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"An Other Cup" von Yusuf
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"An Other Cup" von Yusuf

ie groß war die Freude, als ich hörte, dass Yusuf Islam ein neues Album herausbringen mag, das an seine Alben, die er unter dem Namen Cat Stevens machte, anknüpfen sollte. Damit war ich sicher nicht alleine: Gerade meine Elterngeneration konnte von kaum etwas Anderem mehr sprechen. Nun ist sie endlich da...

Cat Stevens habe ich zunächst beschissen interpretiert von gefühllosen Lagerfeuergitarristen kennengelernt. In einem Set zusammen mit „County Roads“ und ähnlichen Geschmacklosigkeiten. Schließlich – und das ist erst 1-2 Jahre her – fand ich dann zu Cat Stevens Alben. Die elterliche Plattenkiste tat ihr Ihriges dazu, dass ich schnell mit seinem Werk vertraut war und seine gefühlvolle, aber auch oft sehr groovige Musik kennen und schätzen lernen konnte. Überrascht stellte ich bald fest, dass es in meiner Generation, die geboren wurde nachdem Cat Stevens seine Gitarre beiseite gelegt hatte und sich mehr dem Islam zuwandte, gar nicht wenig Freunde dieser Musik waren. Unter Raphörern, Rock’n’Rollern und Electro-Fans, überall frönte man den Jahrzehnte alten Melodien des Schwarms unserer Mütter. Dass „Harold and Maude“ seinen Kultstatus noch überhaupt nicht verloren, hängt sicher auch nicht unwesentlich damit zusammen, dass die Filmmusik eben von Cat Stevens ist.

Steven Geogiou heißt jetzt nicht mehr Cat Stevens, sondern Yusuf Islam; eigentlich auch nicht erst seit heute. Nun viel Zeit ist vergangen – 28 Jahre um genau zu sein – und nun macht Yusuf wieder Musik für uns. „Midday (Avoid City After Dark)“ ist aber genau der richtige Opener. Nach wenigen warmen Gitarrenakkorden erklingt schon Yusufs Stimme. Diese Fülle, Leichtigkeit und Wärme! Wie wundervoll. Textlich ist es auch ganz nah an den früheren Werken “O I love to see the children playing in the rain/ Splashing Boots; kicking mud“ - diese Freude am Alltäglichen, am Sorglosen… Herrlich. In den Refrain leitet ein so typisches Summen von Yusuf, so als wäre keine Zeit vergangen. Ein bisschen schade finde, ich dass der Refrain ein bisschen zu poppig und pompös durch sehr großzügigen Bläsereinsatz ist.

Den Kritikpunkt der etwas zu reißerischen Produktion möchte ich auch noch etwas ausweiten. Ich hab ein wenig das Gefühl, als wollte man aus Yusuf wieder einen Popstar machen. In „Heaven/Where True Love Goes“ geistert unterschwellig eine unpassende E-Gitarre rum, das Outro ist hier mit seltsamen Synthies verstümmelt. Beim Coversong „Don’t Let Me Be Misunderstood“ sind anorganische Bässe eingefügt um dem Song mehr Volumen zu geben – wobei Yusuf das aber natürlich überhaupt nicht nötig hat. „I Think I See Light“ ist leider auch viel zu pompös arrangiert. Das Arrangement ist fast schon Pop-Rock, die Aufmerksamkeit heischenden Piano-Parts sind zu funkig und die simplen Basssoli stören auch sehr das Bild. Es ist jetzt auch nicht so, dass ich mich bei allem querstelle, was anders klingt als vor 30 Jahren. Aber ich habe ein wenig das Gefühl, dass die Produzenten hier ein bisschen zu viel gewollt haben. Die Instrumentierung ist mir generell zu reich; weniger wäre hier mehr gewesen. Streicher, Bläser, Piano, Flöten, verschiedenste Percussions – das finde ich ein wenig zu viel.

Aber das heißt nicht, dass das Album schlecht wäre. Betroffen sind ja auch nicht alle Songs und auch die nun bereits genannten sind auch prima hörbar. Es gibt eben aber auch noch richtige Perlen. „Heaven / Where True Love Goes“, die erste Single, ist zum Beispiel ein großes Stück. Textlich auch wieder wunderbar. Yusuf schafft es hervorragend so selektiv zu erzählen, dass die Leerstellen zwischen den Worten durch die Metaphorik der gebrauchten Wörter voll ausgefüllt werden, sodass die erzählte Geschichte sehr dicht ist – ohne dass er viele Worte sagen braucht. Groovig geht es hier im Refrain auch allemal wieder zu.

„Maybe There’s A World“ ist ein Song, wie ich ihn mir gewünscht habe. Ein minimales Set, Yusufs Stimme steht total im Vordergrund, sonst ist meist nur eine Gitarre zu hören. Die Backing Vocals sind dezent und das Songwriting ist unheimlich warm. Beim zweiten Refrain stößt Piano dazu, das aber auch ganz locker bleibt und sich darauf beschränkt die Gitarren darin zu unterstützen den Song an dieser Stelle noch ein wenig fetziger zu machen.

Das Ende der CD bietet etwas Abwechslung und sehr Interessantes. „Whispers From A Spirtitual Garden“ ist ein gelungenes Stück indischer Musik. Es schließt sich das Stück „The Beloved“ an, das vielleicht das wertvollste auf der Platte ist. Es baut eine wunderschöne Brücke zwischen traditionell islamischen Melodien (bzw. Yusufs zwischenzeitlich veröffentlichten, stark religiös geprägten Platten) und seinem ursprünglichen Songwriting. Dass dieses Miteinander hier so wundervoll funktioniert, deutet zum einen darauf hin, dass Yusuf es geschafft hat seine beiden sehr unterschiedlichen Lebensabschnitte als gleichermaßen zu seinem Leben gehörig zu akzeptieren. Zum anderen kann der Song mit seiner Integrationsfähigkeit gesellschaftlich wirklich als Vorbild dienen.
Der letzte Song „Greenfields, Golden Sands“ stammt noch aus der Cat Stevens-Zeit, in der er unverarbeitet in einer Schublade gelandet ist. Dass dies nicht das endgültige Schicksal des Songs geblieben ist, ist klasse. Der Song hat wiederum die so signifikante Wärme und kann so den Text hervorragend transportieren. Es geht um Genügsamkeit: „A small house and an olive tree/ To keep and feed my family“ - kann man das schöner sagen? Hier bin ich dann auch mal geneigt über die Synthies und Streicher hinwegzusehen.
Die frohe Botschaft ist also in erster Linie, dass Yusuf Islam immer noch feinste Musik machen kann. Dass er hier nicht ganz gelungen produziert worden ist, ist schade, beeinträchtigt aber die Songs dieses Ausnahmemusikers nur gering.

S. Krutzinna
titel
01 Midday (Avoid City After Dark) | 02 Heaven / Where True Love Goes | 03 Maybe There's A World | 04 One Day At A Time | 05 When Butterflies Leave | 06 In The End | 07 Don't Let Me Be Misunderstood | 08 I Think I see The Light | 09 Whispers From A Spiritual Garden | 10 The Beloved | 11 Greenfields, Golden Sands
Release: 11.11.06 bei Universal
|http://www.universal-music.de|
Künstler-Homepage: http://yusufislam.com
cover
Bewertung:
4/5