adly Drawn Boy, mittlerweile aus dem Status des Geheimtipp unter romantischen jungen Leuten herausgewachsen, legt sein neues Album „Born in the U.K.“ vor. Die nicht wenigen Fans, die sich untereinander durch verrückte Wollmützenkreationen zu erkennen geben, haben es heiß erwartet. Das heißt natürlich auch: Fette Erwartungen an den englischen Künstler.
Schon im September diesen Jahres stellte Badly Drawn Boy seine neue Platte in einigen deutschen Clubs vor. Er beeindruckte durch unheimlich unverkrampftes Auftreten. Rauchte eine Kippe nach der anderen, aber lässig – so lässig wie er auch seine warmen Melodien dahinträllerte. Die meisten Besucher seines Hamburger Konzerts hatten sich darauf gefreut ihre Lieblingslieder zu hören – aber Pustekuchen. Stattdessen gab’s in minimalistischer Besetzung (wie gern hätte man sich Querflötisten und Streicher gewünscht!), eher fetzigere Songs ohne Charisma. Das schönste waren da dann doch die Ansagen.
Die neue Platte des Multiinstrumentalisten zeigt kein viel besseres Bild. Der Titeltrack ist bescheuert, das Video dazu auch. Das Video ist ein langweiliges Patchwork aus 70er Jahre Fernsehgedöns. Der Song verfügt nicht über die geliebte harmonisch-sanfte Komplexität, sondern wird durch schlichtes Akkordgewichse auf Piano und Gitarre zu einem absolut normalen Stück Musik runtergestampft. Es klingt ein bisschen nach Hörerfang in der Indie-Szene... Zumindest ist mir dieser Exkurs nicht weiter zu erklären.
Ein weiterer richtig doofer Track ist „Welcome To The Overground“. Billige E-Gitarre versucht ein Intro zu zaubern, während das Piano unterschwellig das Hauptthema des Songs entwickelt, das im Grunde auch gar nicht so verkehrt ist. Allerdings gefällt mir die Umsetzung ganz und gar nicht. Badly Drawn Boy setzt uns hier einen Chor vor die Nase, der zusammen mit den doll groovigen Drums und dem Abwechslung ablehnendem Piano eine Hymnenhaftigkeit suggeriert, die einfach nicht passt. Es klingt wirklich wie ein schlechtes Robbie Williams Cover. In die Charts kommt man damit bestimmt, aber nicht in meinen CD-Player.
Diese beiden Songs sind in meinen Augen die größten Schnitzer, Songs die mir wirklich einfach nicht gefallen. Aber auch bei den eher unscheinbareren Songs zeigen sich Schwächen. „Promises“ etwa ist ein sehr ruhiges Stück. Es gefällt im Grunde auf Anhieb. Aber nach gut fünf Minuten fällt mir auf, dass da wirklich nicht viel passiert ist. Das hat der gute Mann in vorigen Veröffentlichungen schon kompakter hinbekommen.
Oder etwa „From A to B“. Auf dem Gesang liegt viel zu viel Hall. Dadurch wirkt Damon Gough deutlich weiter entfernt. Die Intimität zu dieser ja eigentlich sehr sympathischen Person schwindet und damit auch der Charme. An den munteren Abwechslungsreichtum wie er etwa auf der „One Plus One Is One“ gezeigt wurde, kann hier nur ansatzweise angeknüpft werden.
Den einzigen großen Lichtblick in diesem Album finde ich in „Degrees of Separation“. Lustig hoppeln seine Finger über die Tasten des Pianos, unbeschwert erklingt sein Gesang – die Musik ist einfach nett, freundlich – von Grund auf positiv, ganz unabhängig von den Texten.
„Nothing’s Gonna Change Your Mind“ ist auch in Ordnung. Die Schwächen des Songs, die primär im unnötigen Pathos zu finden sind, werden aber notfalls durch das zauberhafte Video ausgebügelt. Das tröstet.
So lässt sich recht unbekümmert sagen, dass Badly Drawn Boy nicht anknüpfen konnte an das, was er besonders auf „Hours of Bewildbeast“ und „One Plus One Is One“ gezeigt hat. Klar die CD ist anders, aber meine Enttäuschung beruht nicht auf grundsätzlichem Unwillen gegenüber Veränderung, sondern darauf, dass Badly Drawn Boy an Komplexität verliert und irgendwie auch an Herz. Die Musik wird mehr Mainstream. Dies wird vielleicht seine erfolgreichste Platte und vermutlich wird er auch auf einigen Festivals im nächsten Jahr in Deutschland zu sehen sein. Aber da gibt’s dann keine Querflöten zu sehen, keine wirklich berührenden Songs – nur die Wollmütze wird bleiben.
Die beiden genannten Videos finden sich hier. (http://www.badlydrawnboy.co.uk/video.html)










