in verrückter Name ist das: Someone Still Loves You Boris Yeltsin. Leider geben weder Promo-Info noch die gängigen Internet-Quellen Aufschluss über Bedeutung dieser Aussage als Name. “I thought of it when I was at the mall with my mom,” sagt Schlagzeuger und Songwriter Dickey, “We’re not good at naming things or planning ahead.” Sei’s drum, hier geht’s um Musik. Und da sind SSLYBY kontrovers: mal sehr schön, mal richtig daneben.
“Broom” heißt das Debüt von SSLYBY, das eigentlich bereits im März 2005 erschienen ist, jetzt aber neu aufgelegt wird. “Broom” heißt ja auf deutsch “Besen” - dieser Titel ist dem Musikjournalisten natürlich lieber (außer er verweigert jegliche Interpretation des Bandnamens - so wie ich - was natürlich das einfachste ist). Kehrt das Quartett aus Springfield, Missouri wie ein Besen durch die amerikanische Musiklandschaft? Schon ein wenig, denn das Album wurde doch eigentlich nur aufgenommen, um im lokalen Plattenladen einen Platz zu ergattern. - Wie kommt es dann, dass die Scheibe jetzt gerade in meinem Player rotiert?
Der Besen assoziiert doch durch seine Funktion des Reinemachens auch frische, junge Kräfte, eine neue Generation. “Mit einem eisernen Besen kehren” sollen die Politiker immer wieder, wenn es um Reformen geht. Im Musikgeschäft entstehen diese von allein und Bands wie Clap Your Hands Say Yeah, Eagle*Seagull oder SSLYBY erscheinen auf der Bildfläche. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten setzt sich Qualität irgendwie doch noch durch und stößt wie mit einem Schienenräumer (= feinste Besenmetaphorik) die Platzhirsche aus dem Weg. Mitte der 90er waren es z.B. Weezer, die mit ihren ersten Alben die Erinnerung an den gerade verstorbenen Kurt Cobain aus den Herzen fegten.
Ich vergleiche SSLYBY zuerst mit Weezer, denn die Stimme von Sänger John Robert Cardwell kann so unaufgeregt flüstern, jammern und schreien wie Rivers Cuomo es einst tat. Die großen Ohrwürmer sind auf “Broom” aber nicht zu finden, sondern Songs, die sich mehr durch ihr merkwürdiges Zustandekommen im Kopf des Hörers festsetzen. Da ist z.B. das Lied “Anne Elephant”, welches so catchy beginnt und eigentlich alle Vorraussetzungen für einen Indie-Rock-Hit hat, sich aber zu einer furiosen Lo-Fi-Schlacht entwickelt, am Ende sogar primitiv-raffinierte Produktionsspielereien aufweist. Dieses Album trägt noch deutlich die Spuren des Kellers, aus dem es stammt: Primitiv, aber raffiniert, das drückt es vielleicht am Besten aus.
Mein Favorit auf dieser Platte, “House Fire”, wurde schon eher zur besseren Bekömmlichkeit durchgebürstet. Da stimmt alles, vom stimmungsvollen Anfang über einen herrlichen Pre-Refrain bis zum knackigen Refrain. Insgesamt kann man diesem Album aber vorwerfen, dass es wahnsinnig unsauber ist. Irgendwo haut es immer verstimmt dazwischen, kommt ein Rhythmus ungerade vor und wackelt die Intonation im mehrstimmigen Gesang beträchtlich. Bei den Libertines war das ja Prinzip, aber die hatten das auch besser drauf als SSLYBY es jetzt machen.
Ein Vorteil an Bands wie SSLYBY ist aber ja nicht nur, dass sie sehr talentiert sind, sondern auch dass das eigentliche Release ihrer Debütalben meist schon eine Weile zurückliegen, bis sie nach Europa kommen. Also können wir uns auf einen baldigen Nachfolger zu “Broom” freuen, und wenn die Band ihre Lockerheit behalten und noch etwas verfeinern, effektiver einsetzen und ausschmücken kann wartet da ein ganz großes Album auf uns. “Broom” selbst ist aber auch schon ein hörenswertes und inspirierendes Stück Musik mit feinen Melodien und tollen Riffs - hört aber erstmal rein bevor ihr es kauft. Sonst richtet sich der mächtige Besen des Hörers noch gegen die Musikjournalisten, die das Werk empfohlen haben.











