte gefreut! Seit ich denken kann, freu ich mich auf kaum was anderes als auf diese neue Bonobo-Platte. Und zack! – jetzt ist sie endlich am Start. Da ist es natürlich gleichermaßen einfach zu beglücken aber auch zu enttäuschen. Nun, „Days To Come“ ist schon ein feines Ding geworden.

2003 ist das letzte Album „Dial M For Monkey“ von Bonobo rausgekommen. 3 Jahren sind da schon eine recht lange Zeit, die zu warten eben nicht das größte Geschenk der Welt sind. Und wenn man dann so wartet und wartet lässt man die Fantasie ja schon auch mal schweifen und die aufgebauten Erwartungen entfernen sich immer weiter von dem was Bonobo eigentlich ist – ein mordsmäßig gemütlicher Hund. So hab ich irgendwie schon nen totalen Knaller erwartet und erhofft. Das geht ja aber gar nicht. Das geht nicht bei Bonobo, einem Künstler dem es auf eine so einzigartige Weise gelingt musikalische Komplexität in luftige Leichtigkeit zu verpacken. Bei Songs, die wie ein Frühlingswind aus den Boxen, ist es natürlich schon schwierig richtige Knaller auszumachen. Ein leichter Frühlingswind haut eben nicht vom Hocker – das macht der Schneesturm im Winter oder das fiese Gewitter im Sommer. Dennoch ist es aber der Frühlingswind, der zauberhaft durch die Ohren säuselnd so sehr verzaubert, die Gedanken ins Schweifen geraten lässt und einfach wohl tut. So ist Bonobos Musik mit den meisten konventionellen Attributen schwer beizukommen. Der Vorschnelle würde sicher bald auf die Lounge-Musik-Schublade zeigen, mit dem öden Gedudel postmoderner Café-Beschallung haben wir es hier aber ganz und gar nicht zu tun, auch wenn Songs wie „Fever“ mit funkiger Orgel es ein wenig nahe legen. Allerdings sind die Drums da auch zu schnell.

Die Schwierigkeit in der Kategorisierung liegt wohl an folgendem Phänomen. Hört man Bonobo aufmerksam und guten Willens zu, so klingt durchaus jeder Song nach einer absolut eigenständigen Komposition, einem richtigen Individualwerk – man stellt Unterschiede zu den anderen Liedern fest, ist mal zugetan, mal ein klein wenig abgeneigt. Ist dann aber die Platte zu Ende, kann man sich an keinen Track mehr erinnern. Was bleibt ist eine Idee von der Musik, die man gehört hat und die auch gut ist.
Klar, legt man es drauf an, die Unterschiede festzuhalten, so findet man vielleicht in „Between The Lines“ eine Einladung zur Reise etwa in den Dschungel. Eine wirklich groovige Grundstruktur mit bouncigem Bass und geschickten Drumpatterns erzeugen eine unheimlich treibende Wirkung.
Oder bei „Transmission 94“ freut man sich über das coole Arrangement von Glockenspiel und Trompeten, auch wenn der Song ein wenig zu lang geworden ist. Weiter freut man sich über die kleinen Auszeiten, in denen es etwas langsamer zugeht, wie etwa in „Hatoa“, bei dem man wirklich richtig chillen kann – auch wenn es mal nach nem Rhythmuswechsel kurzzeitig doch noch mal etwas flotter wird. Und dann die kleinen kompakten Dinger, die richtig crazy losfeuern wie „On Your Marks“.
Letzten Endes bleibt dann aber doch die Leere im Kopf, die zwar schon schön ist, und sich ein bisschen so anfühlt als wäre sie Ergebnis jahrelanger Meditation, aber ein bisschen möchte man ja dann schon auch Erinnerung an das Erlebte haben. Das fehlt mir ein wenig. Das fehlt mir besonders in Anbetracht der Tatsache, dass die Feature-Gäste alle doofe Stimmen haben, sich zwar schon einpassen, aber Micky-Mouse-Styles sind einfach nix.

Was in jedem Fall Freude macht sind aber die vielen Bläser, die zum Einsatz kommen, die Akustikbässe, der absolut phantastische Klang sämtlicher Instrumente, selbst jener die man kaum hört, wie etwa den Kongas im Titeltrack, den phantasievollen und äußerst flinken Drumsets und nicht zuletzt das schöne Artwork. Und joa: Und natürlich wird sich die „Days To Come“ nicht das letzte Mal auf meinem Plattenspieler niedergelassen haben, auch wenn die alten Alben noch nen Tick griffiger waren.

S. Krutzinna
titel
01 Intro | 02 Days to Come | 03 Between the Lines | 04 Fever | 05 Ketto | 06 Nightlite | 07 Transmission 94 (Parts 1 & 2) | 08 On Your Mark | 09 If You Stayed Over | 10 Walk in the Sky
Release: 31.10.06 bei Ninja Tune
|http://www.ninjatune.net|
Künstler-Homepage: http://www.bonobomusic.co.uk
cover
Bewertung:
4/5