dvokat hat viele Bedeutungen. Auf lateinisch heißt es in etwas „der Herbeigerufene“, Advokat heißt auch „Fürsprecher“ und „Rechtsbeistand“. The Game bezeichnet sich selbst als Advokat des Doctors. Treffend.
Herbeigerufen wurde The Game definitiv von Dre. „The Documentary“, The Games Major-Debüt, welches unter der Aufsicht von Dr. Dre entstand, war einer der wenigen Rap-Klassiker der letzten Jahre. 5 Millionen verkaufte Einheiten dieses Meisterwerks sprechen eine deutliche Sprache. Mit „Doctors Advocate“ allerdings hat Dre nichts mehr zu tun. Kein Beat, kein Executive Producer, nichts. Woran das liegt ist zwar spannend, aber in einem Geflecht von verschiedenen Beefs, Label-Streitigkeiten, falschen Äußerungen und Games teilweise verqueren Ansichten nicht richtig auszumachen. Fakt ist, mit „Doctor’s Advocate“ steht The Game auf seinen eigenen Füßen. Und doch: Dr. Dre ist allgegenwärtig. Nicht nur auf dem Titeltrack „Doctor’s Advocate“, der eine wahre Dankeshymne auf seinen Mentor ist. Überall auf dem Album finden sich Querverweise und Tribute an den König der Westcoast.
Dessen Erbe will The Game nun antreten. Er ist auf dem besten Weg dazu. „Doctor’s Advocate“ ist kein „The Documentary“ soviel steht fest. Ein wirklich gutes Album aber schon. Bereits die erste Single „It’s Okay (One Blood)“ war ja ein ganz gefährlicher Banger. Produziert vom völlig unbekannten Reefa, der das Junior Reid Sample perfekt eingesetzt hat und Game der sich einfach mal die Wut von der Seele rappt. Was folgt präsentiert die ganze Bandbreite von The Game. Raue N.W.A.-Sounds auf „Compton“, welches überraschenderweise von will.i.am produziert wurde, hört man genau so, wie nachdenklich souliges auf „Wouldn’t Get Far“. Dieser Kanye-Beat gehört sicher nicht zu den Meisterleistungen des Mannes der mit „Dreams“ für einen der intensivsten Momente auf „The Documentary“ verantwortlich war. Trotzdem sind die Ausführungen der beiden über gold diggende „Rap-Models“ durchaus unterhaltsam. Gleiches gilt für Single Nr. 2 „Let’s Ride“. Der Scott Storch Beat fließt extrem lässig aus den Kofferraum und The Game hat den Text auch hörbar an einem seiner besseren Tage geschrieben. „Ain't nothing but a g-thing, baby it's a g-thing, Bounce like you got hydraulics in your g-string” und so weiter.
Aber natürlich gibt es auch andere Zeiten über die The Game rappt. „Ol’ English“ ist ein sehr persönlicher Track auf dem The Game noch mal seinen Werdegang Revue passieren lässt. Der ruhige halbtraurige Hi Tek-Beat passt perfekt. Gleich danach vereinen sich drei der absoluten Größen der Westcoast um eine neue Hymne für ihre Küste aufzunehmen. The Game, Snoop Dogg & Xzibit – „California Vacation“. Kein Hit-Tune ala „California Love“, aber ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass die Westcoast immer noch mitspielt. Ein bisschen unpassend ist der R&B-Ausflug mit Jamie Foxx „Around The World“. Aber das ist nur ein kleiner Schönheitsfehler.
Die Westcoast kann mal wieder stolz sein auf das, was The Game hier abliefert. „Doctor’s Advocate“ ist ganz und gar sein Album. Da kann keiner mit Dre und 50 kommen. Nicht auszudenken, was mit Dre und 50 noch möglich gewesen wäre. Aber das hier ist ein wirklich gutes Album.










