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"nyx" von m2
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"nyx" von m2

o fängt Musik an? Wo endet Geräusch? Ist das stilisierte Geräusch in absoluter Perfektion Musik? Ist Stille Musik? „Nyx“ von m² stellt auf den Kopf, was nie in dieser Gänze hinterfragt wurde.

Weiß man nicht, worauf man sich mit diesem Album einlässt, ist man sicherlich sehr überrascht. Der erste Track „Moros“ beginnt mit einem metallischen, sägenden Geräusch, das laut und grob hereinbricht und langsam abebbend Stille hinterlässt. Ein metallischen Flimmer durchschneidet nach einiger Zeit den dunklen Raum der Geräuschlosigkeit und verschwindet. Ein dunkles Grollen setzt ein, gefolgt von dem anfänglichen ersten metallischen Sägen. Ganz langsam schwinden die Intervalle zwischen den Geräuscheinwürfen, aber eine wirkliche Vermischung ist kaum greifbar.

Nicht jeder Track ist jedoch eine Aneinanderreihung von singulären Sounds. Der zweite Track „Thanatos“ etwa hat als Grundlage meist ein finsteres Dröhnen. Extrem weiche, stilisierte Xylophon-Tonfolgen schweben darin herum. Krachige Schläge mit unendlichem Hall brechen zudem in die schwarze, nebulöse Wolke von dunklem Klang. Dass Thanatos der griechische Gott des Todes ist, und ihm die Farbe schwarz zugeordnet ist, hilft vielleicht auch noch bei der Beschreibung der Atmosphäre dieses Tracks.

Fast unbegreiflich ist, dass es irgendwo doch unterhaltsam ist diesen, vom Umfang her, opulenten Werken zu lauschen (die acht Titel dauern insgesamt auch über eine Stunde). Ursachen dafür, dass man diese scheinbar willkürlichen Soundkompositionen nicht vollkommen bescheuert findet, lassen sich durch finden. Zum einen ist da der Lost-Highway-Effekt. Den gibt es natürlich nicht, den erfinde ich jetzt. David Lynch hat einen Film mit Titel Lost Highway gedreht, der inhaltlich kaum zu verstehen ist. Dennoch ist der Film extrem spannend, da der Zuschauer gar nicht anders kann als zu versuchen die wirren Bilder in einen Zusammenhang zu bringen und so gefesselt wird. Es ist das urmenschliche Bedürfnis nach Ordnung und Struktur. Dieses Phänomen kann ich wohl auch bei mir als Hörer der Platte „Nyx“ ausmachen. Ich verstehe die Musik nicht. Aber ich will sie verstehen. Ich habe acht Tracks, die auch alle Titel tragen, und so kann ich nicht anders, als das was ich höre irgendwie zu systematisieren und zu verstehen. Natürlich ist das weitestgehend erfolglos, gerade auch, weil es bis auf den Track „Nemesis“ keine rhythmischen Strukturen gibt. Aber durch wiederholte Motive hat man kaum Gelegenheit aufzugeben – es werden einem immer wieder Brocken hingeworfen, die der Geist begierig aufnimmt.
Ein anderer Grund an dem Interesse an den Kompositionen liegt an der Schönheit der Aufnahmen. Diese sind extrem gut produziert. In 24 Bit aufgenommen bietet die CD eine Informationsdichte, die das Ohr von anderen Produktionen nicht gewöhnt ist. Das macht sich sowohl in der stark differenzierten Lautstärke bemerkbar, als auch im überaus filigranen Mix insgesamt. Davon abgesehen ist zum Beispiel die Nutzung der Möglichkeiten des zweiten Audiokanals (Stereo) auch maximal.
Inhaltlich ist auch übrigens trotz aller akustischer Dämmerigkeit eine gewisse Ereignishaftigkeit gegeben. Im Track „Eris“ brechen etwa auch immer wieder klirrende Schläge ins wabernde Dröhnen. Somit ist das Album auch nicht einschläfernd. Also wirklich gar nicht. Dazu fürchtet man sich vielleicht auch viel zu sehr vor der verstörenden, nachtschwarzen Atmosphäre, der ein permanentes Grauen immanent ist.

Für meinen Teil ist die Atmosphäre auch das interessanteste. Den ganzen Mythologie-Kram, der hier gegenwärtig ist, will ich überhaupt nicht auf das Album übertragen (Albumtitel „Nyx“ ist die personifizierte Nacht; die Tracktitel sind auch alles Götter: „Klotho“, „Lachesis“ und „Atropos“ sind Kinder des Zeus und bilden die Moiren, die Schicksalsgöttinen. Alle anderen sind Kinder der Nyx – meist negativ konnotiert, aber nie positiv). Ich lass mich lieber von der Stimmung berauschen. Vom Chaos, vom Endzeitlichen, vom Schicksalshaften, vom Grauen, vom Unvermeidbaren, vom Schwarzen. Von Nyx.

S. Krutzinna
titel
01 Moros | 02 Thanatos | 03 Hypnos | 04 Eris | 05 Nemesis | 06 Klotho | 07 Lachesis | 08 Atropos
Release: 06.10.06 bei Ant-Zen
|http://www.ant-zen.com/|
Künstler-Homepage: http://www.position-chrome.net
cover
Bewertung:
4/5