ast du auch diese furchtbaren Bekannten, die einfach nur Rock’n’Roll hören? Scheiß egal: Hauptsache England - und wenn nicht England, dann wenigstens Jeans im Grunge-Look! Hu Hu Hu! Ich dachte ja mal, dass nach Oasis irgendwie mal Ruhe einkehrt, aber weit gefehlt. Mando Diao schaffte es jüngst auf das Feuilleton-Titelblatt und vor der nächsten Arctic Monkeys Platte fürchtet man sich jetzt schon (ob der deutlich überrotierten Songs ihres Erstlingswerks). Naja, und dann kacken dann ja noch Franz Ferdinand und der der ganze Glasgow-Kram rum…
Naja. Zurück zu diesen Menschen. Es juckt einem ja schon mal in den Finger da ein wenig zu hänseln. Mir geht es zumindest so und mein Instrumentarium diesem drängenden Bedürfnis nachzugehen ist dann doch eher beschränkt, bzw. beschränkt sich selbst, weil es irgendwie dann doch nicht immer witzig ist. Dennoch: Das Bedürfnis bleibt. Allerdings schiebt die Band „Ultra Milkmaids“ (ja, das heißt Ultra Milchmädchen!) mit „Pocket Station“ eine Platte in die Regale der Recordstores, die man unbedingt an diese Moderocker verschenken muss. Und zwar mit einem freundlichen Lächeln, warmherzig und charmant – auch wenn das nicht die ersten Adjektive sind, die deinen Bekannten einfallen, wenn sie dich beschreiben müssten.
Jetzt hab ich hoffentlich furchtbar neugierig gemacht, wieso die Platte für unser Vorhaben so bestens geeignet ist, und ich bin so galant, das Rätsel umgehend zu lüften, nicht nur weil dies der Job eines Musikrezensenten so gebietet.
Den Auftakt der CD bildet ein Song, betitelt mit „so sorry“ (wie schön) und rockt so richtig drauf los. Schön krachiges Schlagzeug mit Beckeneinsatz und so, dazu einfaches, leicht annehmbares Gitarrengeschrammel. Von so manchen Rock-Alben ist man es ja gewohnt mit einem Instrumental begrüßt zu werden, sodass es gar nicht auffällt, dass kein Gesang da ist. Dass neben den Retro-Trash-Gitarrensoli noch kleine Samples fleuchen, dürfte dem Subjekt unseres Schabernacks sicher nicht auffallen, wir haben es ja hier eher mit einem NEON-lesenden Kleingeist zu tun.
Beim zweiten Track dürfte so manchem Rocker schon mulmig werden. Der Song ist wie psychologische Architektur – schräge Decken und Bögen schaffen Unsicherheit, auch einen Hauch von Unbehagen. Und ein wenig ist es hier auch so. Der Song ist nicht das was er zu sein vorgibt. Hinter der Post-80er Rock-Fassade treiben Rückwärtsgitarren ihr Unwesen, ungefragt und – wie wir hoffen ungewollt – gedeihen leise kleine Soundlandschaften.
Analog zu den Songstrukturen verhält es sich weitestgehend mit dem ganzen Album, wenngleich die Tracks durchaus abwechslungsreich sind. Mir kommt das Bild des trojanischen Pferdes in den Kopf. Im hölzernen Rock’n’Roll-Pferdchen werden Verstörung säende Achillesse durch das Trommelfell in das Gehörzentrumstroja geschleust.
Der fünfte Track „why?“ ist noch ein Liebling von mir. Unschuldig wie eine katholische Grundschülerin erklingt die Akustikgitarre. Man möchte directment ein Lagerfeuer entfachen und Stockbrot machen und empfindsam werden. Aber das verdammte Rauschen im Hintergrund, das am Anfang ja eher so versehentlich erschien; es geht einfach nicht weg. Und dann kommen noch diese lang gezogenen feedbackartigen Pieptöne und lachen sich wie kleine Teufel kaputt über die ganze Lagerfeuerkacke. Aber die Akustikgitarre weiß weshalb sie in diesem Song existiert, spielt das lustige Spielchen mit, denn sie weiß, lustig macht sich das Feedback nicht über sie, sondern über den Zuhörer.
Das Schöne an der Platte ist, dass sie sich ganz herrlich hören lässt, wenn man den Rock’n’Roll-Anspruch nicht hat und sie nervt dann auch nicht, wie man vielleicht vermuten könnte, sondern ist ein adrettes Stück Musik, wohl komponiert, ein Wunschkind.
So erfüllt „pocket station“ den eingangs erhobenen Geschenkzweck in jedem Fall. Entweder der Beschenkte findet die CD cool, weil die Gitarren so wierd klingen (dann können wir uns freuen, dass er nix gecheckt hat), oder er findet die CD scheiße, weil er eben auf die beschriebenen Irritationen reinfällt (dann können wir uns auch ganz doll freuen). Und dann gibt es natürlich noch den vielleicht eher Ausnahmen vorbehaltenen best case, in dem der Beschenkte sich verzaubern lässt von den wirren Feedbacks, den Rückwärtsgitarren und so weiter – dann waren die Ultra Milkmaids ein guter Indikator um einen Musikkenner zu identifizieren.










