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"In the Absence of Truth" von ISIS
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"In the Absence of Truth" von ISIS

eit fast einer Dekade revolutionieren ISIS den Metal. Mit ihren wirren Songstrukturen, den ungreifbaren Soundlandschaften und dem schwerelosen Gesang machten und machen sie Musik, die vor ihnen nicht da war. Irgendwo zwischen Deftones, Tool und Mogwai, angereichert mit einer Portion Black Metal – das ist ungefähr ISIS.

Das Album „In The Abscence Of Truth“ trägt den klangvollen Untertitel „Nothing Is True, Everything Is Permitted“. Im sonst eher wortkargen Booklet findet sich eine Erklärung, die das Zitat einem Hassan-I Sabbah zuschreibt, allerdings mit dem Hinweis, dass sich Historiker über den Ursprung streiten. Jetzt der Knaller: Ich weiß zufällig, dass dieser Hassan-I Sabbah bloß Fiktion ist – erfunden von zwei Herren namens Robert Anton Wilson und Robert Shea. Jene beide Männer sind Autoren des legendären Romans „Illuminatus!“, das schon so manchen (Klein-)Geist durcheinander gewirbelt hat (man denke an den Film „23“), aber auch eine Menge interessante Denkanstöße beinhaltet. Der dreiteilige Roman ist ausgesprochen surreal, entbehrt einer gewissen Logik, macht Fiktion zur Tatsache, greift in den großen Topf der ach so geordneten Geschichte und dichtet alles um – wobei der Autoren zwinkernde Augen dem jungen Leser oft entgehen. Gewisse Parallelen zum Album von ISIS sind somit nicht von der Hand zu weisen und geben somit zumindest assoziativ dem Untertitel einen Sinn.
Es ist schwer einzelne Titel herauszugreifen, denn Pausen zwischen den Songs gibt es nicht und Intros und Outros sind gut aufeinander abgestimmt, sodass man schon genau hinhören muss um überhaupt mitzubekommen, dass ein neuer Track beginnt. Eine Tracklist findet sich auch nur in wenig exponierter Form. Und so ist der Eindruck des Albums auch nicht die Summe von Eindrücken der einzelnen Titel sondern vom Gesamtwerk, auch wenn die Titel bei weitem nicht alle gleich sind.

Die meisten Songs beginnen sehr langsam, mit Feedbacks, leisem Gitarrengezupfe oder Rauschen vom Synthie. Nach kleinen oder größeren Umwegen gipfeln sie dann irgendwo in orgiastischen Höhepunkten in denen zum Teil drei Gitarren durcheinander schrammeln, Bass und Schlagzeug den Rhythmus vorgeben und sphärische Klänge aus dem Synthie dröhnen. Der Gesang von Aaron Turner, springt vom verschwommen Pathetischen zum rauen Schreien und ein geordnetes, energetisches Chaos entsteht.
Die beschriebenen Soundteppiche sind natürlich das, was kracht, was die Besucher von Konzerten ausrasten lässt. Das was ISIS aber ebenso ausmacht ist der Weg dorthin, denn diese Form der Instrumentalmusik (und wenn Gesang dabei ist, ist dieser hintergründig) gibt es im Metal sonst nicht. ISIS schaffen es mit dem Instrumentarium einer Metal-Combo und dem entsprechenden Klang sehr feine Musik zu machen, die sich ineinander verstrickt, die wabert, wogt, vibriert. Sie verdient sich nicht umsonst das Attribut Art-Metal, dennoch ist sie nicht Musik, die nur existiert um Grenzen zu zerschlagen, sondern ISIS lässt sich auch gut hören.
Mir gefällt besonders der nebulöse Klang, die Nicht-Greifbarkeit von Aussagen, von Strukturen. Eben das was die Parallelen zum Illuminatus!-Roman ausmacht: Da wo im Roman die ganze Welt auf den Kopf gestellt wird, stellen ISIS die Metalwelt auf den Kopf, scheißen auf die Konventionen und das auch noch mit einer Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit als gäbe es Black Sabbath, Slayer, Metallica und Iron Maiden gar nicht. Interessant ist wohl auch, dass ISIS wohl auch eine Brücke baut zwischen den traditionellen Metallern und den Kindern der Späten 90er.
Übrigens: ISIS bringt zeitgleich eine DVD raus mit dem Titel „Clearing The Eye“, die Randvoll mit Liveperformances ist, die allesamt sehr sehenswert sind – besonders ein kompletter Konzertmitschnitt in Sydney. Ansonsten sind ISIS auch momentan mit Tool auf Welttournee und werden in einigen größeren Locations zu bestaunen sein. Kinder – gönnt euch das ruhig mal!

S. Krutzinna
titel
01 Wrist of Kings | 02 Not In Rivers, But In Drops | 03 Dulcinea | 04 Over Root And Thorn | 05 1,000 Shards | 06 All Out Of Time, All Into Space | 07 Holy Tears | 08 Firdous E Bareen | 09 Garden Of Light
Release: 03.11.06 bei Ipecac Recordings
|http://www.ipecac.com|
Künstler-Homepage: http://www.sgnl05.com/
cover
Bewertung:
4/5